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      Mit "Orlando Paladino" präsentiert das Musiktheater im Revier in Gelsen-
      kirchen seit langer Zeit mal wieder eine Oper aus dem 18. Jahrhundert. Das
      Werk von Joseph Haydn ist eine sogenannte komische Oper mit einem
      ganz einfachen Thema, die Liebe. Wieder mal verdient sich das MiR ein
      "sehr gelungen".

      Die Inszenierung ist eine Übernahme von der Oper Zürich. Regie führte Jetske
      Mijnssen. Durch die besondere Entstehungszeit im Jahre 1782 wurde eine
      besondere Orchesterbesetzung nötig. Die Neue Philharmonie Westfalen
      wird dabei von Werner Ehrhardt geleitet, ein Spezialist für alte Musik. Die
      Instrumentierung wurde ebenfalls angepasst. Viele Streicher und u. a. ein
      Hammerklavier sind ein Kompromiss, den man finden musste. Die Musik
      von Haydn klingt hervorragend. Bei dieser Konstellation im Graben arbeiten
      die Musiker zusammen, statt wie sonst nur einzelne Musiker eines
      Orchesters zu sein. Einen Chor hört man nicht, da bei Haydn es so etwas
      am Hoftheater nicht gab. Dort standen die Solisten im Mittelpunkt.

      Solistisch ist die Inszenierung ein Genuss. Orlando wird kraftvoll gesungen
      von Martin Homrich. Er verkörpert den liebestollen und eifersüchtigen
      Wüterich, der auch nicht davor zurückschreckt, eine Waffe zu ziehen. Man
      schreckt vor ihm lange Zeit zurück, bis er zur Vernunft kommt. Im Ringel-
      pietz der Liebe ist er eine wichtige Person. Auch die anderen Figuren sind
      fast alle nur auf der Suche nach der glücklichen Liebe. Wirklich finden
      können sie sie selten. Man sucht und findet mehr oder weniger das
      Gewünschte und lebt nach der Devise, dass wenn die Liebe aufhört, auch
      das Leben zu Ende ist. Die Techtelmechtel wirken schwung- und humorvoll
      dargeboten. Das Thema ist absolut modern und zeitgemäß. Wie viele Bezieh-
      ungen gehen so schnell wieder auseinander! Es war nicht nur ein Problem
      der vergangenen Jahrhunderte. Die Menschheit hat noch immer keine
      Generallösung gefunden. Auch diese Oper findet sie nicht. Das Liebes-
      karussell dreht sich immer weiter.

      Ganz besonders erwähnen muss man Penny Sofroniadou vom Opernstudio
      NRW. Dort werden junge Sängerinnen und Sänger mehrerer Bühnen ausge-
      bildet und an die große Bühne herangeführt. Sie singt sehr gut die weibliche
      Hauptpartie der Angelica, ihre erste, große Rolle. Gratulation! Viele jüngere
      Akteure wirken mit. Tobias Glagau (Pasquale) ist auch noch jüngeren
      Datums. Die Zauberin Alcina wird von Lina Hoffmann gesungen. Benjamin
      Hoffmann, Mitglied des Jungen Ensembles am MiR, gibt den Licone, den
      Kneipenbesitzer. Seine Tochter Eurilla singt Dongmin Lee. Sie lässt sich von
      Pasquale sehr geschickt und bereitwillig verführen. Alle gemeinsam bringen
      Orlando dazu, seine aggressive Grundhaltung abzulegen. Der Nachwuchs
      macht einen richtig guten Job. Sie haben merklich Spaß und Spielfreude
      auf der Bühne.

      Es macht richtig Spaß dieser Inszenierung zuzusehen. Die Bar ist der Treff-
      punkt aller Figuren. Nach der Pause werden das Licht und die Atmosphäre
      etwas kühler gedimmt. Kleine Krisen führen schnell dazu, sich in den
      Himmel zu wünschen. Die Kandidaten werden aber davon abgehalten. Ihre
      Gefühle und Wünsche werden sehr geschickt durch ihre stummen Doppel-
      gänger dargestellt. Sie sind gleich gekleidet. Eine gute Idee, um gewisse
      Aspekte darstellerisch zu vertiefen.

      Die komische Oper ist extrem kurzweilig und hochklassig dargeboten. Der
      Stoff strengt nicht an, ist nicht mythisch verworren. Selbst Menschen, die
      sonst eher weniger Opern besuchen, finden hier beste Unterhaltung.
      Alles ist griffig und bodenständig. Man findet sich in unserer Zeit wieder.
      Musik und Inszenierung harmonieren klasse.

      Datum: 19. Januar 2020,. Premiere

      musiktheater-im-revier.de