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      Mit "Das Phantom vom Oppa" präsentiert der Mondpalast in Herne-Wanne
      eine höchst unterhaltsame Komödie mit einem tollen Ensemble, gesell-
      schaftskritischen Aspekten und sehr guten Ideen. Thomas Rech fungiert als
      Autor und Regisseur.

      Niemand kann diesen Oppa besser spielen als Axel Schönnenberg. Kauzig
      und schlau hat der ehemalige Oberstudienrat seine Familie fest im Griff.
      "Setzen 5", lautet seine Devise. Die Lieben möchten ihn eigentlich in die
      Seniorenresidenz abschieben. Seine ungeliebte Schwiegertochter Karin
      (Susanne Fernkorn), einer Hauptschullehrerin, hat auch schon die Leiterin
      Frau Dr. Eisenkraut (Silke Volkner) zu einem Informationsgespräch ins Haus
      bestellt. Nicht nur dieses verläuft anders als geplant. Karins Ehemann
      Thomas (Ekki Eumann) ist beim SEK und träumt von der GSG9. Er ist ver-
      liebt in seine Uniform, die er gar nicht mehr ausziehen möchte. Tochter
      Yvonne ist fast 17 und schwer verliebt in einen gut gebauten Maurer. Als was
      entpuppt er sich schließlich? Yvonne ist jedenfalls Vegetarierin und möchte
      die Galapagos-Schildkröten retten. Da beißt Papa Thomas doch gerne mal
      genussvoll in eine dicke Fleischwurst.

      Die noch nicht mal ausgebaute Souterrainwohnung spielt eine wichtige Rolle
      und scheint sehr beliebt zu sein. Zwei bunte Vögel sind besonders scharf
      drauf. Maxi und Maxi sind es auch, die das humorvolle Geschehen auf ihre
      Art und Weise portraitieren. Sie bringen noch mehr Farbe in den Alltag dieser
      krampfhaft normalen Familie, die mit einem Phantom zu kämpfen hat. Der
      Oppa hört nicht auf, ständig von einem Zwillingsbruder zu reden. Niemand
      schenkt seinen Ausführungen auch nur einen Funken Wahrheit. Ist er tat-
      sächlich verwirrt oder überrascht er seine Familie doch noch?

      Familiengeschichte kann man allerdings nicht so einfach tilgen. Was sucht
      Dr. Weinberg, herrlich gespielt von Martin Zaik, als Promi aus der Spitzen-
      politik bei den Breitscheits? Er scheint den Oppa zu kennen. Oppa kennt
      mehr Leute als man ahnt. Wer kennt wen aus der Vergangenheit und woher?
      Was hat sich vor 55 Jahren abgespielt? Geheime Dinge passieren. Wer hat
      was gesehen und gleich wieder vergessen? Ein ominöser Rucksack taucht
      auf. Was hat der Politpromi damit zu tun? Zehn Mitwisser beschließen als
      Schicksalsgemeinschaft ein Ende mit einer klugen und vorbildhaften
      Entscheidung.

      Diese Stück ist intelligent und modern inszeniert, komödiantische, krimi-
      nalistische und märchenhafte Züge inklusive. Es gibt auch Weisheiten zum
      Sacken lassen und stets anspruchsvollen Humor, keine billigen Schenkel-
      klopfer oder Betrunkene auf der Bühne. Dafür werden Problemthemen der
      Gesellschaft immer wieder eingestreut. Kritik an der Qualitätspanscherei der
      Lebensmittelindustrie, dunklen Machenschaften der politischen Entscheider
      in den Hinterzimmern, Korruption und Schwarzarbeit, Zustände in Alten-
      heimen und Seniorenresidenzen oder Minilöhne in diversen Branchen werden
      am Rande deutlich thematisiert.

      Die Story überzeugt gutem Wortwitz, sehr guten Ideen und immer wieder mit
      überraschenden Wendungen. Auch das Bühnenbild ist sehr gelungen.
      "Das Phantom vom Oppa" ist eine runde Sache, garniert mit gut ausgewählter
      Musik (kein Schlager), nie langweilig und stets niveauvoll.

      Datum: 13. Oktober 2018

      www.mondpalast.com