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      "Der Reichsbürger" ist im Fokus des Verfassungsschutzes und aktuell im
      Grillo Theater auf der Bühne in der Box zu erleben. Schauspieler Stefan
      Diekmann schlüpft in die Rolle derer, die lange als harmlose Irre belächelt
      wurden, bis sie ihr Waffenarsenal auspackten. Regie führte Thomas Krupa.
      Der Stoff stammt von Annalena und Konstantin Küspert.

      In der Bundesrepublik Deutschland herrschen Recht und Gesetz. Doch rund
      19.000 Mitbürger bezweifeln dies. Sie erkennen Deutschland zur Zeit des
      Kaiserreichs an, jedoch nicht die Bundesrepublik Deutschland. Diese
      Menschen machen sich ihre eigenen Regeln und schaffen sich ihre persön-
      lichen Kaiser und Könige. Woran erkenne ich eigentlich, dass die BRD nicht
      existiert? Als schauspielerisches Solo versuchte Stefan Diekmann in die
      Psyche einer dieser Irren zu schlüpfen. Auch wenn es vermutlich eine Light-
      Version war, die Realität möchte man sich besser nicht vorstellen. Das
      Gezeigte war schon erschütternd genug. Ein großes Kompliment an die
      schauspielerische Leistung, sehr überzeugend!

      Was wird denn alles behauptet? Wir sollen seit 1945 immer noch ein
      besetzter Staat sein, denn Amerikaner und Briten haben noch immer ihre
      Militärbasen im Land. Als Reichsbürger strebt man nach Freiheit. Der
      Personalausweis ist für sie nichtig. Er müsste zumindest "Personenausweis"
      heißen. Personal des Staates möchten sie nicht sein. Es sind oft Begriffs-
      reitereien oder Kleinigkeiten, an denen sie sich stoßen, wie auch beim Geld.
      Dort steht EZW auf den Scheinen und nicht Deutschland. Sie glauben an
      einen natürlichen Führungsanspruch Deutschlands. Hier sollten keine auslän-
      dischen, also quasi schlechten Gene, sich mit deutschen vermischen. Auch
      in den Schulen soll kein ausländisches Kind ein deutsches Kind beim Lern-
      tempo bremsen. Nicht einmal das BGB und das Grundgesetzt werden aner-
      kannt oder Steuern gezahlt. Alles was Untergebenheit gegenüber dem Staat
      erfordert, soll vermieden werden. Keine Anträge bei Behörden stellen und
      keine AGBs akzeptieren.

      Zunächst versuchte Wilhelm, die von Stefan Diekmann dargestellte Figur,
      es freundlich, die Gäste zu überzeugen. Sie befanden sich seiner Meinung
      nach ja schließlich auf seinem Territorium, dem "Freistaat Wilhelmsburg".
      Doch die Skepsis seiner Gäste überwog. Als seine Theorien immer lächer-
      licher wurden, begann man immer mehr zu schmunzeln. Wilhelm verkam
      zum armen Irren, wurde immer aggressiver. Schließlich wären seine Gäste
      ja eine linke Sekte und er in keinster Weise geistig rechts oder ein Nazi.
      Wer so etwas denke, solle doch sein Territorium verlassen. Optisch ent-
      wickelte es sich dabei zu einem Monster, das selbst eine Waffe zur Hand
      nimmt, automatische Waffen nicht ausgeschlossen. Staatsverteidigung ist
      wichtig. Dafür darf man gerne sein Geld bei ihm anlegen, anstatt bei der
      Bank. Als Dank bekäme man Kontakte zu vielen Gleichgesinnten in ganz
      Europa.

      Wer wollte durfte sogar einen Pass seines Freistaats mitnehmen. Die
      Doppelstaatsbürgerschaft ist allerdings ausgeschlossen. So behielten alle
      ihren Personalausweis und Wilhelm blieb sein einziger Mitbürger in seinem
      eigenen Reich. Es war erschreckend und zum Schmunzeln zugleich, wie die
      Reichsbürger in Deutschland denken und handeln. Immerhin 3.200 von ihnen
      soll es in NRW geben. Die Situation in Ostdeutschland möchte man sich
      erst gar nicht ausmalen. Harmlos sind sie auf gar keinen Fall.

      Datum: 21. September 2019, Grillo Theater (Box), Essen

      www.theater-essen.de