abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Mit "Romeo und Julia" zeigt das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen
      einen der großen Ballettklassiker, choreografiert von Bridget Breiner. Man darf
      die Aufführung als absolut gelungen und bezaubernd bezeichnen.

      Generalintendant Michael Schulz brachte es bei der Premierenfeier auf den
      Punkt. Es ist eine typische MiR-Aufführung im positiven Sinne. Sie lässt wirklich
      keine Wünsche offen. Die Hauptrollen könnten mit Francesca Berruto (Julia) und
      Ledian Soto (Romeo) kaum besser besetzt sein. Francesca kam vor fünf Jahren
      ans MiR und hat in den Jahren eine unglaubliche Entwicklung genommen. Die
      Traumrolle der Julia ist nun der Dank dafür. Bezaubernd schwebt sie ganz leicht
      und fein über die Bühne. Ob feurige Liebe, Zweifel, Angst oder innere Zerrissen-
      heit, ihre Bühnenpräsenz ist unglaublich. Ähnlich überzeugend agiert auch
      Ledian, der elegant und kraftvoll die männliche Hauptrolle mimt. Zusammen sind
      sie ein absolutes Traumpaar. Auch die anderen zwölf Beteiligten Tänzerinnen
      und Tänzer haben ihre Möglichkeiten sich gut in Pose zu bringen. So fällt Paul
      Calderone als Pater Lorenzo einem sehr extrovertiert ins Auge, fast schon wie
      ein magischer Zeremonienmeister. Sehr gut! Eine sehenswerte Rolle hat auch
      Bridgett Zehr als Chorus. Sie setzt die flüsternden Stimmen der Aufführung aus
      dem Off tänzerisch exzellent in Szene. Motivische Höhepunkte sind sicher die
      klasse präsentierten Kampfszenen mit Lanzen, der Maskenball, die Balkon-
      szene, die Liebesnacht und die innerlich zerrissene Julia vor der Einnahme ihres
      Schlaftrunks.

      Stilistisch ist es tänzerisch eine Mischung aus klassischem und zeitgenös-
      sischem Ballett. Für jeden Geschmack ist was dabei, Spitzentanz, einige Hebe-
      figuren und auch moderne Partien, allerdings ohne klassische, weiße Tutus
      á la Schwanensee. Es hätte nicht gepasst und wäre auch aus der Zeit. Das
      Ballett entwickelt sich aktuell generell sehr modern. So verhält es sich
      ebenfalls mit den wahnsinnig schönen Kostümen. Historisierende, edle Stoffe
      treffen auf zeitgenössische Eleganz. Es passt alles zusammen, trotz enormer
      Zeitspannen. Man spielt gerne mit langen, fein gemusterten Schals, die sich
      um die Körper wickeln oder als symbolisches Druckmittel eingesetzt werden.
      Farblich dominieren Gold, Silber, Schwarz und Weiß. Der große Vorhang wirkt
      nicht nur edel, leicht und extrem passend, er verändert seine Form und spielt
      bei Julias und Romeos Liebesnacht eine ganz besondere Rolle. Wie eine riesige
      Schleppe verdeckt er die beiden großflächig und ganz intim, um langsam als
      Teil des Bühnenbildes zur Seite gezogen zu werden. Was für große Momente!

      Die Bühne präsentiert sich klasse. Flexibel hin und her rochierende Gitterwände
      zaubern die verschiedensten Räume auf die Bühne. Mal öffnen sie den Blick,
      mal trennen sie, mal werden sie zu einer Kapelle, sie wirken wie ein Gefängnis
      oder sind, mittels geschicktem Licht, Projektionsfläche für das kirchliche Kreuz.
      Der Balkon schmiegt sich ganz dezent und gar nicht romantisierend gestaltet in
      das Bild ein. Die Bühne stellt sich bewusst in den Hintergrund und fällt doch
      sehr positiv ins Auge. Sie gibt den Akteuren jeden Raum, den sie brauchen, um
      zu glänzen.

      Was wäre dieses Ballett ohne die famosen Klänge der Neuen Philharmonie
      Westfalen unter der Leitung von Rasmus Baumann. Die nicht einfache
      Partitur macht nicht nur den Zuhörern Spaß. Der musikalische Anzug sitzt
      perfekt. Die bekannten Ohrwürmer von Sergej Prokofjew klingen noch lange
      nach.

      Dieses bezaubernde und auf ganzer Linie gelungene Ballett ist dem dargestell-
      ten Stoff absolut würdig. Die ganze Bandbreite der Gefühle, ob Hass, Liebe oder
      Verzweiflung, alles wird sehr ästhetisch transportiert. Bridget Breiner, die immer
      sehr bescheiden-sympathisch auftretende Leiterin der Ballettkompanie am MiR,
      hat mit ihren Akteuren Großes geschaffen. Der lange und euphorische
      Premierenapplaus war der verdiente Dank des Publikums.

      Datum: 18. Februar 2018, Premiere

      www.musiktheater-im-revier.de