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      Mit der Revue "Reformhaus Lutter" widmet sich das Musiktheater im Revier
      (MiR) sehr gut dem Thema 500 Jahre Reformation. Ein exzellent aufgelegter
      Dominique Horwitz und Petra Schmidt mit sehr schönen Gesangspartien
      präsentierten eine Geschichte, die der Reformationsgeschichte ähnlich angelegt
      ist.

      Zunächst aber der große Schreck. Generalintendant Michael Schulz musste auf
      der Bühne verkünden, dass der musikalische Leiter Rasmus Baumann heute
      verhindert wäre. Der große Dank galt anschließend Ulrich Zippelius aus
      Koblenz, der sich extrem kurzfristig in den Zug gesetzt hatte, um die Aufführung
      zu dirigieren. Trotz aller Spontanität merkte man musikalisch keine hörbaren
      Defizite im Zusammenspiel mit der Neuen Philharmonie Westfalen, dem
      Opernchor des MiR sowie mit Dominique Horwitz und Petra Schmidt. Ein
      großes Lob für Ulrich Zippelius.

      Die Handlung spielt in der Gegenwart. Jörg Lutter (Dominique Horwitz) hat ein
      Reformhaus geerbt und geht darin auf. Hier gibt es günstige Preise, aber auch
      bald Mahnungen der Lieferanten. Er sucht den Ausweg in der Expansion.
      Nebenan brennt "zufällig" eine Schlecker-Filiale ab, die zu übernehmen gilt.
      Seine Frau Leonie (Petra Schmidt) ist von den spinnigen Plänen ihres Mannes
      überhaupt nicht begeistert und geht. Währenddessen kommt immer wieder ein
      Finanzberater namens Dr. Philipp telefonisch ins Spiel. Dominique Horwitz und
      Berthold Warnecke sind für das Konzept verantwortlich.

      Das Geschehen findet in einem Krämerladen vorne auf der Bühne statt, eine
      Mischung aus Schauspiel und Gesang. Dahinter hat der Opernchor seinen Platz
      und hinten spielt das Orchester. Die Anordnung ist durchaus ungewöhnlich,
      aber es passt. Im Mittelpunkt stehen natürlich Dominique Horwitz und Petra
      Schmidt. Horwitz ist einer der besten deutschen Schauspieler, der zudem auch
      richtig gut singen kann. Emotional und mimisch klasse, so kennt man ihn.
      Seine Bühnenpräsenz ist unnachahmlich. Petra Schmidt war aber als "Leonie"
      ein guter Gegenpart zu "Jörg Lutter". Realitätsferne Träumereien seinerseits
      trafen auf ihre mahnende Bodenständigkeit. Beide entfremdeten sich immer
      stärker, je mehr Lutter die Expansion seines Reformhauses als Seelenheil
      predigte. Da war die Parallele zu Martin Luther nicht fern. Auch seine Thesen
      wurden zunächst als Spinnereien abgetan. Er wurde angefeindet und sogar
      exkommuniziert. Seine Anerkennung kam erst viel später. Thematisiert wurden
      ebenso die Bauernkriege, weltpolitische Missionsgedanken oder aktuelle
      Herausforderungen an die heutigen Kirchen. 500 Jahre Reformation an einem
      Abend!

      Das Ganze wurde musikalisch geschickt verpackt, von Tony Marschall ("Bora
      Bora"), Udo Jürgens ("Fehlbilanz"), über Musicalmelodien (West Side Story,
      Cabaret) bis hin zu echter Klassik (Verdi, Wagner, Bach, Beethoven, ) war
      der Mix breit und sehr unterhaltsam. "Fire" von Arthur Brown brachte richtig
      Feuer auf die Bühne, Dominique Horwitz in seinem Element. Schöne Chor-
      beträge des Opernchors, inklusive Chorsoli, rundeten den musikalischen Teil ab.

      Zwischendurch konnte man viele intelligente Zitate vernehmen. "Hier stehe ich.
      Ich kann nicht anders" oder "Träumt der Mensch, ist er ein König, denkt er
      nach, ist er ein Bettler". Es war wunderbar erfrischender und ungewöhnlicher
      Angang an ein Thema, das sonst manchmal etwas schwer daher kommt.
      Beste Unterhaltung.

      Datum: 19. November 2017

      www.musiktheater-im-revier.de