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      Mit der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke wird für viele ein Traum wahr,
      einmal zum Mond und zurück. Die sehr gute Inszenierung am Musiktheater
      im Revier (MiR) überzeugt mit tollen Kostümen, einer guten Regie von
      Thomas Weber-Schallauer, viel Kreativität und musikalisch gut umgesetzten
      Gassenhauern.

      Frau Luna ist die Geschichte von Steppke (Sebastian Schiller) und
      Lämmermeier (Patricia Pallmer), die mit etwas Geld sich die Reise zum
      Mann in Mond verwirklichen. Ihre Vermieter Frau Pusebach (Christa Platzer)
      und ihr Mann Theophil (Joachim G. Maaß) schaffen es ebenfalls zum Mond.
      Als Erdlinge treffen sie dort auf eine ferne Kultur, mit der man sich erstaunlich
      gut versteht. Auf dem Mond gibt es Wesen wie wir. Es wird schließlich
      Deutsch gesprochen und die Liebehormone wirken ebenfalls ausgezeichnet.
      So kann sie starten, die Erkundung des Sehnsuchtsortes Mond und seiner
      Bewohner.

      Geschrieben wurde diese Operette zur Kaiserzeit. 1899 war die Uraufführ-
      ung in Berlin. Über 600 Mal spielte man sie im Anschluss. Der Dauerbrenner
      wurde immer wieder optimiert und ergänzt, je nach Zeitgeist und Mode.
      Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war sie noch sehr beliebt, bis sie langsam
      von den Bühnen verschwand. Für Gelsenkirchen haben Matthias Grimminger
      und Henning Hagedorn nach den Ursprüngen geforscht und ein musikali-
      sches Arrangement im Stil der Operettenszene der 1920er-Jahre kreiert, das
      ganz hervorragend klingt. Die Gassenhauer der damaligen Zeit, wie "Das ist
      die Berliner Luft", Lass den Kopf nicht hängen" oder "Schenk mir doch ein
      kleines Bisschen Liebe", haben tatsächlich das wunderschöne Flair eines
      Berliner Salons. Jedenfalls stellt man sich den Sound heute so vor. Gespielt
      werden die Operetten-Hits von 14 Musikern der Neuen Philharmonie
      Westfalen in einem improvisierten Orchestergraben, dirigiert von Bernhard
      Stengel.

      Szenisch ist es eine wilde Reise im etwas aufgepeppten Stil der 1970er-
      Jahre, kombiniert mit heutigen Einflüssen. Ein oranges Sofa auf einem
      Dachboden ist der Ausgangspunkt. Auf dem Mond wird es silbrig-weiß. Erste
      Science-Fiction-Abenteuer lassen grüßen. Die tollen Hüte wurden geschickt
      mit Plastikbechern, Strohhalmen, Styropor und heutigen PET-Flaschen
      gestaltet. Auch sonst sind die Kostüme von Yvonne Forster ein echter
      Hingucker. Eine wichtige Rolle spielen die Weltraum-Projektionen über die
      gesamte Bühne. Technisch ist das bewusst nicht der Stand der heutigen
      Technik. Die VR-Brillen deuten allerdings schon auf die Moderne hin. Das
      Mondvolk hat sogar Smartphones, mit denen die Erdlinge dokumentiert
      werden.

      Die Bühne ist jedenfalls nie langweilig inszeniert. Auch die jungen Space-
      Cops können choreografisch absolut überzeugen. Der Humor kommt in den
      Sprechpassagen ebenfalls nicht zu kurz. Von Ava Gesell aus den Jungen
      Ensemble des MiR bis hin zur erfahrenen Christa Platzer, die ihre letzte
      Spielzeit singt, ist der Gesang sehr erfrischend, was auch an den bekannten
      Melodien liegt. Sie wirken in der Regel immer aufmunternd und optimistisch.
      Zwischendurch galoppieren die Pferdchen der Liebe etwas durcheinander,
      was sich alles aufklärt. Die Mondbewohner haben eben auch Gefühle. Der
      Spaß auf dem Mond kommt auf keinen Fall zu kurz. Manche Passagen
      sorgen sogar für kleine, vernehmbare Lacher. Voluminös wird es, wenn der
      zahlenmäßig etwas reduzierte Opernchor einstimmt. Dann kommt das
      Preußische der Operette durch. Es darf dabei auch mitgeklatscht werden.

      Dieser Inszenierung von "Frau Luna" ist es gelungen, das Genre Operette
      gründlich zu entstauben und humorvoll in die Neuzeit zu führen. Wer am
      Ende noch immer den Mann im Mond sucht, der sollte wissen, dass der
      Mond von einer Frau regiert wird. Träumereien können so humorvoll und
      unterhaltsam sein. Sehr gut!

      Datum: 5. Oktober 2019, Premiere

      musiktheater-im-revier.de



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