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      Mit der ungewöhnlichen Inszenierung "The Lingering Now / O Agora que
      demora / Our Odyssey 2" widmet sich die Ruhrtriennale dem aktuellen
      Thema Flucht auf eine sehr eindrucksvolle Weise. Regie führte Christiane
      Jatahy, die auch einleitende und erklärende Worte auf der Bühne findet.

      Wir alle sind ständig in Bewegung und nie sicher, ob eine Flucht nicht auch
      uns mal betrifft. In kaum einer Familie gab es in Generationen zuvor sicher
      auch unruhige Zeiten, die zur Flucht führten. Dieses Stück basiert auf der
      jahrelangen Reise von Odysseus, die thematisch in verschiedene Krisen-
      regionen der Erde transformiert wird. Protagonisten aus diesen Ländern
      agieren als Performer im Publikumsbereich und als Botschafter der Filme,
      die großformatig auf der Bühne präsentiert werden. Die Lebensfreude im
      südafrikanischen Dorf wird im Saal in Tanz umgesetzt. Wer möchte, der kann
      mitmachen. Die Musik kommt dabei live aus dem Saal.

      Filmisch bekommt man direkte Einblicke in die Lebensbedingungen z.B. in
      Syrien, Südafrika oder Brasilien. Es sind keine Eindrücke, die Touristen
      erleben, sondern der Alltag der Menschen mit all ihren Problemen, die zur
      Flucht führen. Oft ist es Gewalt einzelner Rebellen oder staatliche Gewalt,
      die die Menschen dazu veranlassen, ihre Heimat und die Familie zu verlassen.
      Die Erfahrungen möchte man selber nicht erleben, so grausam ist es manch-
      mal. Die Reihe der Krisengebiete und Gründe der Flucht könnte man beinahe
      endlos erweitern, mehr als abendfüllend.

      Das spannende an dieser Inszenierung ist, dass alle drei Elemente, also das
      Publikum, die Performer unter den Gästen und die Szenen auf der Kinolein-
      wand gefühlt miteinander verschmelzen. Sprachlich ist ein Mix aus Arabisch,
      Deutsch, Griechisch, Portugiesisch und Ubangisch mit deutschen und
      englischen Übertiteln. Die Sprachvielfalt ist trotzdem übersichtlich. Inhaltlich
      gibt es keine Probleme. Besonders lauscht man wenn Yara Ktaish, die in
      Europa Theater studierte, ihre Leidensgeschichte erzählt. Als sie zurück in
      ihre Heimat Syrien möchte. Bei der Einreise wird sie verhaftet und ohne
      Grund sieben Monate inhaftiert. Teilweise ohne Fenster und mit 35 Frauen in
      einem Raum muss sie auf ihre Freilassung warten. Ihre Worte sind sehr
      eindrucksvoll. In der Regel betonen alle Geflüchteten, dass sie gerne wieder
      zurück in ihre Heimat möchten, es aber nicht können, weil die Umstände der
      Verfolgung es nicht zulassen. Ihnen oder ihren Familien werden Repressalien
      angedroht. Teilweise liegt der Fluchtort nur eine Stunde vom Heimatland
      entfernt, doch die Rückkehr ist unmöglich.

      Kurzfristig hat man auch das aktuelle Thema Brasilien eingebaut. Man sieht
      einen Stamm der Urienwohner in einer paradiesischen Regenwaldlandschaft.
      Doch auch diese ist stark bedroht. Die neue rechtsgerichtete Diktatur im
      Land geht rücksichtslos gegen die eigene Bevölkerung vor.

      Das Stück ist eine internationale Produktion des Théâtre National Wallonie-
      Bruxelles und des SESC São Paulo. Die Ruhrtriennale ist einer der
      Koproduzenten.

      Datum: 19. September 2019, Landschaftspark Duisburg-Nord

      www.ruhrtriennale.de