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      Mit "Ich war noch niemals in New York" ist im Colosseum Essen ein richtig
      rundes Musical zu erleben, das drei Generationen begeistert. Die Songs von
      Udo Jürgens sind absolute Dauerbrenner, szenisch sehr gut und variabel
      umgesetzt. Welten treffen hier aufeinander, was den Stoff so unterhaltsam
      und humorvoll, aber auch teils ernst und nachdenklich macht. Stehende
      Ovationen waren am Ende selbstverständlich.

      Michael Reed hat die Songs in einem modernen Kleid umarrangiert und die
      Harmonien erweitert, an denen sich die Darsteller austoben können. Ob "Aber
      bitte mit Sahne", "Bleib doch bis zum Frühstück", "Ein ehrenwertes Haus",
      "Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff", "17 Jahr", "Griechischer Wein" oder
      "Merci Cherie" kann jeder mitsummen. 20 mehr oder weniger bekannte Songs
      sind es insgesamt. Sie werden klasse in die turbulente Geschichte eingewoben.
      Ein szenischer und musikalischer Höhepunkt ist sicher "Schöne Grüße aus der
      Hölle" kurz vor der Pause, ein eher unbekannter Titel, mit vielen kleinen
      Teufelchen auf der Bühne. Natürlich darf der Titelsong nicht fehlen und ein
      Medley der großen Hits verabschiedet die Besucher schwungvoll nach Hause.
      Die Live-Band, und ist sie noch so klein, macht einen guten Job.

      Die Auswahl der Darsteller ist gelungen, selbst die sogenannten Zweitbesetz-
      ungen, die man hier eigentlich als "1b" bezeichnen sollte. Schon mit dem ersten
      Auftreten besticht Uli Scherbel als "Freddy", indem er als ein Teil des schwulen
      Paars sofort das Publikum mitnimmt. Er ist der Sonnyboy schlechthin. Sein
      Partner Gianni Meurer als "Costa" überzeugt charmant mit seinem griechischen
      Akzent. Karim Khawatmi mimt den Wildtierfotografen "Axel" mit großer Aus-
      strahlung und Können. Eigentlich nur 1b, aber sehr überzeugend agiert Ann
      Mandrella als "Lisa Wartberg". Die Entwicklung der kalten und unnahbaren Lisa
      zur sympathischen und liebenden Lisa stellt sie wunderbar dar und besitzt
      obendrein eine ziemlich gute Stimme.

      Immer rührend sind die Auftritte der beiden Alten. Rosemarie Wohnbauer als
      "Maria" und Peter-Uwe Witt als "Otto" mahnen stets, die Alten nicht zu ver-
      gessen. Da steckt noch jede Menge Feuer drin. Die 80 ist die neue 60. Sie
      tragen das Musical in einen sehr aktuellen Kontext und sind, neben den beiden
      netten Schwulen, die heimlichen Publikumslieblinge. Florian ist altersmäßig das
      Gegenteil. Das Kind hat auf der Bühne nicht nur sehr viel Anwesenheit und Text,
      sondern muss auch singen. Direkt nach der Pause mischt es das Sonnendeck
      mit "66 Jahren" so richtig auf. Es war eine tolle Leistung von Leif, neun Jahre
      jung aus Wesel, vor vollem Haus, sein sehr wahrscheinlich erster Auftritt auf so
      einer großen Bühne vor Publikum. Dialoge mit witziger Schlagfertigkeit und ein
      sehr wandelbares und schönes Bühnenbild runden die Aufführung wunderbar ab.

      Der Wechsel vom festen Spielort zum kompakten Tourneemusical ist gelungen,
      ein guter Schritt. Wer es im weitläufigen Metronom Theater in Oberhausen
      damals bereits gesehen hat, der muss feststellen, dass es in Essen besser
      ankommt, weil man als Zuschauer deutlich näher am Geschehen ist und die
      Details viel besser mitbekommt, selbst im hinteren Bereich auf den günstigeren
      Plätzen.

      Laufzeit: 4. November bis 11. Dezember 2016 im Colosseum Theater Essen

      www.semmel.de