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      Die Wiederaufnahme von "Der Rosenkavalier" im Aalto Musiktheater in Essen
      überzeugt musikalisch und gesanglich. Die Inszenierung von Anselm Weber
      offenbart aber auch einige Schwächen.

      2004 kam diese Inszenierung Premiere in Essen. Von Haus aus ist "Der Rosen-
      kavalier" von Richard Strauss, nach der Dichtung von Hugo von Hoffmannsthal,
      eine klassische Komödie. 1911 wurde sie in Dresden uraufgeführt und gefeiert.
      Es gab sogar einige Sonderzüge mit Opernliebhabern von Berlin nach Dresden.
      Diese Rokoko-Komödie passte allerdings, am Vorabend des Ersten Weltkriegs
      so gar nicht in die Zeit. Sie war ein krasser Bruch. Walzerselig klang sie in
      einem Europa, das bald brannte. Diese damalige Traumwelt dieser Oper war
      eigentlich schon Geschichte. Vielleicht ist hier ein Bezug zur aktuellen Lage in
      Europa zu erkennen. Regisseur Anselm Weber packte das rückwärtsgewandte
      Träumen szenisch in ein Museum mit Vitrinen und Exponaten, die zum Leben
      erweckt werden.

      Musikalisch begleitet wird die Aufführung sehr gut von den Essener Philhar-
      monikern unter Leitung von Tomá Netopil, Viele Walzer-Passagen lassen das
      Publikum geistig mitschunkeln. Schöne Harmonien vertonen die Zeilen von
      Hoffmannsthal. Die Sängerinnen und Sänger wie Michaela Kaune, Karl-Heinz
      Lehner, Karin Strobos, Heiko Trinsinger, Elizabeth Cragg, Francisca Devos,
      Rainer Maria Röhr oder Marie-Helen Joël, können gesanglich alle überzeugen.
      Die Musik gibt eben auch viel her. Dabei sind die Kostüme teilweise gelungen,
      zumindest die prachtvollen. Teilweise deuten sie auch das Humorvolle der Oper
      an, was nicht immer so ankommt. Etwas schwierig ist das oftmals Wienerische,
      das natürlich von Nicht-Wienern gesanglich dargeboten wird und als eher
      humoristisch abgetan werden kann. Man sollte deshalb die Handlung auch gut
      kennen, denn das Mitverfolgen der nicht einfachen Übertitel mit Dialekt erfordert
      zu viel Zeit.

      Seit der Premiere sind fast 13 Jahre ins Land gezogen und so präsentiert sich
      leider auch die Inszenierung etwas zu museal. Von der Idee her gut, werden die
      Exponate in den Vitrinen zwar zum Leben erweckt, aber so richtig lebendig wirkt
      das Geschehen nicht. Das Bühnenbild kommt ziemlich starr und überholt daher.
      Zwar hat die Bühne im ersten Akt noch Raum, doch auch der wird nicht dyna-
      misch gut genutzt. Im zweiten Akt engt man sich schon sehr ein und im dritten
      Akt ist die Wirtsstube ein dunkles kleines Loch auf der drittgrößten Bühne
      Europas, das sich zum Ende wieder wohltuend in die Kulisse des ersten Aktes
      verwandelt. Es ist häufig ganz typisch für ein Lustspiel, Tür auf und Tür zu. Die
      Leute treten ein und aus. Leider bleibt oft nicht viel Raum für die Akteure oder
      sie nutzen ihn nicht. So sind starre Gesangspartien an der Tagesordnung. Lange
      Partien wirken so noch länger. Bei emotionalen Auseinandersetzungen verspürt
      man zumindest manchmal etwas Auflockerung der Starrheit.

      Auch wenn szenisch der Zahn der Zeit an dieser Opernaufführung nagt, so ist
      sie musikalisch auf jeden Fall ein Genuss. Wer eine moderne und gelungene
      aktuelle Neuinszenierung im Aalto sehen möchte, der sollte sich eine Karte für
      den "Rigoletto" sichern.

      Datum: 5. Februar 2017, Wiederaufnahme

      www.aalto-musiktheater.de