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      Mit „Medea.Matrix“ präsentiert die Ruhrtriennale, das wirklich außergewöhnlich
      ist. Diese Inszenierung von Susanne Kennedy, Markus Selg und Rodrik
      Biersteker kann man als revolutionär und doch gelungen bezeichnen. Man geht
      viele neue Wege, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gebläsehallen im Land-
      schaftspark Duisburg-Nord sind dafür die ideale Spielstätte.

      Die Medea ist keine klassische. Der Mythos ist Tausende Jahre alt und viele
      haben sich an der Interpretation versucht. Sie verliebt sich in den Anführer des
      Feindes, wird von der eigenen Familie ausgestoßen, hilft ihrem Verehrer seine
      Pläne zu erreichen, der sie dann aber verstößt und gegen die Tochter eines
      anderen Königs eintauscht. Daraufhin ermordet Medea seine neue Lebensge-
      fährtin, den König und ihre eigenen zwei Kinder. Warum begeht sie einen Mord
      an dem eigenen Nachwuchs? Der Stoff bietet viel Raum zur Diskussion und
      Deutung.

      Zunächst muss der Besucher über einen Parcours von Markus Selg, an der
      Bühne vorbei, hinter der Bühne durch und erst dann auf seinen Platz. Man
      begegnet dabei vielen Medeas an einem Lagerplatz, alle mit einheitlicher Maske
      versehen. Dabei fühlt man sich an „Orfeo“ 2015 auf Zollverein erinnert, ebenfalls
      von Susanne Kennedy inszeniert. Es ist eine Mischung aus bespielten
      Projektionswänden, einer Soundcollage und diversen Objekten, die an einen
      mystischen Wald erinnern. Das archaische Zeitalter trifft das digitale.

      Sitz man im Zuschauerraum, erblickt man eine Bühne, die im Hintergrund und
      Seitlich aus elf Projektionsflächen und einer Art Thronebene besteht. Das Stück
      wird zu einer Großinstallation oder einem Gesamtkunstwerk. Medea (Birgit
      Minichmayr) steht wie eine Oberpriesterin auf der erhöhten Plattform und geht
      inhaltlich die Schritte vom Wort, über die Zeugung bis hin zur Geburt durch.
      Begleitet werden ihre Wortbeiträge durch eine kunstvoll animierte Videoinstalla-
      tion von Rodrik Biersteker. Der Sound klingt oft bedrohlich. Starker Wind fegt
      durch den Wald oder man ahnt den Sound einer Brandung. Dazu gibt es Text-
      beiträge als Projektion, zum Teil medizinische Beschreibungen zu Komplika-
      tionen in der Schwangerschaft. Kirchenglocken lauten am Anfang und am Ende
      des Stücks im Saal.

      Inhaltlich sollte sich jeder seine eigenen Gedanken zu dem Stück machen. Ist
      es der Konflikt, den die Kirche mit dem Fleisch hat? Die Monologe Medeas und
      ihre Dialoge mit den maskierten Medeas, zum Teil mit verzerrten Stimmen aus
      dem Off, sind philosophisch angehaucht, nicht immer leicht verständlich. Es ist
      die Rede von Evas Sünde im Paradies, die die Grundlage aller Qualen in der
      Schwangerschaft sein soll. Ist das Kind auf der Welt, wird der Zuschauer mit
      einer Botschaft nach Hause geschickt: „Geburt der Tragodie“. Es lacht einen ein
      frischer, grüner Wald an.

      Auch wenn man vielleicht nicht jedes Bild und jeden Satz akustisch oder
      inhaltlich versteht, so ist diese Aufführung wirklich sehenswert. Susanne
      Kennedy und ihre Mitstreiter gehen völlig neue Wege, die Eindruck hinterlassen.

      Datum: 16. September 2016

      www.ruhrtriennale.de