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      Jochen Malmsheimer und das Tiffany-Ensemble hatten in die ausverkaufte Halle
      12 nach Zollverein geladen. Weihnachten lautete das Thema, dem sich Malms-
      heimer ziemlich kritisch, charismatisch und verbal sehr geschliffen näherte.
      „Jauchzet, Frohlocket“ kam gut an und stimmte auf seine Art auf die Festtage
      ein.

      unchristlichen Traditionen, die wenn man sie mal hinterfragt, oft deplatziert sind.
      Alles beginnt doch mit einem Baum, den man in einer „Schonung“ abholzt. Der
      Holzfäller mit kariertem Hemd und Gummistiefeln geht jedenfalls wenig scho-
      nend mit dem Weihnachtsgewächs um. Das Fest der Familie wird auf jeden Fall
      groß gefeiert. Natürlich holt man dann auch die Oma aus dem Seniorenghetto
      und sei es nur eine Fremdoma. Die weiß am nächsten Tag eh nicht mehr, wo
      sie mit wem was gefeiert hat. Hauptsache die Familie ist friedlich beisammen.

      Die heile Welt ist allerdings am Heiligabend manchmal zeitlich befristet. Mit
      Persianermantel geht es für Senioren in die Christmette. Manch einer sieht dann
      das einzige Mal im Jahr eine Kirche von innen. Ein Sturm an Musik prasselt auf
      die Menschen unter dem Kirchenschiff ein. Erst stimmt der Organist ein, dann
      zeit- und taktversetzt der Gemeindegesang. Es folgt der Frauenchor mit „Stille
      Nacht“, dabei beginnt der Songtitel doch mit dem Wort „Still“. Nach dem musi-
      kalischen Orkan des Bläserensembles hat man das alles endlich überstanden.
      Zu Hause muss aber der Nachwuchs noch seine Künste auf der Blockflöte
      präsentieren. Die Firma Möck hat eine Schneise der Verwüstung in deutschen
      Wohnzimmern hinterlassen.

      Wenn es ums Basteln geht, ist Malmsheimer nicht gut zu sprechen. Kinder ja,
      aber aus Kastanien werden niemals im Leben Kühe oder Igel. Bei einem
      vorbereitenden Elternabend in einem Waldorf-Kindergarten muss man sogar
      pädagogisch wertvoll aus Watte Vögel zupfen. Er zupfte ein Zupfhuhn, die Gattin
      eines Zapfhahns, zum Entsetzen der Kindergärtnerin. Waldorf kommt ihm nur
      noch als Astoria oder Salat auf den Tisch.

      Was gab es im Hause Malmsheimer an Heiligabend immer zu essen? Es war
      ein Karpfen, der zwar ein stattliches Tier ist, aber auf dem Teller schnell so
      aussieht, als wäre er explodiert. Damals gab es anschließend noch die Weih-
      nachtsfete bei einem Freund, dessen Eltern vereist waren. Die Matratzen im
      Keller waren voller Leben und für den Durst musste eine große Flasche
      Lambrusco herhalten. Das Pennerglück wirkte. Der Weinkeller der Eltern war
      abgeschlossen. Zwischendurch wurde an Mädels gefummelt, ehe man sich auf
      den Nudelsalat stürzte, dick mit zerlaufener Mayo. Es dauerte nicht lange, bis
      sich diese kulinarische Kombination wieder den Weg nach oben suchte.

      Warum nur muss an Weihnachten so viel gebacken werden? In Aachener
      Printen bleiben die Gebisse der Senioren doch stecken und Dinkel-Plätzchen
      sind nicht sonderlich gut für die Darmflora. Die meisten privaten Bäcker essen
      den Großteil ihrer Plätzchen nicht mal selber, sondern streuen sie unter
      Freunden und Bekannten.

      Mit dabei war zu gleichen Teilen Herr Rössler und sein Tiffany-Ensemble. Der
      Chef Uwe Rössler glänzte nicht nur mit richtig gutem und trockenem Humor.
      Seine Mitstreiter an Cello, Bass und Violine waren exzellente Musiker und
      Musikerinnen. Sie präsentierten Songs wie „Ihr Kinderlein kommet“, Jingle
      Bells“, „Rudolph the red noses reindeer“ oder „Von Himmel hoch“. Die Stücke
      wurden alle etwas umarrangiert, mal etwas schneller oder verjazzt. Auch die
      nicht weihnachtlichen Stücke von Mozart, Chopin oder Tschaikowsky ließen die
      musikalische Klasse dieses Ensembles erkennen.

      Jochen Malmsheimer hatte sichtlich Spaß an dem gelungenen Abend und den
      musikalischen Darbietungen des Tiffany-Ensembles, was auch umgekehrt galt.
      Er wünschte seinem Publikum ein „ertragreiches Fest und ein glückliches neues
      Jahr“.

      Datum: 17. Dezember 2016

      www.zollverein.de
      www.jochenmalmsheimer.de