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      Mit der Inszenierung "Congo" greift die Ruhrtriennale 2019 ein sehr schwieri-
      ges Thema auf. Es geht um den Belgischen König Leopold II. (1835 - 1909),
      der eine private Kolonie in Afrika gründete. Er nannte sie Kongo. Was folgte
      war entsetzliches Leid und Ausbeutung für rund 10 Mio. Menschen.

      Der Kongo musste erst geschaffen werden. 1884 rief Bismarck eine europä-
      ische Konferenz in Berlin ein, auf der Afrika unter den beteiligten Staaten
      aufgeteilt wurde. Die Europäer machten sich Afrika untertan. Leopold II.
      hatte von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen geerbt, während seine
      königliche Macht zu wünschen übrig ließ. Seine neue private Betätigung
      hieß nun Kongo. Sie kostete allerdings mehr als sie einbrachte. So kam es,
      dass er Aufpasser und skrupellose Schergen ins Land schickte, die die
      Kautschuk-Ernte der Bewohner mit aller Gewalt überwachten. Wer nicht
      spurte, der wurde auf der Stelle erschossen. Viele Dörfer wurden abgefackelt,
      Menschen vertrieben. Etwas später wurde es sogar noch brutaler. Soldaten
      sollten für jeden abgegebenen Schuss die rechte Hand des Toten als Beweis
      abhacken und sammeln. Dabei wurden auch viele lebendige Menschen
      grausam verstümmelt. Wer jedoch nur Kautschuk sammelte, konnte sich
      nicht um die eigene Landwirtschaft kümmern. Ganze Familien verhungerten.
      Der Kongo versank in tiefem Leid.

      Éric Vuillard verfasste den Text, der Vorlage für dieses Schauspiel ist,
      obwohl er nie im Kongo war. Faustin Linyekula hat sich mit dem Thema
      erstmals künstlerisch beschäftigt. Er lebt im Kongo, genau wie die Akteure
      auf der Bühne, die aus dem Kongo stammen. Es sind Geschichten, die so
      erstmals auf der Bühne zu erleben sind. Rund 75% des Buches von Éric
      Vuillard bilden den Text des Stücks. Hinzu kommen Gesang (Moanda Daddy
      Kamono) und Tanz (Pasco Losanganya). Zu Dritt startet man den Versuch,
      dieses unfassbare Leid zu vermitteln. Dies geschieht selbstverständlich sehr
      emotional. Die Monologe ähneln einer Wutrede, die unbegreifliche Dinge ans
      Tageslicht bringt. Die musikalischen Live-Gesänge sind Erinnerungen an die
      Kindheit im Kongo, während die Tänze eher frei interpretierten Stammes-
      tänzen ähneln.

      Die oft langen Monologe von Faustin Linyekula sind eine große Leistung. Sie
      werden natürlich auf Französisch mit deutschen und englischen Übertiteln
      dargeboten, was die Sache wirklich kompliziert macht. Man merkt, dass es
      tolle Akteure sind, die mit viel Herzblut ihre künstlerische Arbeit präsentieren.
      Die Mischung aus französischer Fremdsprache, oft zu schnell vorgetragenen
      Sätzen, einem gefühlt zu langen Text und einem schwierigen Thema mindert
      doch sehr die Verständlichkeit. Es ist extrem anstrengend, den Übertiteln
      zu folgen. Manchmal kommt es einem wie ein französisches Live-Hörbuch
      mit visueller Übersetzung vor. Eingestreute Dialoge und eine Reduzierung
      des Textes auf das Wesentliche hätten gut getan. Das Konzept sah aller-
      dings anders aus.

      Vielleicht hatte das europäisch geprägte Publikum auch Schwierigkeiten,
      sich in die afrikanische Seele hineinzuversetzen. Der Kongo ist weit weg.
      Das fahle Licht wirkte etwas ermüdend und die Requisiten sehr reduziert.
      Das Publikum war am Ende doch spürbar gespalten. Es ist ein wahrlich
      harter Stoff über mehr als zwei Stunden, der sehr intensiv und auf den Text
      des Buches von Vuillard reduziert, auf die Gäste einprasselt. Trotzdem ist
      ein wichtiger Stoff, der auf die Bühne muss.

      Datum: 28. August 2019, Landschaftspark Duisburg-Nord

      www.ruhrtriennale.de