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      Mit der Oper "Die Perlenfischer" von Georges Bizet erfüllt das Musiktheater
      im Revier (MiR) seinen Besuchern einen häufig geäußerten Wunsch. Die
      großartige Inszenierung von Manuel Schmitt überzeugt auf ganzer Linie.
      Sie wurde aus ihrer ursprünglichen Welt sehr geschickt in die aktuelle Zeit
      verpflanzt.

      Es ist eine der wenigen Opern mit einem Happy End. Die Premiere so kurz
      vor Heiligabend verlangt auch danach. Die beiden Freunde Nadir (Stefan
      Cifolelli) und Zurga (Piotr Prochera) sind beide in die Schutzheilige Tempel-
      priesterin Leila (Dongmin Lee) verliebt. Ihr Schwur verpflichtet sie allerdings
      dazu, ihr nicht näher zu kommen. Als Chef der Perlenfischer muss Zurga
      später dann doch das Todesurteil über Leila und Nadir fällen. Sie kamen
      sich zu nahe. Doch am Ende siegt die Liebe über den Schwur und das
      Gesetz.

      Es geht sehr emotional zur Sache, süß-lieblich und hoch dramatisch, oder
      musikalisch ausgedrückt zwischen Harfe und Trompete. Die besondere
      Akustik im MiR macht es möglich. Man hört jeden Ton ganz fantastisch. Die
      beiden Gegensätze werden wunderbar dargeboten, auch musikalisch von der
      Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Giuliano Betta. Man
      darf nicht vergessen, dass "Die Perlenfischer" eine wahre Choroper ist. Somit
      spielen der Oper- und Extrachor des MiR eine wirklich tragende Rolle, die
      sie hervorragend ausfüllen. Neben den sehr guten Solisten ist der Chor die
      revolutionäre Stimme des Volkes, ergänzt durch viele Statisten. Teilweise
      agiert der Chor auch bedrohlich aus den Off, begleitet von Donner, Blitz
      und Ungemach. Die klasse ausstaffierte Drehbühne trägt ihren Teil dazu bei.
      Das variable Bühnenbild (Bernhard Siegl) ist mehr als gelungen, was auch für
      die Kostüme (Sophie Reble) gilt. Dabei kommt sogar das Ultramarinblau von
      Yves Klein aus dem Foyer künstlerisch zum Einsatz.

      Die Inszenierung überzeugt durch ihre Bilder, die einem schwer aus dem
      Kopf gehen. Anfang und Ende werden durch einen Taucher (Michael Bittinger)
      geprägt, der hinter einem milchig-tranparenten Vorhang in die Tiefe gleitet
      und wieder auftaucht. Eine wunderbare Idee. Toll gespielt von der kleinen
      Mi-Na Springer ist die bildliche Vergangenheit von Laila. Repekt für diesen
      Mut. Ein rundes Leuchtelement dient später als Sonne, Gottheit oder Feuer.
      Erstmals zeigt das MiR auch den originalen Schluss des Duetts zwischen
      Zurga und Nadir im 2. Aktes, der 2015 aus verschiedenen Quellen rekonstru-       iert wurde. Das Ende des 2. Akts vermittelt wirklich Gänsehaut.

      Bei aller Historie spielt die Neuzeit eine wichtige Rolle an diesem Abend.
      Schon damals wurden die Perlenfischer in Indien von Händlern und Juwelieren
      ausbeutet. Sie riskierten bei Tauchgängen bis zu 17 m Tiefe ihr Leben.
      Heute ist Ausbeutung in vielen Ländern der Erde an der Tagesordnung, mit
      allen gesundheitlichen Folgen für die Niedriglöhner. Wo kommen denn unsere
      Jeans-Hosen her? In den kurzen Umbaupausen werden Videoszenen einge-
      spielt, die z.B. sehr persönlich an den Brand in einer pakistanischen Textil-
      fabrik am 11. September 2011 erinnern. Eine Mutter zeigt das Fotos ihres
      dort getöteten Sohns.

      "Die Perlenfischer" sind eine exzellente Oper mit bestem Unterhaltungsfaktor.
      Das MiR bleibt seinem sehr guten Ruf treu, was auch für den herrlichen
      Tannenbaum im Foyer gilt, der eine wahre Pracht ist, voll mit Tausenden von
      kleinen Lichtern.

      Datum: 22. Dezember 2018 (Premiere)

      musiktheater-im-revier.de