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      Das Theater Oberhausen zeigt das Drama "Medea". Die Neuerzählung der
      jungen syrischen Regisseurin Wihad Suleiman soll auch daran erinnern, dass
      viele Theaterleute unter den Flüchtlingen sind.

      Zunächst erblickt man eine Kellerbar, die etwas später noch durch einen neu-
      zeitlichen Esstisch ergänzt wird. Man ist scheinbar zu Gast bei ganz normalen
      bürgerlichen Leuten. Eine Amme (Anna Polke) unterhält sich mit einer jungen
      Frau namens Medea (Janna Horstmann). Wihad Suleiman hat das Geschehen
      in das bürgerliche Milieu unserer Zeit transportiert. Dass Medea ihren Vater
      verraten und ihren Bruder ermordet hat, um mit Jason (Omar El-Saeidi) fort zu
      gehen, lässt die Situation keinesfalls erahnen. Nach und nach kommt zum
      Vorschein, dass Medea zwei Kinder von Jason hat, doch dieser ist mit der
      Tochter von Kreon durchgebrannt. Eine alleinerziehende Mutter also, die über
      die Runden kommen muss, wäre da nicht Kreon (Hartmut Stanke), der Medea
      als Gefahr betrachtet und sie des Landes verweist. Hier bekommt das neuzeit-
      lich-bürgerliche leichte mythologische Anklänge. Ein Ehestreit zwischen Medea
      und Jason beschließt die blutige Handlung, die auch das das Gemeinsame als
      Braten auftischt.

      Eine mythologische Erzählung erfordert heute zwingend neue Darstellungen,
      was stets eine Herausforderung ist. Auch in Oberhausen wird "Medea" auf das
      Wesentliche heruntergebrochen. Ein wenig einfallslos wirkt das Bühnenbild
      schon. Hier taucht bald Kreon auf, als würde er als Abteilungsleiter seiner
      Untergebenen eine kurze Arbeitsanweisung geben. Herrscher treten anders auf.
      Durchaus überzeugend darstellen kann Janna Horstmann die Zerrissenheit der
      Medea. Auch Omar El-Saeidi als moderner Jason ist in Ordnung. Dunja
      Dogmani als moralisch mahnender Ein-Frau-Chor fällt dagegen leider kaum auf.
      Sie spielt übrigens neuerdings eine tunesische Mutter in der "Lindenstraße" des
      WDR. Auch Omar El-Saeidi hat in diversen deutschen Fernsehfilmen mitgewirkt.

      Das Besondere an dieser Aufführung ist die musikalische Begleitung der Insze-
      nierung durch Khater Dawa, einem Musiker, der aus Aleppo geflohen ist. Dort
      soll er kein Unbekannter gewesen sein. Mit seinem landestypischen Saiten-
      instrument zaubert er die Musik der Seidenstraße ins Theater. Es sind wirklich
      wunderschöne Klänge voller Melancholie und Weite.

      Insgesamt spiegelt diese Neuerzählung von Wihad Suleiman zu wenig das
      Dramatische der Urfassung wider. In den lediglich 90 Minuten Spielzeit ist der
      Spagat zwischen dem Mythologischen und der Neuzeit nicht so wirklich
      gelungen, aber auch nicht völlig misslungen. Das Stück wirkt etwas unrund und
      zu kurz gefasst.

      Datum: 17. Februar 2017

      www.theater-oberhausen.de