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Schauspiel 'The last minutes before mars' im Theaterrevier des Schauspielhaus Bochum
Das neue „Theaterrevier“ des Schauspielhauses Bochum ist eröffnet. Gestartet wurde es mit der Premiere des klasse und sehr innovativ inszenierten Stücks „The Last Minutes Before Mars“. Man bewegt sich absolut am Puls der Zeit.

Zunächst ein paar Worte zum „Theaterrevier“. Bis zur letzten Spielzeit fungierte diese Außenstelle des Schauspielhauses Bochum noch unter der Bezeichnung „Zeche Eins“. Hier präsentierte man experimentelle Stücke. Ab sofort haben dort Kinder und Jugendliche die Macht sich auszutoben. Die Erwachsenen wirken als eine Art untergeordnete Kontrollinstanz, die ein Auge drauf hat, aber nicht die Richtung vorgibt. Programmregie führt hier die Drama-Control, 15 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 21 Jahren. Man möchte so ein anspruchsvolles Kinder und Jugendtheater schaffen, das von der Zielgruppe erdacht wird. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW hat für dieses Projekt 1,3 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Die jungen Leute sind schließlich die zukünftigen Theaterbesucher und -macher. Der interessierte Nachwuchs ist im „Theaterrevier“ stets herzlich eingeladen kreativ mitzuwirken und Ideen einzubringen.

Die Premiere ist jedenfalls sehr gut gelungen. „The last Minutes before Mars“ ist ein Stück der kanadischen Performancegruppe Mammalian Diving Reflex, inszeniert von Darren O’Donnell und Jana Eiting. Schon der Raum ist eine Überraschung. Die Bühne befindet sich in der Mitte, links und rechts zwei Reihen mit je sechs Drehhockern. Darauf platziert liegt jeweils eine VR-Brille. Schon die räumliche Konstellation ist außergewöhnlich und macht neugierig.

Inhaltlich geht es um die Frage, ob die Zivilisation überleben kann. Man geht davon aus, dass sich die Menschen mit ihrem rücksichtslosen Handeln eines Tages gegenseitig ausrotten werden. So sollen 7.700 Jugendliche weltweit zum Mars starten, um dort eine neue Destination aufzubauen. Alle Fehler auf der Erde soll es dort so nicht mehr gegen. Ganz ober auf der Problemskala steht natürlich die Umwelt, die notwendig für unsere Existenz auf der Erde ist. Man klagt ebenfalls das häufig moralisch fragwürdig Verhalten der menschlichen Erdbewohner an. Müssen Kriege wirklich sein? Doch was würden die Jugendlichen machen, wenn sie nur noch wenige Minuten auf der Erde hätten, ehe die große Reise beginnt?

Das Publikum wird mitgenommen und in den inhaltlichen Denkprozess mit eingebunden. Man muss mitdenken. Zunächst wird einem die VR-Brille erklärt. Sie wird per Ansage auf- oder abgesetzt. So ein Abschied von der Erde ist nicht so leicht, denn die Rückkehr ist ausgeschlossen. Wie nutzen die fünf jungen Astronauten die verbliebene Zeit auf der Erde? Die gut gemachten 360°-Einspieler in der VR-Brille verraten es. Jetzt ist auch klar, warum man auf Drehhockern sitzt. Sie spielen Karten, füttern die Wildschweine im Wildpark, treffen sich zu einer nächtlichen Party im Bochumer Westpark, sinnieren auf einem Hügel im Rheinpark in Duisburg oder auf der Halde Haniel in Bottrop, frönen ihrer Manga-Leidenschaft, nehmen ein letztes Mal die Liebste in den Arm oder treffen sich mit der Familie in der Küche. Die Perspektiven der Einspieler sind spannend gewählt. Alle diese Momente lassen sich nicht mit auf den Mars nehmen, allenfalls schöne Erinnerungen.

Zwischendurch ist immer mal das Publikum gefragt. Wie sieht denn der eigene normale, wunderschöne Tag aus? Erst macht man sich mit geschlossenen Augen entspannt atmend seine Gedanken, um anschließend seinem Nebenmensch zunächst tief in die Augen zu blicken und ihm oder ihr die eigenen Gedanken zu erzählen. Man kommuniziert ebenfalls mit den jugendlichen Spielleitern, indem man ihre Fragen per Handzeichen beantwortet oder ihnen nachspricht. Am Ende gibt es kein Zurück mehr. Die Brücken auf die Erde sind schmerzlich gekappt. Alle heben via VR-Brille ab, um auf dem Mars die Menschheit zu retten.

Das klasse Stück steht ganz im Zeichen der Friday for Future-Bewegung, nur dass die die Menschheit noch nicht auf den Mars oder andere Planeten evakuieren möchte.

Für die zur Verfügung stehenden Restkarten sollte man sich beeilen. Es lohnt sich.

Datum: 27. September 2020

www.schauspielhausbochum.de