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      Das Grillo Theater präsentiert in seiner Casa hervorragend das Schauspiel
      "Peer Gynt". Ist er ein Lügner, ein Hochstapler, ein Looser oder einfach ein
      Opfer seiner gesellschaftlichen Verhältnisse? Das Stück ist klasse insze-
      niert, beeindruckend gespielt und "Creep" ist der absolut perfekte Soundtrack,
      live dargeboten.

      Peer Gynt, ein Junge aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater versoff das
      Vermögen. Als er starb, hinterließ er seiner Frau und seinem Sohn nichts
      als Unglück. Mit der Mutter schlug er sich so durch, immer gedanklich ganz
      weit weg, da wo man sich hin sehnt, wenn nur Träume helfen. Dieses
      Denken hat Peer, ein gut aussehender Mädchenschwarm, mit in sein
      Erwachsensein geschleppt. Träume und die Realität ließen sich jedoch nie
      so richtig miteinander verbinden, stießen auf irritierende Kontroversen. Man
      verstand ihn nie so richtig und somit gibt es für ihn nur eine Möglichkeit
      glücklich zu werden, der Tod.

      Ganz hervorragend spielt Alexey Ekimov die Hauptrolle des Peer Gynt. Man
      verträumt, mal verzweifelt oder emotional, die Rolle des Peer ist spannend
      umgesetzt. Er möchte ein Prinz, König oder Kaiser sein und flüchtet dabei
      ständig in andere Welten, Gedanken als Drogen. Soll er sich zwischen zwei
      Damen entscheiden, so wählt er gar keine und bleibt einsam in seiner
      Traumwelt. Verlieben, das ist in seinem Herzen nicht einprogrammiert. Mög-
      lichkeiten hätte er viele. Toll herausgearbeitet ist die Beziehung zu seiner
      Mutter (Ines Krug). Einerseits macht sie ihm Vorwürfe, andererseits nimmt
      sie ihn in Schutz. Er war und ist ja nicht immer schlecht. Man hat den
      Eindruck, dass beide eine Schicksalsgemeinschaft bilden. Drumherum hat
      Regisseur Karsten Dahlem faszinierende Welten geschaffen. Ins Reich der
      Trolle geflüchtet, muss er sich entscheiden, ob er die dort geltenden Regeln
      einhalten möchte. So traumhaft schöne Aussichten erscheinen sie ihm dann
      doch nicht.

      Klasse dargestellt ist die Lebensreise des Peer Gynt. Aus dem jungen
      wilden Träumer entwickelt sich ein skrupelloser Waffenhändler, der nur sich
      sieht, standesgemäß mit goldenem Jackett und Goldkettchen. Der gebroch-
      ene Träumer tritt hier sehr selbstbewusst auf. Dabei wirkt er nie ganz
      erwachsen. Die Frage, wer er wirklich ist, steht immer im Raum. Er fliegt
      hoch und stürzt doch wieder ab. Die Jugendbekanntschaft Ingrid (Sabine
      Osthoff) hätte ihm sein Herz geöffnet. Solvaig (Silvia Weiskopf) hat sogar bis
      fast zum Schluss um seine Zuneigung gebeten und stets gehofft. Sie waren
      füreinander gemacht, doch Peer erkennt erst in der Stunde seines Todes,
      dass er sich nie auf die reale Welt eingelassen hat, seine wahre Person nie
      wirklich selbst erleben wollte.

      Das Bühnenbild zeigt klasse, dass man mit einfachsten Mitteln eine tolle
      und sehr variable Kulisse für eine kleinere Bühne formen kann, Live-Video-
      sequenzen inklusive. Ein Hammer ist der Soundtrack, der sich mittels
      Akustikgitarre, E-Gitarre oder mittels einer Geige phantastisch durch das
      Stück zieht (Christoph König). "Creep", von Radiohead, ist einer der groß-
      artigsten Songs der Musikgeschichte. Kaum ein Titel hätte besser zu dieser
      tollen Inszenierung gepasst.

      Datum: 13. Dezember 2019, Premiere

      www.theater-essen.de