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      Mit "Everything that happens and would happen" von Heiner Goebbels hat die
      Ruhrtriennale eine deutsche Erstaufführung auf die Bühne gebracht, aktuell
      und extrem bildgewaltig daher kommt.

      Drei Quellen werden spannend miteinander verwoben, der Text "Europeana"
      von Patrik Ourednik, Europeras 1&2 von John Cage und die Nachrichten-
      splitter "no comment" von Euronews. Es dreht sich also um das Europa der
      Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei wurden riesige Bühnenbildele-
      mente aus einer Produktion von 2012 umfunktioniert und neu kombiniert.
      Das Geschehen kommt oft düster rüber. Die letzten gut hundert Jahre waren
      schließlich auch geprägt von dramatischen Ereignissen. Es ist eine regel-
      rechte Landschaft die entsteht und sich verändert. Trommelfeuer, Rauch,
      Nebel und fahles Licht lassen den Ersten Weltkrieg und Zweiter Weltkrieg
      historisch noch einmal aufleben. Bedrohende Elemente bewegen sich als
      Schatten auf die Gäste zu. Oft sind es langsame Bewegungen, die das
      Zeitgeschehen darstellen.

      Der Raum soll eigene Assoziationen schaffen, keine finale Aussage treffen.
      Der Besucher kann sich selbst Gedanken machen, eine neue Denkweise
      für die Zukunft entwickeln. Die Autonomie der Zuschauer, Freiheit zu leben
      und zu denken, soll angeregt werden. Die Bilder sprechen oft für sich. Natur-
      katastrophen, menschliche Massentragödien, politische Aspekte, die Digi-
      talisierung als großräumige Lichtinstallation mit optischen Täuschungen
      sowie Buchenwald und Weimar als wichtige Orte der Geschichte lassen
      sich gut deuten. Andere bleiben etwas im Nebel, weil auch der englische
      Erzähler meistens nicht mit deutschen Übertiteln versehen wird. Das würde
      die Optik des eindrucksvollen Bühnenbilds stören. Inhaltlich ist das allerdings
      kein Urlaubsenglisch, sondern hochdiffizil. Japanische, spanische und griech-
      ische Textpassagen werden per Übertitel ins Deutsche übersetzt.

      "No comment" sind unkommentierte Nachrichtenbilder auf Euronews, Sie
      werden ganz aktuell regelmäßig auf die Wände und Bühnenbilder projiziert.
      Zu sehen sind dabei u. a. Fridays for Future in Berlin, Proteste gegen die
      chinesischen Herrscher und für Demokratie in Hongkong, Mekka, die
      Sprengung von Kühltürmen in England, die G7-Proteste in Biarritz, Flüchtlinge
      vor Lampedusa oder eine Robotermesse in China.

      Fragmentierte Musikpassagen bilden einen hochkünstlerischen, avantgardis-
      tischen Klangraum. Der sehr experimentell erscheint. Percussion, Saxophon,
      Drums, E-Gitarre und Keyboard ergänzen sich kompliziert zu einer hohen
      Kunst der Musik. Sie unterstützt passend die bedrohlich wirkenden Bühnen-
      bilder. Ein großes Lob an die Musiker.

      Tänzer sind während des Stücks überwiegend Perfomer mit vielen Laufwege
      und großer körperlicher Anstrengung. Sie rollen Bühnenbilder aus und ein,
      hängen sie auf und ab und absolvieren Kilometer.

      Das Ende ist eine Bodenkollage aus Bühnenkulissen. Sie werden verzerrt
      und verschoben. Europa wackelt, bewegt sich drohend in den Höllenschlund,
      stets musikalisch sehr dicht untermalt. Ein Palast in Venedig hängt auf
      dem Kopf. Alles wirkt dramatisch. Selbst das Abbild eines Operhauses wird
      sinnbildlich verzerrt und ein Kanonenrohr hüllt Europa in Nebel. Sehr sehens-
      wert und hörenswert.

      Datum: 24. August 2019, Jahrhunderthalle Bochum

      www.ruhrtriennale.de