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      Den Klassiker "Peer Gynt" bringt das Theater Oberhausen in einer ganz
      besonderen Version auf die Bühne, die sich in keine Schublade packen lässt.
      Regisseur Martin G. Berger hat bunten Mix aus Schauspiel und Musiktheater
      geschaffen, ein unterhaltsamer Spagat, der für alle Beteiligten ein enormer
      Aufwand war.

      Die Figur Peer Gynt (André Benndorff) ist eine Gestalt, die aus armen
      Familienverhältnissen stammt und nie wirklich den Aufstieg geschafft hat.
      Schon in der Kindheit träumte er sich weit weg, als Ausweg. Die Inszenierung
      greift hier den aktuellen Bezug zu sozialen Problemen auf. Zu viele Familien
      oder Alleinerziehende beziehen, nicht nur in Oberhausen, staatliche Sozial-
      leistungen. Peer Gynt ist auch optisch einer aus unserer Zeit. Er tritt er in
      Klamotten auf, die nicht aus der Designerboutique stammen, möchte jedoch
      Prinz, König, Kaiser oder Prophet sein. Alles das nimmt man ihm nicht ab.
      Sein von Phantasie geprägtes Selbstbild bricht immer wieder in sich zusam-
      men. Seine Umwelt enttarnt ihn schnell und das Märchen von Aufstieg und
      Fall findet jedes Mal eine Fortsetzung, bis es nicht mehr geht und der Knopf-
      gießer (Ronja Oppelt) ihm klar macht, dass er es nicht verstanden hat
      herauszufinden, wer er wirklich ist. Das szenisch sehr passend gesetzte
      Kreuz am Ende ist das Ende einer Figur, die menschlich immer eine arme
      Kreatur war, stets nur an sich dachte und die Liebe nie praktizierte.

      Es war ein Jugendtraum von Martin G. Berger, diesen Stoff zu inszenieren.
      Ibsen hatte es nie für möglich gehalten, dass man es je auf die Bühne stellen
      kann. Dafür wurden in Oberhausen sogar ausgebildete Musicaldarsteller
      engagiert. Es sollte ein Revue werden, die stark Musical hafte Züge trägt.
      Im kleinen Orchestergraben begleitet eine achtköpfige Band, unter der Leitung
      von Martin Engelbach, das Geschehen durchaus sehr gelungen. Monologe
      und andere Textbausteine werden so in eine musikalische Form gepackt,
      sind wichtige Elemente des Stücks.

      Doch ist das nun ein Musical? Herausgekommen ist durchaus eine häufig
      schräg-extrovertiert kostümierte Musikrevue, die ständig zwischen Musical
      und Schauspiel wechselt. Das Thema des Zirkus spielt eine nicht unwichtige
      Rolle. Alle Elemente verschmelzen dabei gefühlt aber eher nicht. Die Glitzer-
      und Glamourwelt des Peer Gynt erinnert an ein buntes Musical, nur sollte
      man ansonsten gute Schauspieler wie Clemens Dönicke oder Torsten Bauer
      nicht als Musicaldarsteller betrachten, obwohl die Schauspieler den Großteil
      der Gesangspartien darbieten. Sie sind und bleiben Schauspieler. Wie
      Musical geht, das zeigen die extra engagierten Darsteller ganz locker. Nur
      leider bekommen sie dazu nicht so oft die Gelegenheit. Besonders vor der
      Pause agieren sie eher im darstellerischen Hintergrund, ohne ihre fachlichen
      Fähigkeiten voll zu entwickeln. Legen sie mal los, dann wirbelt es ordentlich
      auf der Bühne.

      Stärken hat das Stück in den ruhigen Dialogen ohne Schnick, Schnack und
      Glitzer, besonders nach der Pause. André Brenndorf überzeugt als Peer Gynt.
      Gesanglich versucht er erst gar nicht, eine Musicalrolle zu imitieren. Als
      singender Schauspieler hat er bewusst oder unbewusst stilistische Ähnlich-
      keiten mit Rio Reiser, was kein schlechtes Vorbild ist. Er macht seine Sache
      sehr gut. Die melancholischen Szenen stechen dabei heraus. Eine starke
      Bühnenpräsenz hat ebenfalls Emilia Reichenbach als Mutter Aase und die
      von Peer verschmähte Geliebte Solveig. Ähnlich wie André Brenndorf weiß
      auch Ronja Oppelt zu glänzen. Ihr Part als Knopfgießer ist großartig gespielt.
      Sie rockt die Szenerie nach der Pause.

      Für Freunde einer Musikrevue, auf der Grundlage eines klassischen Stoffes,
      ist diese Inszenierung durchaus sehr unterhaltsam. Reine Schauspiel- oder
      Musicalfetischisten werden nicht immer glücklich sein.

      Datum: 12. Januar 2020

      www.theater-oberhausen.de