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      England und Schottland pflegen seit Ewigkeiten einen Konflikt, bei dem England
      in der Regel die Oberhand hält und die Schotten untertan macht, bis heute. Bei
      der Inszenierung von „Maria Stuart“ im Grillo Theater ist dies nicht anders. Die
      schottische Königin Maria Stuart ist eine Gefangene der englischen Königin
      Elisabeth, auch wenn die beiden sich so in der Realität nie begegnet sind. Das
      Stück wurde sehr gut inszeniert von Anna Bergmann.

      Macht über ein Volk zu haben ist für manche Menschen ein großes Ziel. Für
      Elisabeth (Stephanie Schönfeld) ist diese Tatsache Realität und eher ein Alp-
      traum. Gefesselt in der Staatsraison muss sie dem Volk dienen. Da wurde sie
      hinein geboren. Dabei möchte sie doch viel lieber frei und mit dem Herzen
      entscheiden. Das Volk wünscht jedoch den Tod der schottischen Königin Maria
      Stuart (Janina Sachau), die sich im Amt ihre Freiheit gerne genommen hat,
      allerdings nicht immer mit gewaltlosen Mitteln. Doch wer soll der Königinnen-
      mörder sein? Kann eine Königin eine andere zum Tode verurteilen? Wer führt
      das Unabwendbare aus? Man ziert sich, wo es nur geht. Kann es Frieden mit
      zwei Königinnen geben?

      Es ist ein sehr emotionales Stück mit einer sehr abwechslungsreichen und
      schönen Drehbühne und immer wieder überraschenden Szenen. Am Anfang
      steht eine Art gespielter Stummfilm mit Übertiteln Mal geht es sehr schwer
      tragisch-moralisch zu und dann bestimmt plötzlich Slapstick das Geschehen.
      Selbst Rock und Popmusik ist dem Stück nicht fremd. Zwischendurch gibt es
      auch einen Hauch von Musical und der Humor in der Darstellung kommt
      nicht zu kurz. Das Höfische wird hier und da aufs Korn genommen und trotz-
      dem bleibt es stets im Hintergrund ein Stück, in dem persönliche Wünsche mit
      der Realität tragisch in Konflikt stehen. Dabei spielen auch diverse Herren eine
      Rolle, bei denen es sich um Karriere, hormonelle Einflüsse, Eigennutz und
      Gewalt gegen Rivalen dreht. Keinem dieser Herren ist zu trauen. Sie sind oft zu
      allem fähig und spinnen ihre vergifteten Pläne. Das bekommen Elisabeth und
      Maria sehr zu spüren, bemerken es aber immer zu spät.

      Die Inszenierung ist stets spannend. Besonders wenn die beiden Königinnen
      aufeinandertreffen oder sie in Monologen ihre Gedanken äußern. Da erkennt
      man, wie schwach sich Elisabeth eigentlich fühlt, um nachher als starke
      Monarchin zumindest zu erscheinen. Am Ende bleibt sie ziemlich alleine auf
      der Bühne und in ihrem Amt. Da hört man sogar bei ihr die Raben vor dem
      Tower schreien. Ihr Schicksal ist nur aufgeschoben. Eine Siegerin gibt es nicht.
      Das häufig angestimmte „God save the queen“ wirkt am Ende sehr betont wie
      ein Fingerzeig des drohenden Untergangs.

      Gewisse Parallelen zur britischen Gegenwart sind diesem Stück nicht abzu-
      sprechen. Schauspielerisch stehen natürlich Janina Sachau und Stephanie
      Schönfeld im Mittelpunkt. Sie machen ihre Sache ausgezeichnet. Auch der
      Rest des Ensembles kann überzeugen, z.B. bei einem rassigen und von
      moderner Musik unterlegten Fechtkampf. Das Stück ist sehenswert und
      abwechslungsreich inszeniert.

      Datum: 2. Juli 2016 (Wiederaufnahme in der Spielzeit 2016/2017)

      www.schauspiel-essen.de