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      Mit Edith Piaf (1915-1963) und Barbara (1930-1997) standen im Musik-
      theater im Revier (MiR) zwei der "Grandes Dames" des französischen
      Chansons auf der Bühne. Christa Platzer, Sängerin am Haus, brachte die
      Künstlerinnen im Rahmen des sehr schönen Liederabends "Paris im August"
      musikalisch und biografisch dem Publikum näher.

      Frankreich und Chansons, das gehört zusammen. Barbara folgte Edith Piaf,
      als sie ihrem Ende entgegen blickte. Die Piaf war ein Weltstar, populär in
      den USA, war sogar die am besten verdienende Sängerin auf dem Globus,
      und doch war sie hoch verschuldet. Ihr Ruhm war gewaltig, aber ihr Privat-
      leben ein Scherbenhaufen. Sie kochte als junge Frau sogar im Bordell und
      war Straßensängerin in Paris. Ihr Vater war ein Trapezkünstler. Genau wie
      sie kam auch Barbara aus ärmlichen Verhältnissen. Als Monique Andrée
      Serf nahm sie später den Vornamen ihrer Großmutter Barbara an. Die
      Familie hatte jüdische Wurzeln und musste vor den Nazis innerhalb Frank-
      reichs fliehen. 1945, mit 15 Jahren, wurde ihr Gesangstalent entdeckt und
      gefördert. Nach einer klassischen Gesangsausbildung widmete sie sich
      erfolgreich dem Chanson.

      Zu einem französischen Chansonabend gehört natürlich eine Person, die
      diese besonderen Charaktere verkörpern kann. Bei Christa Platzer war man
      stets Ohr. Den Gesangsduktus der Piaf, wie auch das eher melancholisch
      erzählende Moment der Barbara wusste sie sehr genau zu unterscheiden.
      Während die Piaf auf einem Podest im grellen Spot ihre Welthits schmet-
      terte, stand Barbara eher etwas leise und poetisch ganz fest auf dem Boden.
      Stimmlich konnte sie beide Rollen wunderbar variieren und trennen. Begleitet
      wurde Christa Platzer von einer tollen Band, die sehr fein die leisen Töne
      beherrschte. Dirk Sobe (Klavier), Oliver Räumelt (Akkordeon), Ronald
      Güldenpfennig (Bass) und Jürgen Schneider (Schlagzeug) umspielten die
      Atmosphäre, die Paris einfach ausmacht, insbesondere das typische
      Akkordeon. Man flanierte akustisch oft leichtfüßig über die Trottoirs mit den
      Cafés, wo man die Künstler traf. Man spürte den Genussfaktor der franzö-
      sischen Metropole, das Savoir-vivre mit allen angenehmen und weniger
      schönen Seiten.

      Natürlich durften die großen Melodien der Piaf nicht fehlen, "La Vie en Rose",
      "Milord", "Padam, Padam", "L'Accordéoniste" oder ihr abschließendes
      Lebensfazit "Non, je ne regrette rien". Die Melodien von Barbara waren da
      eher weniger bekannt. Ihre Hymne an "Göttingen", wo sie sich bei einem
      Aufenthalt sehr wohl fühlte. Barbara war ein Symbol der deutsch-französi-
      schen Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie zelebrierte gesanglich
      "Die Einsamkeit", "Eine winzige Kantate", "Paris im August oder "Nantes",
      der Ort an dem sie zu spät kam, als ihr Vater starb. Ihre Geschichten sind
      sehr feinfühlig und immer mit einer Pointe versehen.

      Am Ende trennt die beiden Sängerinnen dann doch eine ganz entscheidende
      Eigenschaft, ihr Abgang von der Bühne. Edith Piaf suchte Liebe und Gebor-
      genheit. Sie fand in der Regel nur kurze, heftige Liebschaften, denn fast
      keiner hielt es mit ihr lange aus. Sie war herrsch, großzügig und Alkoholi-
      kerin. Als sie nach einem Autounfall trotzdem mit Gips auf die Bühne wollte,
      entdeckte sie das Morphium. Die Droge zerstörte sie fortan. Sie vergaß
      Texte, war kaum noch Herr ihrer Sinne und brach zusammen. Ihre letzte
      Studioaufnahme 1963 absolvierte sie völlig zerbrochen in den Armen ihres
      damaligen Partners. Barbara war damals zufällig im selben Studio und
      bekam das Elend ihres Idols ganz nah mit. 40.000 Menschen nahmen an
      ihrem Begräbnis auf dem Friedhof Père Lachais teil. Barbara dagegen spürte
      1994, dass ihre Kräfte nachließen. Nach dem Song "Wenn schon sterben,
      dann schon sterben" schritt sie erstmals durch ihr Publikum und trat nie
      wieder auf. Als Wrack sollte sie keiner mehr öffentlich sehen.

      Datum: 28. Dezember 2018

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