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      Einen erfrischend modernen Klassiker des Balletts zeigt klasse das Musik-
      theater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen. "Ein Nussknacker-Traum" ist her-
      vorragend von Benvindo Fonceca choreographiert. Er findet die szenische
      Brücke in die Neuzeit, voll mit Fantasie und hochklassigen Tanzdarbietungen.

      Ein gelungenes Ballett hat viele Komponenten. Diese Geschichte des
      Nussknackers ist vielen bekannt. Oftmals wird sie jedoch etwas zu klassisch
      und angestaubt dargeboten. Im MiR ist die Geschichte noch immer gut
      nachvollziehbar, aber klassisch dargestellt sind eigentlich nur ansatzweise
      die Holzfigur des Nussknackers und der Tanzstil der wunderbaren Zuckerfee       (Tessa Vanheusden). Ansonsten wurde alles mit einem modernen Gewand
      überzogen, wobei das Bühnenbild (Jürgen Kirner) und die Kostüme (Thomas
      Lempertz) nicht nur absolut gelungen sind, sondern auch herrlich harmo-
      nieren. Tolle Mäuse kommen aus allen Ecken.

      Die exzellente Ballettkompanie des MiR zeichnet stets dadurch aus, dass es
      kaum ausgeprägte Hierarchien gibt. Eine offizielle Primaballerina wird nicht
      benannt. Auch in dieser Choreografie darf jeder sich in Pose bringen und mit
      seinem tänzerischen Können glänzen. Es ist nicht zu übersehen, dass die
      70 Minuten absoluter Hochleistungsspitzensport künstlerischer Art sind. Da
      man im kleinen Haus ganz nah dran ist, bekommt man die Atmung und den
      Schweiß mit. Nur bei Francesca Berruto, die auch das klasse Schnee-
      flocken Pas de deux mit Ledian Soto tanzt, sind die Schweißdrüsen trotz
      großer Anstrengung scheinbar verschlossen. Beide hatten letzte Spielzeit
      schon die Ehre Romeo und Julia tanzen zu dürfen. Tänzerisch möchte man
      eigentlich niemanden groß herausheben. Klara wird von gleich drei Tänzer-
      innen verkörpert: Sara Zinna, Francesca Berruto und Lucia Solari. Eine sehr
      gute Idee. Gleiches gilt auch für den Nussknacker, bzw. den Prinzen: Ledian
      Soto, José Urrutia und Paul Calderone. Der Spanische Tanz wird von Paul
      Calderone exzellent verkörpert. Okzident trifft Orient durch den Flamenco.
      Was man mit Röcken kreativ leisten kann, lässt sich bei den getanzten
      Schneeflocken klasse erleben. Das gemeinsam getanzte Finale ist ebenfalls
      ein Hingucker.

      Musikalisch ist es eine sehr gute Mischung aus großen Kompositionen von
      Peter I. Tschaikowski und moderneren Klängen. Folkloristische Einflüsse
      sind bei den Weltthemen im Stück nicht zu überhören und sehr passend
      ausgewählt. Insgesamt wirkt die Musikkollage sehr rhythmisch und
      temperamentvoll.

      Am Ende wechselt die gelungene Projektion zu fotografierten Weltbildern
      von Menschen und Kulturen, eine bunte und friedliche Welt, die eigentlich
      gar nicht so schwierig zu erreichen wäre. Dieses Ballett ist beste Unter-
      haltung für alle Tanzmäuse ab 8 und natürlich auch für alle reifen Ballett-
      freunde, also Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel.

      Datum: 17. November 2018

      musiktheater-im-revier.de