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      Mit "Der Ring an einem Abend", in der Version von Loriot, möchte das Aalto
      Theater in Essen mehr Lust auf Wagner-Opern machen. Zumindest diese
      besondere Form wird auch Wagner-Neulinge und Skeptiker überzeugen.
      Die Inszenierung wirkt insgesamt sehr humorvoll und musikalisch absolut
      gelungen.

      Loriot war ein großer Wagner-Fan. Eigentlich lehnte er eine verkürzte Form
      seiner Opern immer ab, schrieb aber dann doch eine, ganz mit seiner
      bekannten Note. Auch nach seinem Tod lebt sein Humor also weiter.
      Schauspieler Jens Winterstein schlüpfte in die Rolle des Loriot, der als
      Erzähler durch den Ring führt. So werden aus 15 Stunden Musik drei Stunden
      inklusive unterhaltsamer Moderation. Da passt jede Formulierung. Den
      Sprachduktus von Loriot deutet Winterstein an, ohne ihn zu kopieren, denn
      Loriot war ein Unikat. Was aber nicht fehlen darf sind die Möpse. Sechs
      dieser Hunde wirken auf der Bühne mit, symbolhaft für Raben, Vögel oder
      Rösser. Schon die Vorstellung ist kurios. Was die Möpse sich bei ihrem
      Auftritt so denken, wird uns ein Geheimnis bleiben, jedenfalls können sie sich
      gut benehmen.

      Der Humor kommt auf keinen Fall zu kurz. Alberich (Heiko Trinsinger) ist ein
      recht groß geratener Zwerg und auch der Jüngling Siegfried (Jeffrey Dowd)
      kommt eher als gealterter Playboy daher, dessen Lack ab ist. Walhalla, die
      Festung der Götter, ist ein AKW im Miniaturformat, das am Ende, also nach
      der Götterdämmerung, in die Luft fliegt. Es ist eine Warnung, auf unsere
      heutigen Götter sehr gut aufzupassen. Der ermordete Siegfried wird in der
      Halle der Gibichs aufgebart, die durch ein pinkfarbenes Platschbecken
      darstellt wird. Alle Akteure sitzen an zwei Konferenztischen links und rechts
      vorne an auf der Bühne. Hier wird stets miteinander mimisch gearbeitet und
      gestikuliert. Die sonst singenden Angestellten des Hauses können sehr gut
      schauspielern. Mal tummeln sich alle in einem Bett, die drei Rheintöchter
      begeben sich in eine Badewanne oder man kuschelt mit den Möpsen. Die
      Rheintöchter tragen selbstgestrickte Pullis, in Anlehnung an die Anti-AKW-
      Bewegung in den 80er-Jahren und stricken sogar live auf der Bühne. Es gibt
      viele kleine Details, die man gar nicht alle bemerken kann. Sogar die Übertitel
      sind sehr humorvoll dargestellt. Es wird alles getan, um den sonst so
      schweren Wagner-Stoff locker-leicht zu präsentieren, ohne eine einzige
      Albernheit zu riskieren.

      Auch sonst ist die halbszenisch-orchestrale Aufführung sehr kreativ. Im
      Orchestergraben fahren die Requisiten je nach Szene rauf und runter. Dafür
      sitzen die Essener Philharmoniker, unter der musikalischen Leitung von
      Robert Jindra, auf der Bühne. So bekommen sie deutlich mehr Präsenz als
      sonst. Trotz schwierigem Sichtkontakt zwischen Dirigent und Sängern
      klappt die Abstimmung musikalisch hervorragend.

      Betrug, Raub, List, Inzest, Mord, Meineid oder andere kriminelle Delikte des
      Rings bleiben stets in der Handlung präsent. Die Götter werden durch ihre
      humoristische Darstellung vom Thron ihres eigenen Selbstbildnisses szenisch
      heruntergeschubst. Jens Winterstein, eigentlich Schauspieler am Essener
      Grillo Theater, führt gekonnt durch den Abend. Ein wenig sollte man über die
      wichtigsten Eckpunkte des Rings schon informiert sein, um gewisse Andeu-
      tungen zu verstehen. Die ganze Geschichte kann auch er nicht ausführlich
      zusammenfassen. Er versteht es aber sehr gut, die schwierige Opernsprache
      Wagners durch seine kurzen und klaren Erläuterungen zu einem Neben-
      aspekt werden zu lassen. Angestrengtes Mitlesen der Übertitel ist kaum
      nötig, um den Abend inhaltlich gut zu verstehen.

      Stimmlich kann die Aufführung voll überzeugen, besonders Heldentenor
      Jeffrey Dowd als Siegfried, Almas Svilpa als Wotan, Tijl Faveyts als Hagen
      und natürlich Daniela Köhler als Brünnhilde. Sie, noch jung an Jahren,
      gastiert extra für den Ring am Aalto Theater. Selbst wer Wagner sonst als
      schwierig empfindet, der erlebt hier einen sehr unterhaltsamen Abend, den
      Ring kompakt und humorvoll zusammengefasst. Da machen sogar die Möpse
      am Ende als Verbeugung Männchen.

      Datum: 24. Februar 2019, Premiere

      www.theater-essen.de