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      Mit "Die Liebe zu den drei Orangen" hat das Aalto Theater zum Jahresende eine
      sehr passende Oper auf dem Spielplan. Das Werk vom Sergej Prokofjew wird
      ansonsten eher selten aufgeführt, ist aber absolut sehenswert und keine
      gewöhnliche Oper. Der weltweit an den berühmtesten Opernhäusern tätige
      Regisseur Laurant Pelly inszeniert erstmals auf einer deutschen Bühne und ist
      auch für die schönen Kostüme verantwortlich.

      Es ist eine Märchenoper ohne Mord und Todschlag, voller Hinterlist, Zauberei,
      tapferen Figuren und mit einem Happy End für fast alle Beteiligten. Sie ist sehr
      humorvoll, wunderbar surreal und voller Satire. Die Tragik wird bereits am Anfang
      abgewendet, wenn die verschiedenen Interessengruppen ihre Vorschläge für die
      Aufführung machen. Die Tragischen, die Komischen, die Lyrischen und die Hohl-
      köpfe streiten um den Stil. Recht schnell sorgen die Lächerlichen, stellvertretend
      für das Publikum, für ein klares Votum. Sie begleiten die Oper fortwährend in
      ihrer Abhandlung auf der Bühne. Kann der der kranke Erbprinz (Alexey Sayapin)
      durch Lachen geheilt werden? Die Komik im Stück ist einfach sehr gut umge-
      setzt. Das Publikum soll lachen und Spaß haben.

      "Die Liebe zu den drei Orangen" geht auf die italienische Renaissance zurück,
      hat Einflüsse aus der russischen Avantgarde und bedient den amerikanischen
      Pragmatismus. 1921 wurde sie als Auftragsarbeit in Chicago uraufgeführt. Man
      kann sie als Kampfansage an sonstige angestaubte Operntraditionen jener Zeit
      bezeichnen. Schon der Aufbau ist interessant. Sie besteht aus einer Märchen-,
      Zauber- und Theaterebene. Der Regisseur lässt alle Figuren miteinander agieren,
      egal welcher Ebene sie angehören.

      Optisch sind schon die farbenfrohen Kostüme und die Kulissen ein Augen-
      schmaus. Der König Treff (Tijl Faveyts) ist eine Märchenfigur wie aus dem
      Bilderbuch. Auch Truffaldino (Albrecht Kludszuweit) könnte optisch Walt Disney
      entsprungen sein. Gleiches gilt für den Zauberer Tschelio (Bart Driessen), die
      böse Zauberin Fata Morgana (Teiya Kasahara) oder z.B. Smeraldina (Leonie van
      Rheden). Das sind wirklich klasse Kostüme, die die vielen Sonderlinge am Leib
      tragen. Die schönen Kulissen passen sich da an. Das Grundmotiv der Haupt-
      kulisse sind stehende und liegende Spielkarten in überdimensionierter Form.
      Sie rochieren je nach Szene. Diese wechseln in der Regel in schneller Abfolge.
      Es kriechen drei bezaubernde Prinzessinnen aus drei riesigen Orangen. Zwei
      verdursten in der Wüste und die dritte rast, verzaubert als große Ratte einmal
      quer über die Bühne. Schmunzeln muss man ebenfalls über die Köchin
      (Baurzhan Anderzhanov) mit ihrer angeblich so tödlichen Suppenkelle. Sie ist
      viel harmloser als ihr Ruf.

      Die Umsetzung dieser Oper ist wirklich sehr gut gelungen, mal so ganz anders,
      als man Opern sonst kennt. Das Publikum darf auch mal lachen und schmun-
      zelnd nach Hause gehen. Der gehobene Zeigefinger der Moral bleibt aus. Alle
      Sängerinnen und Sänger sowie die Essener Philharmoniker unter der Leitung
      von Yannis Pouspourikas setzen den Stoff wunderbar um. "Die Liebe zu den
      drei Orangen" macht richtig Spaß.

      Datum: 9. Dezember 2015, weitere Termine

      aalto-musiktheater.de