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      Die Ruhrtriennale 2018 setzt weiter positive Zeichen. Mit dem sehr intensiven
      und weltgesellschaftskritischen Schauspiel greift man mit "The Factory" von
      Mohammad Al Attar auf PACT Zollverein das extrem schwierige Thema
      Syrien auf. Die Darstellung schüttelt die Besucher regelrecht durch. Regie
      führte Omar Abusaada.

      Syrien ist für uns geografisch weit weg. Die dort herrschenden Probleme
      der einzelnen Kriegsparteien miteinander sind für die meisten Menschen
      undurchschaubar. Das Assad-Regime, kurdische und syrische Rebellen,
      IS-Truppen sowie russische und westliche Streitmächte sorgen für völliges
      Chaos. Mittendrin produzierte eine französische Zementfabrik immer weiter,
      als würde es keinen Krieg geben. Sie und die beteiligten Menschen sind der
      Mikrokosmos, der Syrien im Kleinen abbildet. Die Vielstimmigkeit der
      Individuen formt die Gesellschaft.

      Alles beginnt mit einem Hilferuf per Mail an eine französische Journalistin mit
      arabischen Sprachkenntnissen. Mit Syrien hatte sie bisher nichts zu tun,
      wird aber neugierig und beginnt ihre Recherchen vor Ort. Ihr begegnen ein
      Arbeiter, ein Wissenschaftler und ein Kaufmann, die alle mit der Zementfabrik
      beruflich zu tun haben. Mittlerweile laufen zudem internationale Ermittlungen
      wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zwischen
      2011 und 2014. Die Handlung beruht auf historischen Tatsachen, eine Art
      Doku und Fiktion, alles in arabischer Sprache mit deutschen und englischen
      Übertiteln.

      Die Sprache der Regime ist klar. Entführungen, Lösegeldzahlungen, Erpres-
      sungen und Korruption reihen sich aneinander. Die Menschen müssen mit-
      machen oder werden zerrieben. Es prasselt eine Fülle von Informationen auf
      die Besucher ein. Wer ist wer? Wer vertritt welche Sicht auf die Dinge?
      Wem kann man trauen? Wer weiß was? Jeder ist und bleibt aber ein einzel-
      nes Schicksal. Politischer Druck und Ängste ums Überleben ziehen sich wie
      ein roter Faden durch das Stück. Lina Murad, Ramzi Choukair, Saad Al
      Ghefari und Mustafa Kur bringen die Gefühle, in Syrien leben zu müssen gut
      rüber, auch wenn man des Arabischen nicht mächtig ist. Wirklich verstehen
      lässt sich der Konflikt aber noch immer kaum.

      Das komplizierte Geflecht in Syrien wird in vielen gut vorgetragenen Mono-
      logen vermittelt. Sie machen betroffen und nachdenklich. Jeder beschreibt
      seine Sicht der Dinge. Selbst die Journalistin verzweifelt in ihrer Rolle.
      Jeder endet entweder final oder verlässt Syrien um einen hohen Preis. Ohne
      teure Schleuser geht gar nichts, wenn der IS alle Verbindungen in die
      Türkei blockiert hat. Ein Beteiligter sieht mit seiner Familie von seinem
      Heimatland nur noch eine kurz zuvor überwundene hohe Mauer, die die
      Türkei uns Syrien trennt. Rückkehr vorerst ausgeschlossen.

      Datum: 12. August 2018, PACT Zollverein

      allgemeine Infos und Fotos zur Ruhrtriennale 2018
      www.ruhrtrienale.de