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      Mit dem „Parsifal“ nach Richard Wagner und der Version von Tankred Dorst hat<
      das Grillo Theater eine sehr diskussionswürdige Inszenierung präsentiert. Regie
      führte Gustav Rueb. Bei der Premiere gab es unübersehbare Lücken nach der
      Pause im Zuschauerbereich.

      Richard Wagner ist grundsätzlich immer ein schwerer Stoff. Gustav Rueb
      vermischt dabei zwei Versionen, die des Originals mit einer späteren (1987) von
      Tankred Dorst. Man merkt es insbesondere sprachlich. Hochdeutsch wechselt
      mit den altdeutschen Zeilen Wagners ab. Schon das ist schwierig zu verfolgen.
      Das Wirrwarr setzt sich beim Bühnenbild fort. Mal ist es die Gralsburg, mal
      eine Animation in Wild-West-Optik, mal ein klinisch wirkender Forschungsraum
      und mal eine Ladenzeile aus den 1980er-Jahren mit roter Neonröhre, Lichter-
      kette und einem alten Fernseher. Der teilweise erotische Touch ist im Schau-
      fenster vermutlich gewollt. Wenn vor dieser Straßenkulisse allerdings altdeutsch
      parliert wird und die Kostüme neuzeitlich daher kommen, dann führt das zwing-
      end zu Irritationen, besonders wenn die Dialoge von Wagners Opernmusik hier
      deutlich untermalt werden. Schwierig zu spielen, aber leider zu sehr verquirlt,
      wie so viele Aspekte im Stück.

      Das Stück geizt obendrein nicht mit besonders ausgeprägter Langsamkeit.
      Zeitlupen artige Bewegungen sind wie ein roter Faden in der Darstellung.
      Die Zuschauer werden vom Tempo oft regelrecht eingelullt. Längen werden
      sichtbar. Man wünscht sich einfach mehr mitreißendes Tempo und knackigere
      Dialoge, die die Dramatik und das Blutrünstige besser widerspiegeln. Eignen
      sich Wagners altdeutschen Texte überhaupt für eine Schauspielfassung? Eine
      große und wohltuende Abwechslung sind gelegentlich die Instrumente auf der
      Bühne, eine Trompete oder ein Akkordion. Der nicht selten dadaistische und
      alberne Slapstick, wie ein brennendes Handy oder der Auftritt von Sonne und
      Mond, ist ebenso nicht jedermanns Sache, muss man nicht mögen.

      Schauspielerisch kann man nicht meckern. Ob Philipp Noack (Parsifal), Laura
      Kiehne (Herzeloide, Kundry, …), Axel Holst (Der Rote Ritter, Amfortas, …) oder
      all die anderen, sie präsentieren sich in ihren Rollen gewohnt gut. Die Insze-
      nierung, die Kostüme und das Bühnenbild lagen nicht in ihrer Hand.

      Am Ende steigt unser Erdball auf der Bühne in die Höhe. Die Menschenkinder
      haben nicht verstanden, aus den Fehlern der Vorgenerationen zu lernen. Man ist
      ratlos, was von ihnen jemals bleiben wird. Ziemlich ratlos und fragend verlässt
      man ebenso diese Inszenierung. Ein kurzer und braver Applaus für die schau-
      spielerischen Darbietungen, mehr gab es nicht am Ende.

      Datum: 22. Oktober 2016, Premiere

      www.schauspiel-essen.de