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      Mit „Manifesto“ zeigt die Ruhrtriennale 2016 im Landschaftspark Duisburg-
      Nord eine sehr sehenswerte Installation, in der Cate Blachett in 13 unterschied-
      liche Rollen schlüpft.

      Es war eine Zufallsbegegnung des Künstlers Julian Rosefeldt mit der Hollywood-
      Schauspielerin. Sie schlug vor, doch mal was Gemeinsames zu machen. Drei
      Jahre später kam Rosefeldt die Idee. Ein Text brachte den Durchbruch. Er las
      hunderte Texte, um einige davon dann als Textcollagen zusammenzustellen.
      Diese brachte er filmisch in einen neuen Kontext, um sie nicht nur einfach
      vorzulesen. Oft sind die Texte von den Autoren in jungen Lebensjahren verfasst
      worden. Wer bin ich? Was will ich? Sie sprühen vor Energie und dem Drang
      nach Selbstfindung, geschrieben in den Jahren 1909 bis 2005. Zeitsprünge sind
      ebenfalls Programm.

      Zwölf Filme und ein Prolog sind in der riesigen Kraftzentrale zu erleben. In
      jedem schlüpft Cate Blanchett in eine andere Rolle. Man agiert sie an der Börse,
      ist Lehrerin in der Schule, eine biedere Mutter, eine cholerische Bandmusikerin,
      eine Nachrichtensprecherin, eine Obdachlose, eine Forscherin oder eine
      Choreografin. Jede Szene ist 10,5 Minuten lang, der Prolog 4,5 Minuten. Dabei
      bräuchte jeder Film alleine zwei Monate Vorbereitungszeit. Die Fachleute für
      Maske, Haare und Kostüme waren Profis aus Hollywood. Cate spricht dabei
      immer einen anderen Dialekt. Man hatte für alle Filme lediglich zwölf Drehtage
      zur Verfügung. Sie ist nicht nur eine große Schauspielerin, sondern hat den
      Instinkt für die Szene, sonst wäre kaum möglich gewesen. Alle Drehorte, bis auf
      das tolle Treppenhaus der neuen Bibliothek in Cottbus, befinden sich in und um
      Berlin.

      In einem Synchronmoment schaut sie auf allen Leinwänden den Betrachter an.
      Es wirkt an dieser Stelle wie ein Gesang, ist jedoch der Effekt des gesproch-
      enen Textes auf derselben Tonhöhe. Steht man vor den Filmen bekommt man
      den Text deutlich mit. An anderen Stellen im Raum nimmt man Überlager-
      ungen wahr. Humor ist ebenso vertreten. Die Börse, eine umgebaute Bibliothek
      in Berlin, wird als Ort der unsichtbaren Geschwindigkeit präsentiert. Die Pop Art
      wird antipodisch einer biederen Familienszene entgegen gesetzt. Die Begräbnis-
      Szene kommt sehr dadaistisch daher. Für die Architektur hat Julian Rosefeldt
      eine Müllverbrennungsanlage als Ort ausgesucht.

      Die hier präsentierten Manifeste der Kunstgeschichte sind ein Plädoyer für den
      ästhetischen Wandel. In einer Zeit, wo oft ohne Sinn und Verstand gebrüllt wird,
      brüllen sie sehr wohltuend mit positiven Werten. Die ganze Installation
      kommt spannend daher. Man sollte sich ein wenig Zeit dafür nehmen. In einem
      begleitenden Heft lassen sich alle Texte auf Deutsch anschließend noch einmal
      nachlesen.

      Laufzeit: 13. August bis 24. September 2016

      www.ruhrtriennale.de

      Infos zur Ruhrtriennale allgemein