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      Das sehr ausgefallen inszenierte und sehenswerte Schauspiel "Metropolis" im
      Grillo Theater lässt tote Filmstreifen zu lebendigen Bildern werden. Konzept,
      Buch und Inszenierung stammen von Nils Voges.

      Den Film hat jeder schon einmal gesehen. Hier betritt man gefühlt ein ehema-
      liges Kino. Visionen von einer modernen Gesellschaft sollen gedreht werden.
      So oder so ähnlich entstand vielleicht auch der Film. Dieser Film ist aller-
      dings komplett anders in seinem Erscheinungsbild. Man möchte einen
      neuen Turm zu Babel bauen. Extrem ideenreich und kreativ ist es eine
      Mischung aus Forschungslabor, Bastelwerkstatt und Schauspielbühne. Das
      Geschehen ist der Star. Figuren wie ein Filmvorführer, Freder Fredersen,
      Rotwang, Grot, Thea von Harbou, Futura, Fritz Lang, Joh Fredersen,
      Josaphat, eine Traummaschine und natürlich Maria werden von Alexey
      Ekimov, Kerstin Pohle, Sven Seeburg und Aless Wiesemann spannend
      dargestellt. Dabei wechseln sie auch mal geschickt die Rollen, je nach
      Szene.

      Die Schauspieler stehen bei diesem Live Animation Cinema eher im Hinter-
      grund und agieren mit den wunderbaren Pappfiguren, die sie mittels Tages-
      lichtprojektoren zu einer Geschichte verweben. Extrem liebevoll und gekonnt
      wurden diese Hauptdarsteller aus Pappe gefertigt, ganz simpel und doch so
      effektiv. Man staunt nur so, wie Metropolis mit einfachsten Mitteln entsteht.
      Die von Hand animierten Projektionen ziehen die Zuschauer in den Bann.
      Dabei verstellen die Schauspieler, je nach Rolle, ihre Stimmen. Man ist live
      bei einer Produktion eines Animationsfilms dabei. Die Silhouetten mit den
      wichtigsten Körpermerkmalen besitzen bewegliche Arme und Münder.

      Man erkennt die Filmhandlung natürlich wieder. Hier und da werden zudem
      Zeitsprünge in die heutige Zeit vollzogen. Die Maschinen beherrschen und noch
      immer. In diesem Jahrhundert sind es die Computer, die Smartphones und das
      Internet. Viren infizieren unsere Maschinen und manipulieren sie. Folgen sind
      nicht absehbar. Unterschwellig ist das Stück auch sehr philosophisch. Die
      Geschlechterrolle wird thematisiert. Selbst Charaktereigenschaften von Fritz
      Lang und der Autorin werden seziert. Es gab Differenzen zwischen den
      beiden. So werden auch Szenen gedreht, die im Film nicht vorkommen. Dabei
      kommt der Humor nicht zu kurz.

      Im Hintergrund dient live von einem bunt blinkenden Computer produzierte
      elektronische Musik. Manchmal klingt es sogar wie ein gesungenes Requiem
      oder Anklagelied, denn gesungen wird manchmal auch. Die Schauspieler
      können diese Musikmaschine lauter oder leiser steuern. Jedenfalls wird stets
      der Einklang zwischen Maschine und Mensch angestrebt, gespaltenes
      Verhältnis. Wird es jemals maschinellen Ersatz für den arbeitenden Menschen
      geben? Werden uns Roboter ablösen. Der Wissenschaftler Retwang ist seinem
      Labor auf dem besten Wege.

      Der sehr gekonnte Umgang mit den Projektoren und den Folien ist gar nicht so
      einfach, wirkt technisch sehr anspruchsvoll. Auch auf die tollen Kostüme wurde
      großer Wert gelegt. Hinterher sollte man sich die Bühne mal genauer aus der
      Nähe ansehen. Man glaubt kaum wie einfach die Mittel der Darstellung waren,
      fühlte sich aber wie in einem Film, der live gedreht und geschnitten wurde, sehr
      sehenswert. Die heutige Zeit bringt immer neue und ungewöhnliche Insze
      nierungsideen hervor. Diese völlig außergewöhnliche Herangehensweise an
      einen Filmklassiker der Stummfilmzeit ist sehr gut umgesetzt.

      Datum: 23. Februar 2018, Premiere

      www.theater-essen.de