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      Mit den Schauspiel “Rauch“ von Josep Maria Miró i Coromina im Theater
      Oberhausen werden weltweit politisch aktuelle Themen gemeinsam mit unter-
      schwelligen Beziehungsproblemen sehr sehenswert inszeniert auf die Bühne
      gebracht. Regie führte Bram Jansen.

      Es sind zwei Handlungsstränge, die sich in einem beliebigen Hotel im entfernten
      Ausland kreuzen und eins werden. Draußen toben Unruhen. Das für Europäer
      fremde Volk ist im Aufruhr, es fallen Schüsse. Rauch steht in den Straßen.
      Hinaus darf eigentlich kein Tourist und die Gäste sollen die Fenster schließen.
      Zwei Paare sind davon betroffen, denn sie sind vor den Unruhen hier gestrandet,
      Zimmer an Zimmer. Was ist da draußen nur los? Das fremde Volk verstehen sie
      nicht. Selbst durch die dicke Panzerglasscheibe in der Lobby, die wie ein großer
      Live-Fernsehschirm auf sie wirkt, dringt kein Hilferuf der einheimischen Aufstän-
      dischen. Sie betrachten das Geschehen besorgt und nervös aus dem scheinbar
      sicheren Hotel heraus. Hervorzuheben ist dabei das gelungene und klare
      Bühnenbild.

      Aufgebaut ist die Inszenierung durchaus interessant. Einzelne Szenen zwischen
      Eva (Keja Klaasje Kwestro), Alex (Peter Waros), Laura (Elisabeth Kopp) und
      Jaume (Torsten Bauer). beginnen an einem Punkt und enden oft mit einem
      Fragezeichen, das beim Besucher die Phantasie anregt. Dabei offenbaren die
      beiden Paare im Angesicht der Unruhen einige interne und sonst Differenzen.
      Man hat sich im Laufe der Zeit verändert und auseinander gelebt. Die da draußen
      schreien nach Freiheit und suchen Veränderung. Dieser Geist erfasst auch die
      deutschen Paare im Hotel unbewusst. Heimlich stürzen sie sich egoistisch,
      ohne das Wissen des Partners oder der Partnerin, nach draußen ins gefährliche
      Getümmel oder suchen das fremde Abenteuer auf dem Zimmer. Sie streiten sich
      wegen Kleinigkeiten. Wer allerdings mit wem wirklich einen erotischen Aus-
      tausch hatte, das wird nur verschleiert angedeutet oder offen gelassen. Mit der
      Zeit weiß jeder durch Vier-Augen-Gespräche vom anderen eine ganze Menge.
      Den betroffenen Dritten wird allerdings nie die ganze Wahrheit über die Treffen
      weitergeleitet. Wer hat wann was zu wem gesagt? Wer kam wem wie nahe?
      Teilweise sind es nur Stichworte, Pausen, Gesten oder mimische Züge, die sehr
      gut und fein die Situation auf den Punkt bringen. Wenn es laut wird, knallt aber
      auch mal eine Ohrfeige. Die letzte Szene, in der alle vier Personen erstmals
      gemeinsam auf der Bühne stehen, offenbart die ganze Scheinheiligkeit der
      beiden Beziehungen. Spannend zu erleben!

      Das Stück schwankt gefühlsmäßig zwischen sehr sensibel und extrem emo-
      tional. Besonders Laura versteht es sehr geschickt zu provozieren. Ihre äußerst
      direkte Kommunikation irritiert Alex und Eva öfter und führt zu Spannungen. Sie
      spinnt die Fäden. Plötzlich greift man wieder zur Zigarette, obwohl man eigent-
      lich abstinent sein wollte. Rauch steigt draußen und drinnen sinnbildlich auf,
      doch will das Feuer richtig zünden? Als die Unruhen plötzlich nachlassen und
      der Flughafen wieder öffnet, da wird klar, dass auch hinter den Hotelwänden die
      zwischenmenschliche Revolution nicht gesiegt hat. Alle ahnen was an den
      letzten drei Tagen geschehen ist, aber jeder kehrt vorerst in seine suboptimale
      Beziehungswelt zurück. Die „Alles-wird-gut-Scheinwelt“ ist dann doch bequemer
      als der Aufbruch zu neuen Ufern, gesellschaftlich-politisch und privat. Man hat
      Angst vor dem Scheitern.

      Datum: 14. Mai 2016 (Premiere)

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