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      Mit unübersehbar aktuellem Bezug ist "Das Rheingold" im Musiktheater im
      Revier (MiR) sehenswert zu erleben. Der Wagner-Stoff kann so leicht und
      unterhaltsam sein. Regie führte Generalintendant Michael Schulz.

      Wer an Wagner denkt, der hat einen schweren Stoff vor Augen, gepaart mit
      Texten, die fern unserer Welt sind. Doch all diese Eigenschaften kann man
      ausgezeichnet nutzen, um sie ins Gegenteil zu verkehren. Dieser Inszenie-
      rung ist das vorzüglich gelungen. Zweieinhalb Stunden ohne Pause kommen
      humorvoll rüber, ohne den nötigen Ernst des Stoffes in Bezug auf seine
      moderne Bedeutung zu vergessen. Es geht darum, die Gier einzelner
      Personen oder ganzer Konzerne auf die Bühne zu bringen. Die maßlose Gier
      nach immer mehr Macht und Reichtum führt zu zügelloser Moral und charak-
      terlich bedenklichen Entwicklungen. So steht das verfluchte Rheingold der
      Oper sehr passend für die Auswüchse unserer Zeit. Szenisch werden dafür
      rauchende Kühltürme von Kraftwerken visuell eingespielt. Walhall ist eine
      riesige, goldene Konzernzentrale mit den entsprechenden Managern davor.

      Die Szenerie beginnt allerdings im noblen "Rheingold-Express", der sich
      unter Wasser bewegt. Die drei Rheintöchter bedienen im glitzernden
      Partyfummel die Gäste. Man hätte auch genauso gut eine Düsseldorfer
      Sky-Bar mit aufstrebenden Jungmanagern wählen können. Im Rheingold-
      Express beginnt das Drama nach maßloser Gier und Machtstreben. Das
      Gold wird geraubt und der Fluch nimmt seinen Lauf. Dabei zeigt sich das
      sehr schöne Bühnenbild extrem wandelbar. Aus dem Zug wird später ein
      Bergwerk, in den Alberich mit seinem Gold die Welt regieren möchte. Als
      hätte man das Weiße Haus oder den Kreml unter die Erde verfrachtet.
      Ähnlich dumpfbacken agiert der Zwerg auch, lässt sich überrumpeln. Seine
      Verwandlungskünste mittels des goldenen Helms sind klasse dargestellt.
      Der große Wurm huscht als silberner Lüftungsschlauch geschickt über die
      Bühne. Eine tolle Idee! So wird der Oper die Schwere genommen und man
      muss schmunzeln. Dabei wird das Thema Macht nicht nur als Wort betont,
      sondern auch als goldener Käfig, in dem sich u. a. goldene Soldaten und
      entsprechende Schusswaffen befinden. Die Unzulänglichkeiten unserer
      globalen Gesellschaft passen in einen kleinen Käfig. Man müsste ihn nur
      herausrollen und entsorgen.

      Man hat sich viel einfallen lassen, um den Stoff beinahe zu einer komischen
      Oper werden zu lassen. Inhaltlich gibt es viele Ansätze für Ironie und Humor.
      Die skrupellosen Gierhälse tun ihr Bestes dazu. Fertig ist die Oper über eine
      Seuche unserer Zeit. Erda mahnt klasse ihre Bodenständigkeit, auch eine
      Anspielung für unsere Umweltprobleme durch wirtschaftliches Wachstum.
      Sie könnte eine Frontfrau für die "Friday for Future" sein. Viele Statisten
      agieren auf der Bühne, was optisch sehr befruchtend ist und die gesell-
      schaftliche Bedeutung des Stoffes untermalt.

      Musikalisch wird die Oper wunderbar von der Neuen Philharmonie Westfalen
      begleitet. Die Musikalische Leitung hat Giuliano Betta. Wagners Musik hat
      so viele Klangfarben zu bieten. Gesanglich kann man ebenfalls nicht
      meckern. Die Darbietungen können voll überzeugen, besonders Bastiaan
      Everink als Wotan, Cornel Frey als Loge und Urban Malmberg, der einen
      tollen Alberich gibt. Piotr Prochera als Donner steht überzeugend vor rauch-
      enden Kühltürmen, während Almuth Herbst als Fricka und Erda glänzt.
      Musikalisch macht es richtig Spaß.

      So kann man Wagner wirklich genießen. Tolle Musik paart sich mit einer
      gewissen Leichtigkeit, dem nötigen Ernst und sehr guten Stimmen. Man
      merkt, dass alle Beteiligten bei den Proben schon reichlich Spaß hatten.
      Es ist am MiR übrigens nicht geplant, den kompletten Ring aufzuführen.

      Datum: 11. Mai 2019, Premiere, weitere Vorstellungen

      musiktheater-im-revier.de