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      Mit dem gelungenen Schauspiel "Rattenkinder" zeigt die Abteilung Spieltrieb
      am Schauspiel Duisburg sehr sehenswert ein inhaltlich aktuelles und tief-
      gründiges Stück, das die neue Generation von jungen Erwachsenen, ihre
      Wünsche und Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt.

      Alle Mitglieder des Spieltriebs sind zwischen 17 und 23 Jahren jung. Sie
      sind ehrenamtlich aktiv und werden durch Profis unterstützt. Als Vater und
      Mutter Brandt sind der aus dem Grillo Theater bekannte Axel Holst und
      Katharina Böhrke mit dabei. Im Foyer 3 des Duisburgers Stadttheaters ist
      man als Zuschauer ganz dicht dabei, wenn die Kids aus der ihnen vorgege-
      benen Rolle ausbrechen und sie verändern. Egal ob Eltern, Medien oder
      ganz allgemein die Gesellschaft, alle wollen ihnen sagen, was sie tun und
      denken sollen. Dabei ist diese Welt der Erwachsenen momentan völlig aus
      den Fugen. Karrierestreben, Hass, Gleichgültigkeit, Eigensinn, Lügen oder
      das Begehren, stets den anderen einen Nachteil zuzufügen, prägen häufig
      das Handeln der Elterngeneration. Sie, die jungen Leute, wollen so niemals
      sein, so satt, bequem und wenig zukunftsgerichtet. Stattdessen wollen sie
      die Gesellschaft aufrütteln und die Welt verändern. Die fetten Jahre sind in
      vielerlei Hinsicht vorbei. Man muss die Zeichen der Zeit nur erkennen.
      Aktueller kann ein Stück nicht sein. Es stammt von einem in Duisburg
      geborenen Autor, Simon Paul Schneider, und ist eine Uraufführung. Der
      Autor führte persönlich Regie, unterstützt durch Katharina Binder.

      Raus aus dem Wohlstandsnest und hinein in die Revolution. Wie diese aus-
      sehen soll, da sind die einzelnen Protagonisten eher uneinig. Der Plan, ein
      leer gezogenes Dorf im Tagebaugebiet zu besetzen, ein territoriales Symbol
      für ein Opfer der Gesellschaft, ist kein einfaches Unterfangen. Es wird düster
      und die Kids diskutieren über die Verwirklichung ihres anarchischen
      Handelns. Sollen sie dabei Gesetze brechen oder die gewaltfreie Anarchie
      ausrufen? Letzteres verfolgt ihre Anführerin Echo, klasse gespielt von Emma
      Stratmann. Andere fragen, wo der Strom herkommen soll und ob man auch
      ganz ohne Geld Anarchie leben kann? Selbst angebaute Möhren sind auch
      keine Lösung. Sie haben Hunger, aber ist das bei so hehren Zielen überhaupt
      wichtig? Es gibt auch Geschwisterliebe unter ihnen, doch sind Fanny
      (Vanessa Kühnen) und Theo (Caroline Blümer) tatsächlich Geschwister?
      Manche Eltern tragen dunkle Geheimnisse vor sich her.

      Das Stück zeigt sehr schön, dass ein Ausbrechen aus der eingefahrenen
      Bequemlichkeit durchaus seine Tücken haben kann. Wie viel Toleranz
      gegenüber eigenen Mitstreitern kann man zulassen und wann wird man
      ausgeschlossen, weil man die neuen Ideale nicht konsequent mit trägt?
      Auch in der neuen Welt gibt es Regeln zu beachten, die ihre Anführerin Echo
      vorgibt. Schön wird ebenfalls der Zustand mancher Ehen aufgezeigt, die
      sich unterschwellig nur noch streiten und wo unter Bettdecke schon lange
      nichts mehr läuft. Sie versuchen der Jugend trotzdem ihre Lebensideale
      aufzudrücken, trotz aller negativen Selbsterfahrung.

      Was wird nun aus dem Generationenvertrag? Es werden ungewöhnliche
      Fragen gestellt. Wie entsteht ein Bleistift? Wer ist der wichtigste Mensch für
      dich? Was ist Heimat? Liebt ihr euch? Mit elterlichen Floskeln geben sie
      sich jedenfalls nicht zufrieden. Dieses sehr gut inszenierte Stück greift
      gekonnt die Probleme der jungen Generationen auf, die zunehmend besorgt
      in die Zukunft schaut und sich aktiv auflehnt. Die Dialoge sind tiefgründig,
      klasse formuliert und niemals langweilig dargeboten. Selbst der uns sicher
      ereilende Tod wird nicht ausgespart. Schauspielerisch gibt es nichts zu
      meckern. Die Mischung aus Profis und Jugend passt sehr gut. Die durch-
      gehend gruselig-mystische Atmosphäre offenbart das Subtile unserer
      Lebenswirklichkeit wirklich gelungen.

      Datum: 21. November 2019, Theater Duisburg

      www.duisburg.de