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      Die "night of the proms" 2019 ist unterwegs. Am 1. Advent erlebten die Fans
      in der Arena Oberhausen eine sehr gelungene Show mit großen Künstlern
      und einer guten Atmosphäre.

      Alles fing schon vorher gut an. Ungewöhnlich entspannte Sicherheitskontrol-
      len vor der Arena, schöne klassische Musik zum Vorglühen und ein kurzer
      Rückblick auf die Tourneen mit Ausschnitten seit 1985 ließen Vorfreude
      aufkommen. Das überzeugende Antwerp Philharmonic Orchestra, unter der
      Leitung der temperamentvollen Brasilianerin Alexandra Arrieche, konnte mit
      der Ouvertüre "Funiculli, Funiculla" aus dem Figaro loslegen, der schöne
      Chor "Fine Fleur" inklusive. Der Auftakt vermittelte die richtige Stimmung,
      eine Mischung aus lauten Tönen und feinen Darbietungen. Es entwickelte
      sich ein Abend, der den Spagat zwischen klassischer Musik sowie gelung-
      ene Pop- und Rockelementen wunderbar ausbalancierte. Klassik und Rock,
      das ging an diesem Abend klasse und stilvoll zusammen. Oft waren es gute
      musikalische Momente, denen man gerne zuhörte, ohne gleich in einen
      Klatschmarathon á la Oktoberfest zu verfallen, wie sonst öfter mal bei der
      "night of the proms". Der vorzügliche Moderator Marcus Fahn, ein echter
      Traumschwiegersohn, musste sogar das Publikum hier und da auffordern
      aufzustehen. Oft mochte man den schönen Tönen einfach nur lauschen und
      genießen. Manch ein Zuschauer wird allerdings eher eine opulente Party als
      Erwartungshaltung im Kopf gehabt haben.

      Ohne das klasse Antwerp Philharmonic Orchestra wäre so ein Abend un-
      denkbar. Sie entführten die Besucher massentauglich in den "Schwanensee",
      zur russischen "Kalinka", zu "Nessun Dorma", durch den "Bolero" oder zu
      Carmina Buranas "O Fortuna". Die Melodien waren den anwesenden Ohren
      bestens bekannt. Teilweise wurden sie durch die Tanzformation "Let's get
      urban" zeitgenössisch begleitet. Hier saß eben ein Publikum, das überwie-
      gend eher weniger ein reines Opernhaus besucht. Diesbezüglich war die
      Auswahl gelungen. Spaß hatten alle auch mit den klassischen Darbietungen
      der großartigen Opernsängerin Natalie Choquette. Ihre Gesangspartien sind
      oft mit einer sehr sympathischen Komik unterlegt. So verkauft man einem
      Massenpublikum unterhaltsam die Klassik. Ihr "Ave Maria" kam später sehr
      überzeugend ganz ohne Komik aus. Hinzu kam, dass sie sich kurz vor
      Tourstart den Fuß gebrochen hatte und sich auf einem Bürostuhl rollend
      über die Bühne bewegte. Die Sympathien waren ihr schon deswegen sicher.

      Als deutscher Part war Leslie Clio auf der Bühne. Sie gehört nicht zum
      reinen Mainstream, wie z.B. ein Mark Forster. Genau deshalb konnte sie mit
      ihren eigenen, englisch gesungenen Songs voll überzeugen. Ihr ganz eigener
      Stil war erfrischend anders. Songs wie "My heart ain't broken", "Be with you"
      und "Couldn't care less" machten Spaß zuzuhören. Ihr tolles Duett "Time
      after time", mit Eric Bazilian & Rob Hyman of THE HOOTERS, war vorzüg-
      lich. Rob Hyman schrieb es damals für Cyndi Lauper. Leslie Clio ist eine
      wirklich spannende Musikerin.

      Die Abordnung der Hooters gehörte sicher zu den Gästen, auf die sich die
      meisten Besucher lange gefreut hatten. Sie wurden nicht enttäuscht.
      Große Songs wie "All You Zombies", "One Of Us", "Johnny B." gehörten zu
      den Höhepunkten des Konzerts. Ihre Welthits aus den 80ern klingen noch
      immer zeitlos schön. Der Sound, begleitet von Orchester und der NOTP-
      Band, kam klasse rüber. Ihre Flöte als Intro war Gänsehaut pur, einer der
      ganz feinen Momente des Abends.

      Al McKay's Earth Wind & Fire Experience brachte den Groove der 70er
      und 80er in die Halle. "Let's groove tonight", "September" und "Boogie
      wonderland" waren den jüngeren Besuchern wohl eher unbekannt, aber trotz-
      dem gut dargeboten.

      Natürlich warteten alle auf Alan Parsons, der schon mit den Beatles und am
      Album "The dark side of the moon" von Pink Floyd in jungen Jahren im
      Hintergrund mitgearbeitet hat. Auch auf den Bühnen hinterließ er zahlreiche
      Fußabdrücke. "Eye in the sky", sein neuer Song "One note symphony",
      "Don't answer me" und "Games people play" waren großartige Momente des
      Abends. Hier stand ein bedeutendes Stück Musikgeschichte auf der Bühne,
      das man, ähnlich wie Hooters, so oft live nicht zu hören bekommt.

      Was wäre eine NOTP ohne John Miles. Bei all den sehr guten Gästen ließ er
      sich es nicht nehmen, auch vorzüglich ins Rampenlicht zu treten. "Bohemian
      Rhapsody" ist ein Song, den man immer hören kann, wenn er es so wunder-
      bar darbietet, wie an diesem Abend, mit Orchester und Chor. Seine Hymne
      "Music" zählte mal wieder zu Höhepunkten des Abends. Am Ende intonierten
      alle zusammen "All you need is love", was für ein schöner und wahrer
      Schlussakkord.

      Die NOTP-Planungen laufen bereits für die nächsten Jahre. Da 2022 im
      Dezember zeitgleich die Fußball-WM in Katar ausgetragen wird überlegt
      man, ob man die NOTP einen Monat vorzieht. Die Frage ins Publikum
      erzeugte schon beim Wort "Katar" laute Buhrufe. Eine WM in einem
      Menschenrechte mit Füßen tretenden Staat braucht niemand. Die FIFA hat
      durch einige Korruptionsskandale auch in Oberhausen jede Menge Respekt
      verloren.

      Es war ein klasse Abend mit tollen Künstlern, einer eher klassisch-rockigen
      Note und guter Stimmung. Ein besonderes Lob gilt der Lichttechnik. Das
      Licht war fantastisch konzipiert, phasenweise sogar magisch. Die NOTP
      hat eine positive Entwicklung zu einer sehr stilvollen Veranstaltung
      genommen.

      Datum: 1. Dezember 2019, Arena Oberhausen

      notp.com