abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Musical 'The Black Rider' im MiR
Mit dem Musical "The Black Rider", nach einem Buch von William S. Burroughs, bringt das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen ein sehr außergewöhnliches Stück auf die Bühne. Musik und Gesangstexte stammen von Tom Waits.

Der Rahmen ist dem Musical ähnlich, während der Inhalt eigentlich eine Tragödie ist. Käthchen (Annika Firley) ist in Wilhelm (Sebastian Schiller) verliebt. Um ihn zu ehelichen muss er jedoch das Schießen lernen. Es gelingt ihm mit des Teufels Hilfe. Damit ist das Unglück besiegelt, denn der Teufel hat den letzten Schuss und der zerstört das junge Glück. Man hat sich an der Regie und dem Stage Design der Originalproduktion von Robert Wilson orientiert. Skurril geht es zu, wenn es sich um Themen wie Liebe, Jagd oder auch eine gewisse Drogenromantik geht. Bei der Original-Orchestration von Tom Waits und Greg Cohen können die kreativen Momente wohl kaum ohne Rauchmittel entstanden sein. Das macht das Musical so besonders außergewöhnlich, wobei man die amerikanischen Einflüsse der Musik deutlich spürt. Man spielt in manchen Szenen mit Cut-ups. Das heißt, dass der Zusammenhang zur vorherigen Szene nicht immer klar erkennbar sein soll. Diese Momente werden durch eine Leuchtschrift auf der Bühne signalisiert. Das Bühnenbild und die Requisiten sind ungewöhnlich. Man sieht eine riesige Blume und ein völlig überdimensioniertes, goldenes Gewehr oder ein weißes Ross. Alles wirkt ziemlich schräg und entsprungen aus einer phantastisch-abstrakten Welt, die als Grundlage die Grundzüge des "Freischütz" trägt. Erinnerungen an einen Jahrmarkt werden wach, vermengt mit einer teuflischen Welt, in der nur einer das Sagen hat.

Besonders an der Inszenierung von Astrid Griesbach sind die Puppen im Stück. Dabei setzt man verschiedene Arten ein. Als Ganzkörperpuppe tritt der Teufel auf. Andere tragen die Menschen am Körper, z.B. die Beine einer Puppe, die durch ihre größenmäßige Verzerrung närrisch wirken. Andere Puppen sind reduziert auf einen Hirsch- oder Wolfskopf. Für die professionellen Puppenspieler ist diese Aufgabe eine große Herausforderung, denn sie müssen auch singen. Es klingt recht gut und überzeugend.

Musikalisch ist der Stoff auch für Heribert Feckler nicht einfach. Ungefähr zwölf Musiker sorgen für den Live-Sound. Man singt und spielt mit Mikrofonen und oftmals auch mit Plexiglas-Visieren auf der Bühne. Corona lässt es nicht anders zu. Für das Genre des Musicals hätte man aber sowieso Mikrofone eingesetzt. Das Sounddesign ist durchaus anspruchsvoll.

"The Black Rider" ist kein typisches Musical, was es auch nicht sein soll. Die Handlung ist simpel, farbig und unterhaltsam, allerdings fehlt dem Stoff das gewisse Etwas anderer Musicals wie bei der "West Side Story" oder "Cabaret", die ebenfalls nicht nur die heile Musicalwelt darstellen. Da kommt es inhaltlich nicht heran. Es ist durchaus sehenswert und überwiegend kurzweilig, aber auch persönliche Geschmacksache.

Datum: 24. September 2020

www.musiktheater-im-revier.de