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      20 Jahre ist nun alt, das LWR-Industriemuseum in der Zinkhütte Altenberg in
      Oberhausen. Zum Jubiläum traf man sich im Museumscafé, um in einer
      Gesprächsrunde die spannende erste Zeit der Planung und Umsetzung
      wiederaufleben zu lassen.

      Die ehemaligen noch aktiven Protagonisten der Anfangszeit hatten viel zu
      erzählen. Daniel Stemmlich (Projektleiter), Rolf Kania (Kurator), Michael
      Gaigalat (Kurator, heute Leiter der Sammlung) Christine Ferreau (Kuratorin),
      Peter Gössel (Gestalter der Ausstellung) und Burkhard Zeppenfeld (heute
      Museumsleiter) schwelgten in Erinnerungen. Es war eine wilde Zeit, noch lange
      nicht so behördlich reglementiert wie heute. 1981 schloss die Zinkhütte
      Altenberg ihre Tore. Stark mit diversen Giften kontaminiert fand sich erst keine
      Lösung für das Gelände, bis man auf die Idee kam, ein Museum der Industrie-
      und Sozialgeschichte hier einzurichten. Zuerst musste ein Plan her, die Gifte in
      Boden und Luft zu entsorgen. Zwischen 1987 und 1989 saugte man die Stäube
      ab und kapselte sie im Betonboden ein. Keine Deponie hätte solche Kapazi-
      täten gehabt.

      Wie konzipiert man nun eine solche Ausstellung, die inhaltlich grob umrissen
      ist? Stahl und Eisen sollten die Schwerpunkte bilden, ergänzt durch das Thema
      Zink. Die Macher waren damals teilweise noch sehr unerfahren. Sie mussten
      sich in Themen wie die NS-Zeit, Arbeitsschutz oder Waffenproduktion einar-
      beiten. Woher sollten welche Exponate kommen? Anfangs sammelte man
      während des Umbaus (1990-1994) beinahe alles, ehe man kritischer wurde.
      Eine Dampflok holte man von einem Spielplatz in Dinslaken. Sie wurde im
      Bahnwerk in Meinigen mit Originalteilen restauriert und durch das teils offene
      Dach des Museums auf ihren Platz gehievt. Der große Dampfhammer kam vom
      Bochumer Verein. Die Suche nach einer Kruppschen Feldhaubitze aus dem
      Ersten Weltkrieg verlief schwierig. Eine kleine Anzeige in einem Sammlerjournal
      brachte die Lösung. Ein Waffenhändler aus Franken hatte das einzige verfügbare
      Exemplar im Sortiment, für damals schlappe 50.000 Mark. Es stammte aus der
      Schweiz und hatte noch keinen Schuss abgegeben. Die Restaurierung der Lok
      kostete das Doppelte. Andere Exponate kamen aus alten Betrieben. An der 103
      Jahre alten Pilgerwalze arbeiteten noch höchstpersönlich die Gebrüder
      Mannesmann. Man fand sogar eine Rohrpost. Ein Glasauge entdeckte ein       Kurator bei einem verstorbenen Nachbarn. Auf das durch Stickstoff erstarrte
      Gemenge aus einem Hochofen ist man besonders stolz. Es ist weltweit
      einzigartig.

      Die Gestaltung der neun Großthemen war nicht einfach. Zu viele Köche ver-
      derben den Brei. So stimmte das Team um Peter Gössel seine 700 Zeichnungen
      und über 50 Entwürfe inhaltlich mit den Kuratoren ab. Die Gestaltung erfolgte in
      kleinem Kreis. Es entstand ein festgelegter Weg, den die Besucher zu gehen
      haben. 18 Filme dokumentieren bis heute visuell die Arbeitsbedingungen. Am
      19. August 1997 eröffnete man endlich mit etwas Verspätung. Einige Glas-
      scheiben von Vitrinen gingen kurz vorher noch zu Bruch. So fand Johannes Rau
      damals doch noch Zeit, das Museum zu eröffnen. Man gab ihm allerdings aus
      Versehen den falschen Hebel in die Hand. Im Hintergrund half man sehr tat-
      kräftig nach, damit sich die alte Maschine doch noch pressewirksam in Gang
      setzte.

      Heute erfährt man in Führungen allerlei Wissenswertes über die Schwerindustrie
      im Rheinland. Stahlsorten werden vor Ort zur Schau Qualitätsprüfungen unter-
      zogen. Natürlich wird auch Franz Haniel gewürdigt oder der Brückenbau im
      Rheinland bildlich dokumentiert.

      Im April 2018 wird das Museum allerdings für eine Zeit schließen. Die Dauer-
      ausstellung wird komplett neu gestaltet.

      Datum: 19. August 2017

      www.industriemuseum.lvr.de