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      Mit "Old, New, Borrowed, Blue" bringt das Musiktheater im Revier (MiR) in
      Gelsenkirchen einen stilistisch sehr vielfältigen Ballettabend auf die Bühne, der
      nicht nur mit großen Namen von Choreografen glänzte, sondern auch mit klasse
      Darbietungen glänzte.

      Wie man auf der Premierenfeier erleben konnte, harmoniert die Ballettcompagnie
      unter der Leitung von Bridget Breiner sehr harmonisch. Spannend war es noch
      aus einem anderen Grund. Generalintendant Michael Schulz berichtete davon,
      dass die Generalprobe eine echte war, mit einigen Pannen. Davon war bei der
      Premiere nichts zu merken. Hochkonzentriert gingen alle Beteiligten ans Werk.
      Zu sehen waren Werke von David Dawson, Uwe Scholz, Bridget Breiner und Jirí
      Kylián.

      Jeder der Tänzer durfte mehrfach ran. So konnte jeder in seiner Rolle glänzen,
      ob als Gruppe, als Pas de Deux oder als Solo. Den Anfang machte "A Sweet
      Spell of Oblivion" von David Dawson. Es drehte sich um die kurzen Momente
      von Vergangenheit, Gegenwart und Traumsequenzen, kurz gesagt um das
      Mensch sein. Wie ein Zeitschlund mit dunklem Loch kam die Bühne daher. Das
      Licht wechselte allmählich von hell nach dunkel-orange. Francesca Berruto und
      Ledian Soto boten ein schönes Pas de Deux, während Hitomi Kuhara solo ihr
      Können zeigen durfte. Poetisch-elegant wusste die Choreografie zu überzeugen.

      "Jeunhomme-Klavierkonzert" (1986) von Uwe Scholz kam schwebend daher. Vor
      dem Bühnenbild einer Partitur zeigten Lucia Solari und Carlos Contreras eine
      relativ kurze, überwiegend melancholische und sehr sehenswerte Darbietung zu
      Klavierklängen von Mozart.

      Spannend und geheimnisvoll wurde es bei "In Honour of" von Bridget Breiner.
      Ein rollender Scheinwerfer war die einzige Requisite auf der Bühne. So wurde
      das Bühnenlicht auf ein Objekt konzentriert. Ohne es steht jeder Tänzer grund-
      sätzlich in Dunklen. Es ging darum, die Künstler zu ehren, die all die Jahre
      zuvor bereits gewirkt haben. Inspiration, Bewusstsein, Körper und Geist
      gehören unabdingbar auf der Bühne dazu. Francesca Berruto, Valentin Juteau
      und Ledian Soto spielten mit dieser Lichtquelle außerordentlich gut. Besonders
      die eindrucksvollen Anfangs- und Schlussszenen (Ledian Soto und Francesca
      Berruto) symbolisierten beispielhaft das Leben eines Tänzers im Rampenlicht.

      Zum Abschluss gab es "Indigo Rose" von Jirí Kylián zu bewundern. Thematisch
      dreht es sich und das manchmal schwierige Erwachsenwerden. Es ist eine
      wilde Zeit, die auch Enttäuschungen parat hat. Liebe und Träume spielen eine
      große Rolle. Alles verändert sich ständig und rasant. Genauso ist das Stück
      angelegt, mal schnell und sehr dynamisch, aber auch nachdenklich. Typische
      Attitüden junger Menschen wurden gut erkennbar dargestellt. Ein weißes
      Segeltuch, diagonal auf der Bühne gespannt, ermöglichten Spannungsmomente
      durch ein schönes Schattenspiel. Ein Film über die Veränderbarkeit mittels
      Portraits der beteiligten Akteure setzte den Schlusspunkt, während die Tänzer
      währenddessen erstarrten. Was bringt die Zukunft?

      Das Ballett im MiR zeigte an diesem Abend die ganze Bandbreit seines
      Könnens. Die physischen Leistungen gilt es sehr zu würdigen. Man merkte der
      Compagnie den Spaß am Tanz an. Wann darf man schon mal Stücke von so
      vielen bemerkenswerten Choreografen an einem Abend tänzerisch umsetzen!

      Datum: 25. November 2017 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de