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      Mit der Oper "Rigoletto" von Verdi präsentiert das Aalto Musiktheater in Essen
      eine außergewöhnliche, mutige und gelungene Inszenierung mit wunderschönen
      Klängen der Essener Philharminiker, die beim Premierenpublikum sehr viel
      Beifall erntete. Regie führte Frank Hilbrich.

      Diese Oper hatte vor der Uraufführung 1850 ein Problem. Sie wurde wegen ihres
      Inhaltes verboten und musste umgeschrieben werden. Die harten Tatsachen
      blieben allerdings bis heute erhalten. Das persönliche und gesellschaftliche
      Scheitern trägt harte und groteske Züge. In Essen hat man einen Weg gefunden,
      die Härte szenisch geschickt abzumildern. Man arbeitet mit jeder Menge
      Symbolik und hintergründigen Effekten. Die Tatsachen werden meistens nur
      angedeutet und das ganze Geschehen aus der Tradition der italienischen Oper
      optisch herausgelöst.

      Das Bühnenbild und die Kostüme irritieren und faszinieren zugleich. Im ersten
      Akt tritt eine kühle, dunkle Wand etwas spiegelnd dem Betrachter entgegen.
      Elemente öffnen und drehen sich, so dass Lichtblitzeffekte entstehen. Dieses
      harte Bühnenbild zeigt wie eine Mauer die Ausweglosigkeit der Figuren. In
      zweiten und dritten Akt dominiert ein doppelter pink-violetter Vorhang, der einem
      den Glitzer regelrecht in die Augen streut. Während man bei der spiegelnden
      Wand mit Lichtblitzern arbeitet, ist beim Vorhang der Faltenwurf ein Element,
      mit dem geschickt gespielt wird.

      Die Hauptfigur Rigoletto hat ganz wunderbar Luca Grassi übernommen. Statt mit
      einem Buckel kommt er mit einem Narrenkostüm daher, erst leicht angedeutet
      und später immer weiter wachsend. Gesanglich brilliert er ebenso wie die zwei
      weiteren Hauptfiguren Gilda (Cristina Pasaroiu) und der Herzog (Carlos Cardoso).
      Stimmlich, mimisch und darstellerisch sind sie ein große Klasse. In dieser
      Hinsicht zu erwähnen ist auch Sparafucile, von Tijl Faveyts dargestellt. Während
      sich der Herzog zu immer mehr grotesker Größe aufspielt, muss Rigoletto seine
      Narrenrolle mehr und mehr annehmen und Gilda sich in ihr Schicksal fügen.
      Szenisch spiegelt sich die tragische Entwicklung sehr gut wieder. Spätestens
      als der grell glitzernde Vorhand sich als doppelter entpuppt und dahinter die
      brutalen Geschehnisse in erhöhten Fenstern ablaufen, findet die Inszenierung
      ihren stimmigen Gesamtkontext. Vergewaltigung und Liebe, sowie ein Mordplan
      mit so nicht gewolltem Ausgang kommen zusammen und lassen den Fluch, der
      das Stück durchzieht, sichtbar werden. Eine Art Psychothriller findet ein
      großartig inszeniertes Ende.

      Absolut überzeugend sind die Kostüme (Gabriele Rupprecht). Es wird häufig mit
      Clownsmasken gearbeitet, guten und bösen. Der Clown ist hier nicht nur der
      Narr, der versucht, andere mit Spott zu überziehen. Hinter der Maske verbirgt       sich auch das höfische brutale Gedankengut, das entführt und keine Moral
      kennt. Herrlich sind auch die Kostüme der Statistinnen, als Antlitz des bevor-
      stehenden Dramas. Geschminkt wie Horrorfiguren in sexy Klamotten sind sie
      ein toller Hingucker.

      Der "Rigoletto" im Aalto Theater ist wirklich sehr außergewöhnlich und
      sehenswert, auch wenn einzelne ältere Besucher am Ende eher etwas irritiert
      dreinblickten. Hut ab für so viel Mut und Gelingen!

      Datum: 21. Januar 2017, Premiere

      www.aalto-musiktheater.de