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      Mit dem Schauspiel "Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter" von Christoph
      Marthaler und Anna Viebrock greift die Ruhrtriennale ein Thema auf, das an
      vielen Theatern alltäglich ist, den Abschied von einer liebgewonnenen Bühne
      sowie den Neuanfang im Anschluss.

      Es ist wirklich typisch Schweizer Humor in Form einer Kollage aus Szenen,
      die Christoph Marthaler in seiner Zeit an der Berliner Volksbühne inszeniert
      hat. Es war die Zeit der Castorf-Ära. Man muss nicht wissen, aus welchen
      Stücken die Szenenschnipsel stammen, und trotzdem ergibt das Ganze
      eine runde Sache. Die Langsamkeit ist Trumpf. Die Akteure werden von
      einem Museumsmitarbeiter in Kisten nach und nach auf die Bühne gescho-
      ben. Sie wirken wie Kunstfiguren, die für sich selbst eine Zukunft suchen.
      Viele Jahre stehen sie auf der Bühne, werden reifer. Finden sie noch einmal
      einen Job am Theater? Müssen sie sich umorientieren? Die Schauspieler
      sind deshalb auch durchaus älteren Baujahrs. So wirkt das Stück authen-
      tisch. Mit leerem Blick schauen die Individuen in den Raum, suchen einen
      neuen Lebenskontext und erinnern sich an die Vergangenheit.

      Es ist eine Mischung aus Schauspiel und Musik. Zwei Klaviere, eine Orgel
      und ein Harmonium begleiten die Aufführung live. Das Zusammenspiel ist
      exzellent. Feiner Humor garniert die einzelnen Szenen, sozusagen Schweizer
      Slapstick mit Tiefgang, in einem Bühnenbild, das das ehemalige Kunst-
      museum in Basel darstellt. Teilweise werden die Akteure zu Skulpturen oder
      Bildern. Bereits verstorbene Schauspieler kommen aus dem Off. Die ein-
      samen Exzentriker treffen sich immer wieder in der Musik, sehr gut ange-
      stimmt. Der Gefangenenchor aus Nabucco wird als Schweizer Hausmusik
      präsentiert. Getanzt wird auch, einmal eine große Ballerina sein. Wirklich
      urkomisch, wie so viele Szenen.

      Die Texte wirken trotz der Kollage sehr passend. Lebensweisheiten mal ernst,
      mal humorvoll. Gegen Ende wirkt die Aufführung etwas zu lang, was den sehr
      guten Gesamteindruck allerdings nicht trüben kann.

      Datum: 31. August 2018, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

      allgemeine Infos und Fotos zur Ruhrtriennale 2018
      www.ruhrtrienale.de