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Online-Live-Stream zum Schauspiel 'Ödipus, Herrscher' im Schauspielhaus Bochum
Während die Türen des Schauspielhauses in Bochum für Besucher verschlossen sein müssen, gehen drinnen die Proben weiter. "Ödipus, Herrscher" heißt eines der nächsten Stücke, das wieder live vor Publikum gezeigt werden soll. Mittels eines Live-Online-Streams, in Form einer Lesung, bekamen Interessierte einen sehr spannenden Einblick in den Stand der Proben auf der Hauptbühne.

Das Stück war die Idee des Ensemblemitglieds Elsie de Brauw. Sie wirkt ebenso als Schauspielerin mit. Die Regie hat Intendant Johan Simons übernommen. Geboten wurde zwei Stunden lang eine intensive Auseinansetzung mit dieser griechischen Tragödie mit dramatischen Folgen für die Hauptfiguren. Kurz zur Geschichte. Ödipus wird von seinen Eltern Laios und Iokaste als Baby verstoßen. Ein Orakel sagte vorher, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde. Doch er überlebt bei Pflegeeltern in seinem Exil und geht von dort auf Wanderschaft. Unterwegs tötet er mehrere ihm unbekannte Männer, darunter auch seinen leiblichen Vater, den König von Theben. In der alten Heimat angekommen heiratet er seine Mutter, die Königin von Theben, ohne zu wissen wer sie tatsächlich ist. Dort hört er von dem schrecklichen Verbrechen an ihrem Ex-Mann. Ödipus möchte wissen, wer dieser Mörder ist und auch vom Fluch des Orakels. Langsam dämmert es ihm. Er treibt die Nachforschungen voran und erkennt sich selbst als den Mörder. Daraufhin sticht er sich selbst die Augen aus und geht ins Exil. Iokaste nimmt sich das Leben. Zur selben Zeit wütet in Theben die Pest, die zahlreiche Tote fordert.

Die Proben-Lesung fand auf der Hauptbühne statt, komplett in Kostümen, die vielversprechend wirken. Auf dem orange-roten Boden saßen die Akteure an Tischen. Sie hatten ihre Textbücher dabei, denn alle Texte beherrschen sie noch nicht auswendig. Man ist mitten im Probenprozess. Trotzdem wirkte es schon ziemlich spannend. Der Charakter des Stücks wurde sehr deutlich. Die Akteure haben sich mit ihren Rollen schon vertraut gemacht. Pierre Bokma, Elsie de Brauw, Stefan Hunstein, Marius Huth, Risto Kübar, Sarah Moeschler, Steven Scharf, Mieko Suzuki und Lukas Tobiassen wurden dabei von den Kameras oft sehr nah eingefangen, manchmal nur als Gesicht mit allen Gesichtszügen und Lebenslinien. So intensiv erlebt man Schauspieler im Theater eher selten. Dabei merkte man auch, dass sie an ihren Rollen noch arbeiten, sie hinterfragen. Die starken Emotionen blieben noch hinter der Fassade. Trotzdem kann man sich vor wie in Gerichtsprozess, wo Ödipus als Richter seine Mitmenschen befragt, um den Täter zu suchen, um schlussendlich sich selbst zu erkennen. Niemand kann seinem Lebenslauf entgehen. Viele laufen sehenden Auges in ihr Schicksal, weil sie es fürchten. An dieser Aussage des Stücks ist häufig viel Wahres dran.

Anzuführen ist noch der Soundtrack zum Stück, der live durch eine physikalisch-technische Art und Weise spannend erzeugt wird.

Der Appetithappen machte jedenfalls schon mal richtig Lust auf echtes Live-Theater. Man hofft das Stück möglichst bald im Schauspielhaus präsentieren zu können.

Datum: 14. Januar 2021

www.schauspielhausbochum.de