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Oper 'Orfeo|Euridice' im Aalto Theater
Mit dem Opernwerk "Orfeo|Euridice" von Christoph Willibald Gluck entführt das Aalto Theater sein Publikum sehr sehenswert in die Unterwelt. Die Inszenierung von Paul-Georg Dittrich überzeugt szenisch und gesanglich und ist eine reduzierte Form des Orpheus-Mythos.

Es geht um Orfeo (Bettina Ranch) und seine Geliebte Euridice (Giulia Montanari). Während sie in der Unterwelt weilt, versucht Orfeo sie dort zu befreien. Mit Hilfe seines Gesangs bekommt er den Zugang. Die Auflage ist allerdings, dass er Euridice nicht in die Augen sehen darf und auch nichts von diesem Verbot erwähnen darf. Besteht er die Prüfung, so können beide wieder zurück in die weltliche Realität. Natürlich führt diese Auflage zu Problemen zwischen dem Liebespaar, was sich aber letztendlich doch in den Armen liegen wird.

Die Kraft der Musik ist der Grundansatz dieses durchkomponierten Opernwerks in drei kurzen Akten. Die Natürlichkeit der menschlichen Stimme steht im Vordergrund. Mit ihr schwingt sich die Hoffnung hinauf, die die Verlusterfahrungen im Leben auffangen soll. Dass dabei die menschliche Kommunikation, auch die der Augen, thematisiert wird, erschließt sich von alleine. Der innere Monolog Orfeos steht dabei einer durchaus emanzipierten Euridice gegenüber. Sie versteht die Welt nicht mehr und bezweifelt, dass er sie noch liebt. Amor ist es letztendlich, der Regie führt und ein Happy End vollbringt. Er wird übrigens durch ein Kind dargestellt und Christina Clark leiht der Figur aus dem Hintergrund die Stimme. Die kindliche Darstellung kann man sinnbildlich als eine Auseinandersetzung mit der Kindheit, dem vermeintlichen Paradies auf Erden, deuten.

Die Unterwelt wird nicht nur besungen, sondern ebenfalls begleitend visualisiert. Zwei Tänzer, Larissa Machado und Dale Rhodes, tauchen per Video in einem Essener Schwimmbad in die Unterwasserwelt ab. Ein anders Mal werden mögliche und uns real bekannte Unterwelten eingeblendet, so z.B. die Zeche Zollverein, der Deutsche Bergbaumuseum Bochum, eine U-Bahn-Station oder das Aalto Theater, dessen reale Unterwelt räumlich riesig ist.

Eine Reise in eine andere Welt mit Einsamkeit und Isolation kann ebenfalls durch Krankheiten hervorgerufen werden. Ab und zu hat man Videobreaks eingebaut. Darin kommen Essener Neurologen zu Wort. Sie erklären die Funktion des Unterbewusstseins unserer nächtlichen Träume, sowie die Problematik eines Schlaganfalls oder das Locked-in-Syndrom. Der Mensch wird gefangen in seinem Körper, den er nicht mehr unter Kontrolle hat und aus dem er kaum ausbrechen kann.

Gesanglich ist die Inszenierung absolut überzeugend. Man verzichtet wohltuend auf Mikrofone. Selbst der Opernchor ist auf einem höheren Rang im Publikum live mit dabei, was großartig klingt. Ein Lob geht auch an die Essener Philharmoniker, unter der Leitung von Tomá Netopil. Das Orchester umfasst etwa 21 MusikerInnen, alle mit Corona-Abstand im Graben platziert. Ansonsten ist die sehr große Aalto-Bühne doch recht reduziert mit Requisiten bestückt, was den Figuren einen enormen Raum verleiht. Die Unterbühne wird einmal hoch gefahren und bespielt, was sich bei einer Unterwelt-Inszenierung sehr anbietet. Man arbeitet auch sehr geschickt mit dem Licht.

Dieses Opernwerk ist nicht nur wirklich sehr sehenswert, es spiegelt ebenfalls unsere aktuelle Zeit wieder, die eine teilweise Isolation und Abstand zu unseren Mitmenschen erfordert.

Datum: 26. September 2020, Premiere

www.theater-essen.de