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      Mit dem Stück "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" setzt
      das Schauspiel Dortmund die Reihe der szenischen Grenzauslotungen fort.
      Dieses Mal wagt man sich an eine Komödie mit sehr ernstem Sozialhinter-
      grund, ein Zwitter zwischen Humor und tragischem Realdrama. Regie führte
      Gerburg Jahnke. Der Stoff stammt von Anna Basener.

      Man kann dieses Stück wirklich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen.
      Nennen wir es Komödiendrama. Hintergrund ist das Milieu der Prostitution,
      damals im Ruhrgebiet und heute in Berlin. So verschieden sind diese beiden
      Regionen gar nicht, wenn man das Stück verfolgt. Omma (Anke Zillich) war
      Wirtschaftlerin in einem Bordell in Essen. Sie kümmerte sich mit ihrem
      schönen Pott-Akzent um die Mädels und war die Mutter vom Dienst. Omma
      zeigte dem Bordellbesitzer (Kevin Wilke), wer hier das Sagen hatte. Er übte
      sich in Gewalt und sie zahlte es ihm heim. Seine Leiche verbrannte sie samt
      dem Bordell. Später zog es sie nach Berlin, in die WG ihrer Enkelin Bianca
      (Caroline Hanke) in Berlin-Kreuzberg. Die ist eine erfolglose Unterwäsche-
      Designerin. Eine wichtige Rolle spielt auch noch Mitzi (Friederike
      Tiefenbacher), eine gute Freundin der Omma und Hure. Mitzi bekommt die
      ganze Gewalt der Zuhälter ab. Das Komödiendrama nimmt seinen durchaus
      unterhaltsamen Lauf.

      Es ist ein stark feministisches Stück mit der klaren Handschrift von Gerburg
      Jahnke. Ihr Humor kommt durch. Der Mann ist das Böse, das unter jeden
      Rock schaut und nie genug bekommt, während die Frauen sich überwiegend
      in der Opferrolle sehen. Liebe, also bezahlte sowie privat unerfüllte Liebe,
      sind ein großes Thema. Privat werden alle wichtigen Figuren eher melancho-
      lisch, wenn es um gescheiterte Liebesanbandlungen geht. Immer steht die
      Frage im Raum, ab wann eine Frau eine Hure ist. Klar, wenn sie sich für Sex
      bezahlen lässt. Kann man das aber nicht auch als persönliche Freiheit
      betrachten? Die Kohle ist wichtig um zu überleben. Prostitution gibt es aber
      auch in der Ehe, Sex für die goldene Kreditkarte des Mannes im Ehebett.
      Sex muss allerdings nicht nur negativ sein. Es gibt Momente, wo die weib-
      liche Rolle, z.B. die stets korrekte Louise (Luise Kinner), nach elf Monaten
      mal wieder beglückt werden möchte. Der Polizist Bernhard (Jens Kipper) ist
      natürlich zur Stelle. Er lässt nichts aus, was weiblich ist und zwei Beine hat.
      Die echte große Liebe bleibt ihr versagt. Bernhards Nummer mit Bianca ist
      sehr humorvoll dargestellt. Fußballbegriffe und Sex haben doch so viel
      gemeinsam. Das Gesamtgebilde ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Alle
      Figuren ziehen irgendwie ihr Ding durch, nur Omma hält den Laden
      zusammen, versucht es zumindest so gut es geht. Sie ist die zentrale Rolle
      im Stück und sehr gut dargestellt.

      Das Stück überzeugt durch gute schauspielerische Leistungen, ein abwechs-
      lungsreiches Bühnenbild und schöne Kostüme (Michael Sieberock-
      Serafimowitsch). Gesungen wird sehr gut. Jeder Hauptpart hat seinen Song
      (Komposition: Tommy Finke), in der Regel mit viel Szenenapplaus bedacht.
      Welche Note man persönlich als dominant betrachtet, ist von Besucher zu
      Besucher verschieden. Sieht man eher das humorvoll präsentierte Sozial-
      drama oder die dramatisierte Komödie? Das Schauspiel Dortmund begeht
      mal wieder spannende neue Wege.

      Datum: 21. Februar 2019

      www.theaterdo.de