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      Menschen haben schon immer Energie benötigt. Die sehr schöne Ausstellung
      "Energiewenden - Wendezeiten" wirft einen Blick auf die verschiedenen Zeiten
      und ihre Vorstellungen von moderner Energiegewinnung an Rhein und Ruhr.

      Die ersten bäuerlichen Maschinen und die kleiner Handwerker waren noch von
      Wasserkraft angetrieben. Die Mühlenräder verschwanden mit dem Aufkommen
      der Kohle. Dampfmaschinen waren plötzlich gefragt. Diese Technik hatte aber
      allzu oft die Tücke, dass Dampfkessel platzten, weil das Material noch nicht
      ausgereift war. Ausgestellt ist eine über zehn Meter lange Pleuelstange
      (1850er-Jahre) der Dampfmaschine der Zeche Oberhausen, die im Boden
      gefunden wurde. Mit der Elektrifizierung um 1900 erleuchteten die Städte.
      Gaslaternen hatten ausgedient. Obwohl Strom damals noch recht teuer war,
      fand er viele Nutzer. Um 1930 hatten alle dann einen Stromanschluss. Erste
      unhandliche Haushaltsgeräte kamen in Mode.

      Ein echter Überfluss an Energie war nach dem Zweiten Weltkrieg zu verzeich-
      nen. Wirtschaftswunder und Massenkonsum waren die Folgen. Bals aber schon
      wurden Erdöl und Braunkohle wichtiger als Steinkohle. 1957 wird die erste
      Rohölleitung (Emden - Gelsenkirchen) in Betrieb genommen, während 1958 die
      erste Zeche schließt. Mit dem Traum vom Einfamilienhaus kam die Zentral-
      heizung, anstatt dem Kohlenofen. Der Verkehr explodierte. Man sieht eine ganz
      besondere Vespa, in Ratingen produziert. In der autogerechten Stadt wurden
      Tankstellen zu architektonischen Ikonen.

      Die Veränderungen durch den Abbau der Braunkohle waren sichtbar. Ganze
      Dörfer wurden abgerissen und umgesiedelt, 40.000 Menschen in 30 Orten. Als
      wundersame Energie kam die Nuklearenergie auf. Atomkraftwerke sollten wie
      Pilze aus dem Boden sprießen, selbst mitten in Oberhausen. Komplizierte
      Hochtemperaturreaktoren wurden geplant und verworfen. Dabei sollte der
      gesamte Atommüll in einen Kubus von 20 x 20 x 20 m passen. Es wurden
      haarsträubende Dinge in die Welt gesetzt. Gezeigt werden der Steuerstand des
      AKW Phillipsburg 1, ein Teil einer Reaktordecke (Würgassen), ein aufgeschnit-
      tenes Atommüllfass oder auch eine Milchtüte mit der Aufschrift "Entwarnung"
      nach dem Gau in Tschernobyl. Man sieht auch mal wie Uran oder Brennstäbe
      ausschauen und entdeckt alle deutschen AKWs als Porzellanteller. Bis heute
      werden deutsche AKWs fast ausschließlich ohne digitale Steuerelemente
      gefahren.

      Selbstverständlich wird der Wandel zur Solar- und Windenergie ausführlich
      gezeigt. Windräder verändern die Landschaft und sind nicht sonderlich beliebt.

      Die Ausstellung zeigt nicht nur die verschiedenen Energiewenden auf, sondern
      auch die daraus resultierenden Veränderungen für die Gesellschaft, neue
      Gesellschaftsklassen entstanden. Ganze Berufszweige mussten sich
      umorientieren. Die Landschaft hat sich stets verändert.

      An jeder Station gibt es die Gelegenheit sich zu setzen und die Informationen
      sacken zu lassen. Außerdem bekommt jeder einen tragbaren Computer, der
      weitere Informationen, je nach Bedarf, digital ergänzen kann. Man sollte sich
      Zeit nehmen.

      Im Rahmenprogramm werden Führungen, Gesprächsrunden, Filmabende,
      Experimente für Kinder und Exkursionen angeboten.

      Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog im Aschendorff-Verlag erschienen
      (17,90 Euro).

      Laufzeit: 20. Oktober 2017 bis 28. Oktober 2018

      www.industriemuseum.lvr.de