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      Mit der sehr guten Komödie "Eine Stunde Ruhe" präsentiert das Theater im
      Rathaus in Essen erneut ein extrem kurzweiliges und humorvolles Stück,
      das die Frage nach Moral und Wahrheit in der Ehe bis ins Dramatische
      wunderbar steigert. Der Stoff stammt von Florian Zeller. Regie führte Pascal
      Breuer.

      Michel (Timothy Peach) und Nathalie (Alexa Wiegandt) führen eine unschein-
      bare Ehe, seit über 30 Jahren. An der Wand hängen ein Gemälde von Josef
      Albers und eines von Hopper. Sie können das Wort Kultur zumindest
      schreiben. Alles ist gutbürgerlich. Sie haben einen fast 30jährigen Sohn
      namens Sebastian (Johannes Lukas), der als gesellschaftskritischer Aktivist
      unterwegs ist und häufig zugedröhnt im fensterlosen Keller lebt. Nicht unwich-
      tige Rollen spielen auch Elsa (Saskia Valencia) als beste Freundin von
      Nathalie und Pierre (Benjamin Kernen) als bester Kumpel von Michel. Da
      wäre noch Pavel (Reinhard Frobuess), der Prof. Dr. Dr. der Psychiatrie als
      unterer Nachbar und Leo (Thomas Knoll), der als "polnischer" Handwerker
      ein Zimmer in der Wohnung renovieren soll. Die Mischung ist perfekt und
      das sehr unterhaltsame Spiel um Lüge, Wahrheit, Moral und Wahnsinn kann
      beginnen. Die erwarteten und unerwarteten Ereignisse passieren Schlag
      auf Schlag.

      Zu viel darf nicht verraten werde, aber geht natürlich um die Liebe, besonders
      die, die in der Ehe so nicht stattfinden sollte, nämlich eher die Reize etwas
      abseits des Ehebetts. Nach 30 Jahren hat so ein Ehebett schon mal seinen
      Reiz verloren. Während Michel endlich seine lang ersehnte LP "Me, Myself
      And I" seines Jazz-Idols Niel Youart auf dem Trödel entdeckt hat und froh-
      lockt, ist Nathalie in einer tiefen Sinneskrise. Ihr Psychiater soll ihr ein wenig
      Lebenshilfe vermitteln. Während Michel sie also überhaupt nicht versteht,
      fühlt sie sich permanent nicht verstanden. Kann er denn endlich mal seine
      musikalische Neuerwerbung in Ruhe hören? Nein, immer wieder wird er
      gestört. Mal ist es Sebastian, der völlig abdreht und sich sogar einen
      Künstlernamen gibt, ein andres Mal Elsa, die Michel unbedingt alleine sehen
      möchte. Die Bohrgeräusche kommen von Leo, dem Fachmann für "Schöhnes
      Wonen". Er sorgt dafür, dass nicht nur die Wohnung geflutet wird, sondern
      auch noch die von Pavel eine Etage tiefer. So schlängelt sich bald nicht nur
      ein gelber Abwasserschlauch durch die den Salon. Es kommt auch zu bau-
      lichen Beeinträchtigungen. Doch warum versteht Leo den Polen Pavel
      eigentlich nicht?

      Es gibt einige Geheimnisse und Rätsel aus der Vergangenheit und Gegen-
      wart aufzuklären, selbst biologische Ungereimtheiten. Wer hat oder hatte
      was mit wem? Wie wird man seinen Sohn los? Der Whiskey wird jedenfalls
      immer weniger. Man rutscht wunderbar humorvoll von einer Katastrophe in die
      nächste. Der anfangs gut gelaunte Michel kippt in eine immer mehr gereizte
      Stimmung. Er sieht sein Unglück kommen und möchte es verhindern. Ein
      einziges "Ja", mit dem Rücken zur Wand stehend, verändert seine gesamte
      Lebenssituation am Ende völlig. Das Spiel um Lüge und Wahrheit hat ein
      dramatisches und folgerichtiges Ende.

      Alte Liebe soll ja bekanntlich nicht rosten. Oh, doch! Kleine und große
      Probleme ufern in dieser herrlichen Komödie nach und nach aus. Die Folgen
      sind ganz realistisch absehbar. Schauspielerisch können alle glänzen.
      Timothy Peach ist in der sehr dankbaren Hauptrolle hervorragend präsent.
      "Das ist heute nicht mein Tag", lautet sein durchgehendes Motto. Ein Abend
      für beste Unterhaltung ist aber auf jeden Fall.

      Laufzeit: 6. Februar bis 8. März 2020, Theater im Rathaus, Essen

      theater-im-rathaus.de