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      Mit "Mass", einem Theaterstück für Sänger, Tänzer und Musiker von Leonard
      Bernstein hat das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen einen
      glänzenden Start in die neue Spielzeit hingelegt. Die Premiere wurde enthusi-
      astisch bejubelt. Für die Inszenierung und Choreografie ist der international
      höchst gefragte Richard Siegal verantwortlich.

      Es ist ein selten gezeigtes Stück, eine Messe nach der Liturgie der
      Römischen Messe in englischer und lateinischer Sprache. Im MiR hat man
      sechs Wochen geprobt. 28 Solisten, der Opernchor und der Projektchor des
      MiR, der Knabenchor der Chorakademie Dortmund, die Ballettkompanie des
      MiR und die neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus
      Baumann bildeten eine Gruppe rund 180 Künstlern, die dieses Stück groß-
      artig auf die Beine stellten. Bei der Premiere merkte man schon vor der
      Aufführung ein sehr ungewöhnliches Kribbeln bei den Beteiligten. Es herr-
      schte gute Stimmung und man wollte endlich loslegen, raus aus der Startbox.
      Wann arbeiten schon mal so viele verschiedene Sparten gemeinsam an
      einem Stück, bei dem der Weltstar Richard Siegal Regie führte. Es ist eine
      große Ehre für das MiR, ihn für Gelsenkirchen gewonnen zu haben.

      "Mass" ist eine katholische Messe ohne Handlung. Leonard Bernstein, der
      dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hat sie 1971 zur Eröffnung des
      John F. Kennedy Centers for the Performing Arts in Washington komponiert.
      Es ist der Celebrant, von Henrik Wager toll dargeboten, der die anwesende
      Gemeinde zum gemeinsamen Gebet ruft. Gott ist das Größte. Der Wider-
      stand in der Gruppe wächst aber zunehmend. Eigene negative Erlebnisse
      lassen die Wirkung göttlicher Führung anzweifeln. Ist Gott wirklich so all-
      mächtig? Die USA beginnen sich Ende der 1960er, bzw. Anfang der 1970er
      von ihren Grundwerten langsam zu verabschieden. Der Celebrant gerät immer
      stärker in Bedrängnis. Am Ende müssen sich alle neu orientieren. Der
      Frieden wird als Prämisse ausgerufen. Das Stück ist heute noch so aktuell
      wie damals. Bernstein war ein aktiver Gegner des Vietnam-Kriegs. Er nahm
      auch an Demonstrationen teil und verfolgte sehr interessiert die klerikale
      Politik im Vatikan. So fließen auch sehr persönliche Interessen bei Bernstein
      mit ein. Es ist auf jeden Fall hörbar ein echter Bernstein mit Elementen der
      Klassik, des Blues, des Gospel und des Rocks.

      Es ist erstaunlich, wie wunderbar die Sänger, Musiker und die Tänzer mit-
      einander harmonieren. Jeder hat seinen Part und alles fließt ineinander über.
      Selbst räumlich gesehen vermengt sich alles. Der Straßenchor agiert öfter
      aus der ersten Reihe im Publikum. Knaben- und Opernchor ertönen zunächst
      oben vom Balkon und das Ballett kommt ebenfalls durch den Saal auf die
      Bühne. Das Publikum wird als Gemeinde direkt mit einbezogen und darf an
      zwei Stellen sogar mitsingen.

      Die variable Bühne (Stefan Mayer) ist gestalterisch sehr gelungen, eine
      Mischung aus Gotteshaus und Theaterraum. Man musste sie sogar über den
      Orchestergraben teilweise erweitern, so voll ist es teilweise. Auch die
      Kostüme (Richard Siegal) können voll überzeugen. Die Emotionen des
      Stücks werden hervorragend transportiert, mal aufgewühlt und laut,
      und andererseits auch ganz ruhig und fein. Zwischendurch hat die stets
      wunderbare Ballettkompanie ihre Szenen. Besondere Erwähnung gebührt
      einem sehr jungen Solisten des Knabenchors, der eine exzellente Gesangs-
      partie ablieferte. Die Schlussszene mit dem gefallenen Celebrant und dem
      anschließenden Chorpart aller Beteiligten erzeugt Gänsehaut. Man kann
      "Mass" am MiR wirklich als ein sehr gelungenes Gesamtkunstwerk bezeich-
      nen. Ein großes Lob an Richard Siegal und alle Mitwirkenden. Ganz großes
      Theater!

      Im Foyer ist passend zum Stück der Morschener Wandelaltar von Eugen
      Mahler aufgebaut, der sich in vier verschiedenen Bildern präsentiert.

      Datum: 6. Oktober 2018, Premiere, Musiktheater im Revier

      musiktheater-im-revier.de