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Probenbesuch bei der Oper 'Giulio Caesar' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Trotz der Pandemie laufen die Planungen im Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen weiter. Man arbeitet an vier Projekten um startbereit zu sein, wenn es wieder live und vor Ort los geht. Ein Probenbesuch bei der Oper „Giulio Cesare“ von Georg Friedrich Händel brachte erste spannende Einblicke. Die Regie führt der Generalintendant persönlich, Michael Schulz.

Es ist eine Oper mit besonderen Momenten. Cäsar regiert ein Riesenreich, doch das Herz von Cleopatra zu erobern, das ist keine einfache Herausforderung. Ständig lauert zudem der Verrat an allen Ecken. Als mächtiger Politiker und zugleich als Liebhaber hat er es nicht leicht. Die Handlung kommt dramatisch und barock daher. Händel hatte schon damals gute Sänger zur Hand. Er war ein echter Opernkomponist, der für die Bühne schrieb. So kam ein Stoff dabei heraus, der locker viereinhalb Stunden lang ist. Das möchte man den Zuschauern jedoch nicht zumuten. Zwei Stunden Spiellänge sind anvisiert, was einige Kürzungen und Kniffe zur Folge hat.

Das Libretto stammt von Nicola Francesco Haym, ein Deutscher, der in England Karriere machte. Er war ein Universalgelehrter, der u. a. auch komponierte. Ein wichtiger Aspekt der Inszenierung ist es, ihn (Klaus Brantzen) als Erzähler in das besondere Konzept einzubinden. So wird die Handlung beschleunigt und bleibt trotzdem klar verständlich. Er führt als Bühnenfigur durch das Stück. Natürlich achtet man darauf, dass alle Szenen der Pandemie gerecht werden, also mit Abstand. Trotzdem verspricht man schon jetzt einen opulenten Abend mit tollen, farbigen Kostümen und einem aufwendigen Bühnenbild. Es wird humoristisch und kann auch mal etwas comichaft oder exotisch wirken, eine Erfrischung vom grauen Alltag. Definitiv braucht man aber wegen der Hygieneabstände mehr Bühnenraum, der vorhanden ist.

Musikalisch ist diese Oper ein Hörgenuss, zumindest der präsentierte erste Akt, den die Neue Philharmonie Westfalen, unter der Leitung des großartigen Giuliano Betta, herrlich darbot. Es klingt wirklich barock, auch wenn man moderne Instrumente einsetzt. Giuliano Betta hat diesbezüglich viele Ideen entwickelt. Man spürt die Lebensfreude in den Tonfolgen, Dramatik inklusive. Als SolistInnen treten überwiegend junge Stimmen auf. Sie stammen aus dem Opernstudio sowie aus den eigenen Ensemble und dem Nachwuchspool am MiR. Mit Bele Kumberger und Almut Herbst sind zwei erfahrene Solistinnen mit dabei. Die Hauptpartie des Giulio Cesare übernimmt die junge Rina Hirayama. In der Durchlaufprobe konnte sie gesanglich überzeugen.

Aktuell ist das Proben jedes Mal noch eine Herausforderung, da die Werkstätten in Kurzarbeit sind. So hat man nie alle originalen Requisiten oder Bühnenbilder zur Hand. Die Abstimmung zwischen allen Gewerken ist aktuell schwierig. Trotzdem laufen die Proben weiter, denn man möchte da sein, wenn man wieder darf. Es ist für alle Mitarbeiter am Haus ein Zustand, der sehr schwer zu ertragen ist. Man ist es gewohnt unter Druck auf einen Premierentermin hin zu arbeiten und hat sehr gute Hygienekonzepte entwickelt. Diese Maßnahmen werden sogar von der Stadt Gelsenkirchen als sehr praktikabel anerkannt und unterstützt. Von Seiten der Kommune könnte man durchaus vor Publikum spielen, aber leider denken die Landesregierung NRW mit Herrn Laschet und die in Corona-Fragen völlig überfordert wirkende Bundesregierung um Merkel und Spahn wenig hoffnungsvoll. Man handelt wenig differenziert und kaum nachvollziehbar. Ein Theaterbesuch unter vernünftigen Maßgaben oder der Urlaub im Ferienhaus im Sauerland sind nicht möglich, während der Profifußball international rollen darf und Reisen nach Mallorca erlaubt sind. Na bravo, für so viel stetige Inkompetenz. Falls die politischen Kreise auf Landes- und Bundesebene weiterhin so wenig Augenmaß besitzen, plant man notgedrungen noch diese Spielzeit einen Live-Stream der Oper im Web. Gleiches gilt für weitere Projekte wie das Musical „Avenue Q“ sowie den Tanzabend „Notre-Dame de Paris“. Priorität haben jeweils nach wie vor echte Aufführungen vor stark reduziertem Publikum mit Abstand und Maske.

Wann das Bundeskuriositätenkabinett in Berlin endlich mal den wahren Blick für das Geschehen im Lande haben wird, das steht leider in den Sternen. Beim MiR hält man sich zumindest hinter den Kulissen startbereit für den Re-Start.

Datum: 18. März 2021

www.musiktheater-im-revier.de