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      Mit dem Schauspiel "Die Proletenpassion" von Heinz R. Unger und der Rock-
      gruppe "Schmetterlinge" beschließt das Grillo Theater seine aktuelle Spielzeit.
      Regie führten Bernd Freytag und Mark Polscher.

      Die Arbeiterklasse war lange Zeit prägend im Revier. Die Kohle ist bald ver-
      schwunden und der Stahl ist ebenfalls auf dem absteigenden Ast. Die Arbeiter-
      bewegung wird in der Vorlage allerdings weiter gefasst. Was hier kaum noch
      zu spüren ist, wird weltweit und mit einigen historischen Beispielen ange-
      packt. Es geht um Bauernkriege, lutherische Aufstände, Arbeiter- und Volks-
      aufstände in Paris 1871, in Russland 1917 oder den Faschismus in
      Deutschland zur Nazizeit. Stets wurde die herrschende Klasse in Frage
      gestellt. So weit ist das Thema heute noch weltweit sehr aktuell und eigentlich
      spannend.

      Was jedoch auf der Bühne zu sehen ist, das ist wohl am wenigsten inter-
      essante Aufführung dieser Spielzeit im Grillo Theater. Die Regisseure stolpern
      während der 130 Minuten über diverse szenische Ungeschicktheiten. Keines-
      falls ist dabei den wenigen Profis und dem Chor der Laienschauspieler
      irgendeine Schuld anzulasten. Sie geben alles im Rahmen der Regieanwei-
      sungen und die Laien, denen man teils ihre Unerfahrenheit beim Sprechen und
      sich bewegen anmerkt, sind für ihre Verhältnisse richtig gut. Einzelne haben
      sogar merklich Talent für mehr.

      Für die nicht Grillo würdige Inszenierung sind alleine Bernd Freytag und Mark
      Polscher verantwortlich, die auch für die Bühne und die Kostüme zuständig
      sind. Die Bühne ist eine echte Enttäuschung. Ganz schlicht und in Schwarz
      gehalten ist sie kaum vorhanden. Gelegentlich tauchen ab und zu klischee-
      hafte Requisiten wie ein mit peinlich blinkenden LED-Ketten behängter Esel,
      eine Kanone oder eine geschwenkte rote Revolutionsfahne auf. Bei letzterer
      verliert der Betrachter seine letzte Hoffnung auf einen gelungenen Theater-
      abend. Umgeben von ärmlichen Bäumchen auf dem Boden muss Henriette
      Hölzel, wie bei einem Karnevalsumzug, die Fahne jonglieren, während die
      anderen als sogenanntes Orchester musizieren. Wie trist und ideenlos!

      Wären wir bei der leidigen Musik. Sie ist live und wird von den Laien ge-
      meinsam auf allerlei Instrumenten dargeboten. Jeder bedient ein Instrument,
      ohne es zu beherrschen. So kommt ganz bewusst gewollt eine Art Katzen-
      musik heraus, oder soll man das evtl. besser Lärm nennen? Diese musika-
      lische Disharmonie wird nicht selten als Stilmittel eingesetzt. Es klingt auf
      jeden Fall sehr unschön für die Ohren der Betrachter. Weghören geht leider
      nicht und eine Pause gibt es im Stück auch nicht.

      Der Betrachter vermisst in diesem Stück wirklich gute Dialoge zwischen den
      einzelnen Figuren. Der eigentlich spannende Stoff würde es locker hergeben.
      Die Profis übernehmen die eine oder andere Solo- oder Gesangspartie. Der
      Dialog zwischen den Herren Krupp und Thyssen ist eine große Ausnahme,
      die man wohlwollend aufsaugt. Überwiegend dominieren die gemeinsam
      als Chor intonierten Gruppentexte das Stück.

      Das Stück wirkt szenisch keinesfalls zeitgemäß. Man vermisst ein gutes
      Licht, evtl. grafische Einspieler, passende Requisiten und knackige Szenen.
      Es ist ein Historiendrama mit globaler Weite und inhaltlichem Tiefgang, der
      für unsere Gesellschaft thematisch aus der Zeit gefallen wirkt. Die sehr
      schwache Inszenierung kommt bei so viel Weltgeschichte leider nicht mit.

      Datum: 16. Mai 2018

      www.schauspiel-essen.de