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      Das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen wurde 60 Jahre alt. Der
      zeitlos schöne Bau von 1959 war schon damals etwas ganz Besonderes.
      Bis heute hat sich an der Anziehungskraft dieses Theaterbaus nichts
      geändert. Klasse Architektur verbindet sich mit wunderbaren Kunstwerken
      und immer wieder sehr sehenswerten Veranstaltungen auf der Bühne. Zwei
      Tage lang wurde gefeiert, mit einem Festakt, einer Filmnacht und Führungen
      mit dem Generalintendanten Michael Schulz.

      Schon der Anblick dieses Gebäudes mit seiner langen und hohen Glas-
      fassade ist transparent und imposant. So etwas vermutet man nicht in
      Gelsenkirchen. Die Stadt hat ein ansonsten ein relativ schlechtes Image.
      Schon 1959 war der Bau herausragend. Architekt Werner Ruhnau entwarf
      und realisierte ihn. Inmitten der Trümmerlandschaft des 2. Weltkriegs ent-
      stand ein Theater, das bundesweit für Aufsehen sorgte. Tatkräftig mit dabei
      war auch Anita Ruhnau, seine Frau. Gemeinsam entdeckten sie in Paris
      den jungen Künstler Yves Klein, der mit seinen monochromen Kunstwerken
      die Szene revolutionierte. Er sollte es sein, der den Bau maßgeblich mit
      Kunst ausstattete. Seine großformatigen Wandskulpturen machen das
      Foyer zu einem wirklich einzigartig schönen Ort, der nicht nur für Premieren-
      feiern einen tollen Rahmen abgibt. Neben Yves Klein wurden auch Robert
      Adams, Paul Dierkes, Norbert Kricke und Jean Tinguely mit künstlerischen
      Arbeiten beauftragt.

      Künstlerisch hochwertig waren die Inszenierungen im Haus schon immer.
      Unter Generalintendant Michael Schulz erfahren sie höchste, künstlerische
      Wertigkeiten. Man blickt auch sehr gerne, abseits der häufig aufgeführten
      Stücke sehr bekannter Komponisten, über den Tellerrand, widmet sich
      wichtigen Themen. Immer wieder beweist man bei der Auswahl der Stücke
      und der Regie ein exzellentes Händchen. Seit dieser Spielzeit hat man sogar
      das Puppentheater sehr erfolgreich neu eingeführt. Ebenfalls mit dieser
      Spielzeit revolutionierte man das Ballett. Nach dem Weggang der sehr
      sympathischen Bridget Breiner als Leiterin, den man sehr bedauerte, holte
      man den ebenso sehr umgänglichen und charmanten Guiseppe Spota. Er
      holte 15 neue TänzerInnen ans Haus und gründete die MiR Dance Company,
      ein mutiger Schritt für das Haus, der sich gelohnt hat. Nun tanzt man zeit-
      genössisch und die Tutus sind vorerst eingemottet. So erlebte und erlebt das
      MiR in 60 Jahren viele prägende Persönlichkeiten, die immer wieder sichtbare
      Veränderungen mitbrachten.

      Die wichtige Bedeutung und die Qualität des MiR hob auch Festredner
      Prof. Dr. Norbert Lammert hervor. Er warnte davor, die Kulturförderung der
      Städte zu kürzen. Lieber, schlug er mit einem leichten Augenzwinkern vor,
      sollte man das Rathaus schließen. Rund 10 Mrd. Euro werden in Deutsch-
      land in Kultursubventionen gesteckt, das sind weniger als 2% vom kommu-
      nalen Haushaltsbudget der Städte. Das Kulturbudget müsste eher noch
      erhöht werden, so klein ist es allerorts, außer vielleicht in Berlin. Lammert
      merkte an, dass dort die Opernhäuser reichlich staatliche Mittel erhalten.
      Auch Gelsenkirchens sympathischer Oberbürgermeister Frank Baranowski
      würdigte in seiner Rede die Bedeutung des MiR für seine Stadt. Er selbst
      ist mit seiner Frau ein häufig gesehener Gast im Haus und mit dem MiR
      bestens vertraut. Eine Kürzung des Etats für das MiR schloss er, trotz
      knapper Kassen, aus.

      So wurde der Festakt mit musikalischen Beträgen gestaltet, die alle irgend-
      wie mit dem Jahr 1959 zu tun hatten. Die MiR Dance Company gratulierte
      sehr kreativ auf ihre Art, während die Neue Philharmonie Westfalen für
      schöne Klänge sorgte. Es erklangen u. a. Beethovens Ouvertüre zur Oper
      "Fidelio", das Finale aus Benjamin Brittens "Ein Sommernachtstraum" und
      Don McLeans Hit "The day the music died". 1959 verunglückten Buddy Holly,
      Ritchie Valens und Jiles Perry "The Big Bopper" Richardson damals mit
      einem Flugzeug.

      Nach dem Festakt wurde das große Haus im MiR bis nach Mitternacht zum
      Kino, drei spannende Filme, die sich thematisch rund um das Haus drehten.
      Den Anfang machte ein Dokumentarfilm mit dem Architekten Werner
      Ruhnau. Mit "Schuss ins Blau" von 2005 folgte ein Dokumentarfilm mit Peter
      Lohmeyer. Das Gelsenkirchener Blau ist wirklich ganz besonders und nicht
      zu verwechseln mit dem Königsbau von Schalke 04. Schon rein ethisch
      betrachtet ist das MiR die klare Nr. 1 in Gelsenkirchen, weit vor dem S04
      von vortrefflichem Afrikaexperten und Schake-Boss Clemens Tönnies.
      Rassismus hat im MiR ganz sicher keinen Platz. Zum Abschluss gab es den
      Film "Das Wunder des Malachias" von 1961 zu erleben. Hier wird nicht nur
      der damalige Vorplatz bespielt. Das MiR-Foyer wird zu einem stylischen
      Club mit allerlei High-Society-Publikum. Dabei sind die Szenen so geschickt
      geschnitten, dass das Haus auf einer Insel direkt am Meer verortet ist.

      Sonntags führte der Chef persönlich, Michael Schulz, seine Gäste durch das
      Haus, viele Anekdoten inklusive.

      Datum: 14. und 15. Dezember 2019

      musiktheater-im-revier.de (Online-Story 60 Jahre)