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      Mit "Quartett" präsentiert das Theater an der Ruhr ein gutes Schauspiel von
      Heiner Müller, das grundlegende Probleme unseres Zusammenlebens offenlegt.
      Regie führte Roberto Ciulli.

      Private Konflikte zwischen Mann und Frau treten überall mal auf. Sie lassen
      sich aber auch auf gesellschaftliche Dinge, wie Kriege und Terrorismus
      assoziieren. Die gedankliche Spannbreite dieses Stoffs ist groß und zudem
      voller philosophischer Ankerpunkte.

      Auf der Bühne ist es ein feines Beziehungsspiel zwischen der Marquise de
      Merteuil (Petra von der Beek) und ihrem ehemaliger Liebhaber, dem Vicomte de
      Valmont (Jubril Sulaimon). Sie haben sich einmal geliebt und begegnen sich
      wieder. So ganz scheint das Feuer noch nicht erloschen zu sein, aber die
      Differenzen treten trotzdem deutlich zu tage. Sie leben teilweise in Phantasien,
      die sie scheinbar wieder näher zueinander bringen. In der Realität haben sie
      neue Partnerschaften, schlüpfen auch in die Rollen von Tourvelt und Valment.
      Die Eifersucht stirbt nie. Sie tauschen sogar zwischenzeitlich ihre eigentlichen
      Geschlechterrollen und mimen den Gegenpart. Mehr und mehr schwächt sich
      die männliche Rolle ab, ehe sie von der weiblichen zu Tode gestürzt wird. Teils
      wird auch mit Masken gespielt. Interessant dabei ist die Querverbindung bezüg-
      lich der Hautfarbe. Rassismus ist aktuell ein Problem. Jubril Sulaimon ist
      dunkelhäutig. Seine Besetzung spielt auf die aktuellen Aspekte an, den
      rassistischen Mob, der unter uns sein hasserfülltes Unwesen treibt. Einen
      Sieger scheint es nicht zu geben.

      Es ist die Sehnsucht nach Liebe, menschlichen Triebe und Frieden, die zum
      Scheitern verurteilt zu sein scheint. Der Drang stärker zu sein als der andere,
      lässt sich offenbar nicht ausschalten. Szenisch kann sich die Aufführung sehen
      lassen. Ein paar Stühle und ganz viel Papier auf dem Boden durchziehen
      passend reduziert das Stück. Es sind Textauszüge aus Heiner Müllers Vorlage.
      Sexualisierte Passagen werden verbal geschickt ausgedrückt, ohne billig zu
      wirken. "Raum ist in der kleinsten Hütte." Der Humor kommt sprachlich nicht zu
      kurz. Das Thema Kirche und der Umgang mit dem Sex wird ebenfalls nicht
      ausgeblendet. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Musikteile, vom Barock,
      über spätere klassische Werke bis hin verschiedenen Klängen. Sie lassen den
      Besucher das Gesehene reflektieren.

      Datum: 26. Januar 2018, Premiere, Theater an der Ruhr

      www.theater-an-der-ruhr.de