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Schauspiel 'Don Quijote' bei den Ruhrfestspielen 2021 in Recklinghausen
Mit „Don Quijote“ von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes bringen die Ruhrfestspiele Recklinghausen ein Stück auf die Bühne, das sich abhebt von sonstigen Inszenierungen dieses Stoffes. Regie führte Jan Bosse.

Es ist eine Inszenierung des Deutschen Theater Berlin in Verbindung mit den Bregenzer Festspiele. Mit Ulrich Matthes (Don Quijote) und Wolfram Koch (Sancho Panza) kann das Stück eine echte Starbesetzung aufweisen. Schauspielerisch können beide sehr wohl überzeugen. Man hat auch nichts anderes erwartet. Die Geschichte ist gut bekannt. Der Kampf gegen Windmühlen und Mächte der Phantasie gehen für den Möchtegern-Ritter Don Quijote nicht gut aus. Er ist tatsächlich ein Ritter der traurigen Gestalt, während Sancho Panza sich als treuer knappe in seiner Rolle ebenfalls nicht wohlfühlt. Zwei unglückliche Gesellen streifen durchs Land und wollen einmal Helden werden.

Dabei erkennt man durchaus aktuelle Bezüge zu heutigen Zeiten. Verbreitet man Angst, so dient das oft genug zu Zwecken des Machterhalts, in Wirtschaft und Politik. Man werfe nur mal einen Blick auf Karl Lauterbach, Jens Spahn und seine chronisch warnenden Virologen. Der Inhalt ist hochaktuell, wie auch die Trägheit der Welt, die man in vielen Dingen spürt. Diese Inszenierung spielt gefühlt durchaus im Jetzt. Wir handeln nach den Prinzip Wohlstand vor Verstand. Warum muss man immer der Größte sein? Welche Kriterien muss man als Mensch erfüllen, um eine Marmorbüste zu bekommen? Wer ist dazu groß genug? Es geht um Lug und Betrug. Wie lassen uns doch alle immer wieder von höher gestellten Menschen belügen. Es wird aber auch drauf hingewiesen, dass das Zeitalter der Sancho Panzas angebrochen ist. Die klein gehaltenen Knappen finden sich zusammen und proben den Aufstand. Die Armutsfrage wird immer wichtiger in Deutschland. Da trifft das Stück sehr wohl klare Aussagen. „Wenn man sich nichts mehr wünschen kann ist Schluss.“ Don Quijote hat das sehr gut erkannt.

Was inhaltlich modern erscheint, ist kostümbildnerisch eher historisch angelehnt. Die beiden trotten eher armselig und doch passend ausstaffiert durchs Land. Ganz anders präsentiert sich das Bühnenbild. Ein Holzcontainer als multifunktionales Element und noch schwächer, ein schnöder Einkaufwagen als Pferd, können nicht überzeugen. Ansonsten ist die Bühne sehr reduziert ausstaffiert. Etwas nervig ist auch auch der permanente Soundtrack mit sich wiederholenden Elementen. Er legt sich wie ein Teppich unter die Dialoge der einzelnen Szenen. Teilweise fühlt man sich wie im Glastunnel im Sea Live Oberhausen, mit getragener, engelsähnlicher Berieselungsmusik. Auch hier gibt es Abzüge, denn viele Dialoge wäre ohne die musikalische Berieselung knackiger.

Es ist ein Ansatz der Modernisierung eines Klassikers. Insgesamt ist es sehenswert gespielt. Der Rahmen ist Geschmackssache.

Datum: 28. Mai 2021

www.ruhrfestspiele.de