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      Mit "The Nutcracker Reloaded" präsentiert Semmel Concerts eine wahrhaft
      mutige, sehr außergewöhnliche, hochklassige und wohltuend kreative Show mit
      viel gutem Humor. Der alte Nussknacker wird als Ballett in seine Teile zerlegt
      und neu zusammengesetzt. Für die Choreografie ist Fredrik Rydman verant-
      wortlich. Sehr gelungen!

      Wer von Ballett nichts versteht, der ist hier genauso richtig wie alte Balletthasen.
      Ein schwedischer Schauspieler (Jörgen Thorson) führt sehr humorvoll und mit
      landestypischem Akzent durch die Show und erklärt die Handlung auf seine
      eigene Art, mit Slapstick und bester Comedy. Er findet ernste Töne, wenn es
      um obdachlose Kinder auf der Straße geht, erklärt witzig Tanzbewegungen und
      kann aber auch sehr unterhaltsam moderieren. Dabei verliert das zeitgenös-
      sische Ballett nicht einen Zacken aus der Krone und jeder versteht es.

      Es ist die Geschichte der obdachlosen Kinder, die davon träumen einmal ein
      besseres Leben zu führen. Jedes Kind braucht eine Mama, auch Flüchtlings-
      kinder. Politische Gesellschaftsprozesse werden inhaltlich eingewebt. Der
      skrupellose Organhändler Drosselmeyer ist hinter Clara her. Er will ihr Herz
      verpflanzen. Der Prinz ist in dieser Verfassung eher ein R&B-Looser mit
      Holzbeinen, ein echter Anti-Held, der ihr nicht helfen kann. In der Not stehen
      Clara dann eher Superhelden wie Super Mario oder Darth Vader bei, die
      Drosselmeyer von seinem Wunsch abhalten. Die sehr farbige und immer
      abwechslungsreiche Ballettrevue nimmt ihren Lauf.

      Absolut klasse ist das Bühnenbild. Alles beginnt in einem Krankenhaus,
      natürlich aus der projizierten Denkenansicht von oben. Es ist die Welt durch die
      Kinderaugen Claras mit vielen Projektionen, Lichtstimmungen und dem grandi-
      osen Spiel mit dem Vorhang. Quer- und hochformatig lassen sich durch das
      geschickte Verschieben von zwei hintereinander liegenden Vorhängen verschie-
      dene Einblicke als Fenster fließend auf die Bühne zaubern. Darauf muss man
      erst einmal kommen. Die Müllkippe als Ort ist ein Stahlgerüst mit schrägen
      Kuben, das auch die tänzerische Kreativität unterstützt. Nach dem anfänglich
      schönen Spiel mit Schnee und Eis schweben hier plötzlich weiße Mülltüten von
      oben auf die Bühne. So elegant kann Plastik die Bühne schmücken. Das
      Kinderelend in vielen Ländern der Erde sieht ähnlich aus, nur nicht so elegant.

      Klasse sind die 3-D-Projektionen, z.B. visuelle Boxen, in denen sich ein Tänzer
      je nach Drehung der Box bewegt. Da passt jede Bewegung. Geht die Reise
      nach London, New York oder Peking, natürlich per Mini-Flieger auch über den
      Köpfen der Zuschauer, werden Teatime, das amerikanische Show-Business à la
      Sinatra oder der Glückskeks auf dem Kopf nicht vergessen, ohne dabei zu
      klischeehaft oder kitschig zu wirken. Selbst der Bühnenhintergrund tanzt mit.
      Dabei versprühen die 20 bis 25-jährigen Akteure ganz viel Dynamik, tänzerische
      Klasse und Feuer. Man merkt ihnen den Spaß auf der Bühne an. Wenn die
      Ratten in ihren tollen Kostümen tanzen, sind es echte Hingucker. Der Street-
      dance oder der zeitgenössische Ballettstil stehen dem aber in Nichts nach. Am
      Ende gibt es sogar noch einen Moment lang klassisches Ballett, ganz in Weiß
      und mit Augenzwinkern. Fünf Minuten Pause für die Tänzer gibt es zwischen-
      durch auch mal, allerdings in Trainingsklamotten vor dem Vorhang und dem
      Publikum mit einer Comedy-Einlage von Jörgen Thorson. Auch die Idee ist neu.

      Eine solche Revolution von Ballettshow benötigt die passende Musik. Manche
      Teile stammen klassisch von Piotr Tjajkowskij. Andere werden modern mit
      diversen Rhythmen gemischt und einige Songs sind komplett neu komponiert.
      Insgesamt herausgekommen ist ein klasse Soundtrack aus klassischen Tönen,
      R&B, HipHop, US-Entertainment der 60er, asiatischen Tönen oder vielen
      elektronischen Beats.

      Diese Ballettshow ist in jeder Hinsicht der positive Wahnsinn. Der klassische
      "Nussknacker" wurde herrlich unterhaltsam in die gesellschaftliche und poli-
      tische Wirklichkeit versetzt. So viel Kreativität und Klasse wurde natürlich mit
      stehenden Ovationen belohnt.

      Laufzeit: 16. bis 21. Januar 2018, Capitol Theater Düsseldorf, weitere Stationen

      www.semmel.de