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      Wenn am Ende minutenlang stehend applaudiert wird, dann muss es im Theater
      Oberhausen ein ganz besonderes Theaterstück gewesen sein. "Moi non plus"
      von Albert Ostermeier und in der Hauptrolle besetzt mit dem wunderbaren
      Dominique Horwitz war eine glanzvolle Premiere mit lauter freudestrahlenden
      Gesichtern. "Moi non plus" ist eine Gemeinschaftsproduktion mit den Ruhrfest-
      spielen Recklinghausen. Regie führte der Oberhausener Theaterintendant Peter
      Carp.

      Wie tief Lebensabgründe sein können, das zeigt das Stück sehr eindrucksvoll
      am Beispiel des französischen Poeten und Musikers Serge Gainsbourg. In
      seiner Heimat ist er auch lange Jahre nach seinem Tod ein Volksheld.
      "Je t'aime - moi non plus" war 1969 sein erster großer Hit. Doch es gab noch
      viele andere Songs, die Serge erdacht hat. Dabei hat er Wörter gedacht und
      wollte eigentlich keine Musik machen. Die Aufführung ist deswegen auch eine       musikalische Biografie, eingebettet in ein Theaterstück, ein Seelendrama
      inmitten eines Tonstudios.

      Dominique Horwitz verkörpert die Hauptrolle des Serge. Ein oben offenes weißes
      Hemd, eine schwarze Lederhose und weiße Schuhe, der Tod sieht anders aus.
      Serge ist sich bereits am Anfang bewusst, dass sein Leben morgen zu Ende
      sein kann. So sehr hat er sich selbst mit Alkohol und Zigaretten zu Grunde
      gerichtet. Sehen kann er kaum noch und das Raucherbein lässt er sich nicht
      abnehmen. Er humpelt lieber. Serge weiß, dass die Nation ihn trotzdem liebt
      und er nach seinem Tod auf allen Titelseiten abgebildet sein wird. Er blickt der
      Realität direkt ins Auge und belügt sich doch. Es geht doch noch. Doch mit
      der Zeit wird es immer schlimmer. Er baut mehr und mehr ab, trägt zwischen-
      durch sogar Frauenklamotten. Serge wirkt aufgeschwemmt und seine Augen
      sind wässrig. Nach der Liebe zu Brigitte Bardot folgte eine lange Liebelei mit
      Jane Birkin, die ihn aber an Ende nicht mehr erträgt. Sein Haus war wie ein
      Grab, ganz schwarz von innen. Sie sieht Rot und bringt ihm nur noch das
      Essen, damit er nicht nur trinkt.

      Die Aufführung ist allerdings keine reine Ein-Mann-Geschichte des großartigen
      Dominique Horwitz als Serge. Da ist Jim (Jürgen Sarkiss), der mit Julie (Lise
      Wolle) ihm ein paar Songs im Tonstudio vortragen soll. Während Jim sehr gut
      als Schatten von Serge agiert, schlüpft Julie ebenso gekonnt in alle weiblichen
      Rollen, also Brigitte Bardot, Jane Birkin und noch ein paar andere. Beide singen
      zum Teil auch seine Songs, während Serge dann stumm im Hintergrund wirkt.
      Das Stück blickt in kurzen Zeitsprüngen auf wichtige Lebensphasen zurück und
      agiert in der Gegenwart. Die Interviews von Philippe (Hartmut Stanke) mit Serge
      sind großartig und bringen die Dinge sensationell auf den Punkt. Sie zeigen die
      Zerbrechlichkeit, die Arroganz, den Egoismus, die Unsicherheiten oder die
      Ängste, die Serge verkörpert sehr eindrucksvoll. Da hört man eine Stecknadel
      im Saal fallen.

      Positiv erwähnt werden muss natürlich auch die richtig gute Live-Band um Hans
      Platzgumer und Peter Engelhardt, sowie die tollen Kostüme von Gertrud Rindler-
      Schantl.

      Bei all den sonst oft sehr guten Stücken wird "Moi non plus" sicher ein Glanz-
      stück in der Geschichte des Hauses sein. Wie gut, dass Dominique Horwitz
      Tochter, ebenfalls eine Schauspielerin, ihm im Vorfeld einen guten Tipp gab.
      "Oberhausen ist cool Papa. Da musst du hin." Auch in der Ruhr-Provinz brillierte
      er mit all seinem Können, als Schauspieler und als Sänger. Die Rolle des
      Serge ist einem Charakterdarsteller wie ihm wie auf den Leib geschrieben, was
      sie tatsächlich von Albert Ostermeier auch ist.

      Falls es noch Restkarten gibt, man sollte es sich nicht entgehen lassen. Bei
      den Ruhrfestspielen Recklinghausen wird "Moi non plus" mit Dominique
      Horwitz dieses Jahr ebenfalls im Programm sein.

      www.theater-oberhausen.de
      www.ruhrfestspiele.de

      Datum: 4. September 2015 (Theater Oberhausen)