abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      "Die unglaubliche Geschichte vom kleinen Roboterjungen" lautet der Titel
      vom Familienstück ab sechs Jahren, das im Schauspielhaus Bochum sehr
      sehenswert zu bewundern ist. Man betritt die Fantasiewelt eines High-Tech-
      Labors, in dem plötzlich das Versuchsobjekt Gefühle entwickelt. Die
      WissenschaftlerInnen sind hin und her gerissen. Regie führte Sue
      Buckmaster.

      Es ist eine Kooperation mit dem britischen Theatre-Rites, das sich auf
      Kinder- und Jugendstücke konzentriert hat. Dieses Familienstück ist ein
      Puppentheater, das wissenschaftlich ein aktuelles Thema leicht und doch mit
      ernstem Hintergrund darstellt. Es ist anspruchsvoll, gut verständlich und mit
      einer Portion Humor versehen. Ein wissenschaftliches Team soll ein Gehirn
      entwickeln und es einem Roboter einsetzen. Man möchte eines Tages
      gewisse Krankheiten beherrschbar machen, evtl. sogar ein Gehirn transplan-
      tieren. Es dreht sich um medizinische Forschung in Bereich der Neuro-
      wissenschaften.

      Alles läuft nach Plan. Ein paar wenige Stammzellen vermehren sich rasant
      und erschaffen so ein künstlich geschaffenes Gehirn. Der Körper ist auch
      schon da. Die Kombination aus beiden Elementen wird untersucht und
      entwickelt erstaunliche Fortschritte. Das Objekt kann riechen, hören, besitzt
      Gleichgewichtssinn und entwickelt eine Neugierde für seine Umwelt. Es
      erkennt sogar, warum es geschaffen wurde. Der Ehrgeiz der Forscher ist
      groß. Sie träumen vom Nobelpreis. Ab dem Zeitpunkt, wo das neue Wesen
      Gefühle für seine Menschen zeigt, wird das Stück nachdenklich. Er möchte
      auf den Arm und kuscheln. Darf man dieses Gehirn überhaupt noch ab-
      schalten und wissenschaftlich untersuchen? Ist dieser namenlose Roboter
      nicht schon zu sehr den Menschenkindern ähnlich?

      Die Frage nach der Ethik der Forschung wird gestellt. Wie weit dürfen die
      Wissenschaftler gehen? Nicht nur die Kinder im Publikum fühlen mittlerweile
      mit dem geschaffenen Objekt mit, betrachten es als Kind in einem ungewöhn-
      lichen Körper. Obwohl es sich um ein durchaus ungewöhnliches Thema
      handelt, folgen sie sehr konzentriert und gebannt dem Geschehen. Sie dürfen
      sogar als "Ethikkommission" darüber entscheiden, ob der kleine Roboter-
      junge wissenschaftlichen Untersuchungen geopfert wird oder weiterleben darf.

      Trotz des Themas ist das Stück durchaus für Schulkinder geeignet. Die
      SchauspielerInnen erklären die Sachverhalte sehr geschickt und vereinfacht,
      wie z.B. ein Gehirn aufgebaut ist, wie es funktioniert und warum sie dieses
      Experiment starten. Der eine oder andere Opa ist vielleicht schon etwas
      krank im Kopf und vergesslich. Kann man ihm so eventuell helfen? Demenz
      entwickelt sich zur Volkskrankheit. William Bartley Cooper, Franziska
      Dittrich, Jost Grix, Mercy Dorcas Otieno, Kinga Prytula, Markus Schabbing,
      Johanna Wieking und Jing Xiang vermitteln auf ihre Art und Weise Wissen-
      schaft spannend und optisch sehr gelungen. Dazu bei tragen die hervorra-
      gend animierten Grafiken, die ins schöne Bühnenbild projiziert werden. Die
      Bühne ist ein echter Hingucker, wie auch das tolle Puppenspiel. Abschließ-
      end ist noch der richtig klasse Soundtrack des Stücks zu erwähnen, der
      regelrecht pulsiert und dem Roberterjungen akustisch Leben einhaucht. Das
      Stück zieht einen in seinen Bann, ist unterhaltsam, niemals langweilig und
      nachdenklich zugleich. Eine Nachbereitung mit den Kindern ist durchaus
      ratsam.

      Datum: 17. November 2019, Schauspielhaus Bochum

      www.schauspielhausbochum.de